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Regeln im Straßenverkehr : Frust am Steuer: Was Autofahrer falsch machen

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Wann ist die Lichthupe erlaubt? Und wie verhält es sich auf dem Supermarkt-Parkplatz? Eine Regel-Übersicht.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2017 | 09:09 Uhr

Kiel | Auf dem Video ist eine dreispurige Autobahn zu sehen. Auf der mittleren Spur fährt ein  Auto, obwohl rechts alles frei ist. Der Fahrer lässt sich davon nicht beirren. Über den Autos, die sich von hinten nähern und davon behindert werden, erscheinen Sprechblasen, in denen das Problem beschrieben wird. „Was macht der??? Ich überhole rechts“, sagt ein Autofahrer, der auf der rechten Spur an dem langsamen Fahrer vorbeizieht. „Jetzt blockiere ich die Autos hinter mir“, denkt ein Fahrer, der ihn links überholen muss und deshalb schnellere Autos auf der Überholspur ausbremst. Ein anderer Autofahrer auf der rechten Spur muss zwei Fahrbahnen überqueren, um den „Schleicher“ zu überholen.

Mit diesem anschaulichen Filmchen hat sich der ADAC jetzt einem Problem zugewendet, das auf deutschen Straßen alltäglich ist: Die Verkehrsregeln – wie in diesem Fall das Rechtsfahrgebot – werden häufig missachtet. Oft aus Unwissenheit. Wir haben einige davon gesammelt und erklären sie:

Rechts fahren Grundsätzlich gilt in Deutschland laut Straßenverkehrsordnung (StVO)  Rechtsfahrgebot, das heißt, permanentes Fahren auf der linken Spur ist verboten. Allerdings wurde diese Regelung für dreispurige Autobahnen etwas abgewandelt. Nach StVO darf die mittlere Spur durchgängig befahren werden, wenn „hin und wieder“ rechts ein Auto fährt.

Aber was versteht die StVO unter „hin und wieder“? Genau geregelt ist das nicht, da jedoch mit der Lockerung gefährliche Spurwechsel oder das Fahren in Schlangenlinien vermieden werden sollen, darf ein Fahrer – sofern er absehen kann, dass er schon bald das nächste Fahrzeug überholen muss – auch längere Zeit in der Mitte fahren. Entscheidend ist laut Aussagen des ADAC, ob man dabei andere Verkehrsteilnehmer behindert. In so einem Fall können  bis zu 80 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg warten.

Lichthupe beim Überholen Im Rückspiegel sieht man den ungeduldigen Fahrer schon heranrauschen, der sich mit Lichthupe den Weg auf der linken Spur  freiräumen will. Das ist doch nicht legal, mag so mancher denken – und irrt. Denn laut Straßenverkehrsordnung ist das Anzeigen eines Überholvorgangs außerhalb geschlossener Ortschaften mithilfe von Licht- oder Schallzeichen erlaubt. Es darf also sogar gehupt werden. Nötigung wird daraus allerdings, wenn man dabei sehr dicht auffährt und die Lichthupe penetrant wiederholt.

Reißverschlussverfahren Sich bei der Zusammenführung von zwei Spuren richtig einzufädeln, fällt vielen Autofahrern schwer – vielleicht auch deshalb, weil niemand weiß, wie man sich richtig verhält. Möglichst früh  einordnen, sagen die Einen, bis zum Ende durchfahren die Anderen. Richtig ist: Die Spur wird erst gewechselt, wenn man sich schon im Endbereich des Fahrstreifens befindet, ansonsten staut sich der Verkehr unnötig auf. 

Und: Autofahrer sind beim Reißverschlussverfahren dazu verpflichtet, Fahrzeuge am Ende des Fahrstreifen hereinzulassen. Die Regel lautet: Es darf abwechselnd immer ein Auto  von der rechten und eins von der linken Spur weiterfahren.

Abknickende Vorfahrt Auf einer Vorfahrtsstraße muss man nicht blinken – nach diesem Grundsatz scheinen viele Autofahrer zu handeln. Aber:  Blinken hat nichts mit der Vorfahrt zu tun, sondern mit der Fahrtrichtung. Ein Abbiegevorgang muss  immer mit dem Blinker angezeigt werden, auch wenn man einer abknickenden Vorfahrtsstraße folgt.

Vorfahrt im Kreisverkehr Normalerweise ist vor jedem Kreisverkehr ein Vorfahrt achten-Schild. Wer in den Kreisverkehr einfahren will, muss also warten. Anders sieht es aus, wenn das Vorfahrtsschild fehlt. Dann gilt rechts vor links – Autos, die sich im Kreisverkehr befinden, müssen neu einfahrende Autos vorlassen. Übrigens: Wer den Kreisverkehr verlässt, muss blinken.

Beschleunigungsstreifen Das Auffahren auf eine Autobahn scheint für viele Fahrer ein großes Mysterium zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass regelmäßig  Autos am Ende des Beschleunigungsstreifens zum Stehen kommen, weil sie sich nicht in den Verkehr einfädeln können.  Dabei gilt folgende Richtlinie: Möglichst schnell beschleunigen, Blinker links setzen und die Länge des Beschleunigungsstreifens voll ausnutzen, damit andere Fahrer nicht abbremsen müssen. Angst vor dem Tempolimit müssen Fahrer nicht haben: Laut ADAC darf auf dem Beschleunigungsstreifen schneller gefahren werden als die Autos auf der rechten Spur. Falls sich keine Lücke im Verkehr findet, darf notfalls auch auf dem Standstreifen weitergefahren werden, um Unfälle zu vermeiden.

Supermarkt-Parkplatz Auf dem Parkplatz am Supermarkt muss es häufig schnell gehen, gern werden hier deshalb die Vorfahrtsregeln missachtet. Doch das Motto: Wer zuerst Gas gibt, fährt zuerst, funktioniert hier nicht. Stattdessen gilt: Wenn auf dem Parkplatz keine Schilder stehen, gilt rechts vor links.

Wann muss ich blinken? Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen; dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen. Wer nach rechts abbiegen will, hat sein Fahrzeug möglichst weit rechts, wer nach links abbiegen will, bis zur Mitte, auf Fahrbahnen für eine Richtung möglichst weit links, einzuordnen, und zwar rechtzeitig.

Überholen auf Landstraßen Laut StVO darf nur überholt werden, wenn  die Verkehrslage komplett überblickt werden kann und dabei der Gegenverkehr nicht gefährdet ist. Das Ausscheren zum Überholen und das Wiedereinordnen sind  deutlich anzukündigen, das heißt, man muss rechtzeitig blinken. Wer überholt wird, darf seine Geschwindigkeit nicht erhöhen. Das gilt auch für den Überholer – die zulässige Höchstgeschwindigkeit darf während  des  Manövers nicht überschritten werden. Übrigens: Überholmanöver sparen meist weniger Zeit als man glaubt. Bei einer Untersuchung des ADAC wurden auf sechs Landstraßen je zwei Testfahrer – ein konsequenter Überholer und ein defensiver Fahrer – auf die Strecke geschickt. Das Ergebnis: Der Überholer war auf den rund 20 Kilometer langen Strecken knapp eineinhalb Minuten schneller.

Drängeln Dichtes Auffahren ist verboten. In der StVO ist dies allerdings  recht vage formuliert: Der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Als Faustregel gilt: Mindestens ein halber Tachostand in Metern. Genauer wird es, wenn man sich die Bußgeldkatalogverordnung  (BKatV)  anschaut. Hier sind verschiedene Bußgeldkategorien vorgesehen, die sich danach richten, ob der Abstand weniger als  5/10, 4/10, 3/10, 2/10 oder 1/10 vom halben Tachowert beträgt. Gleichzeitig spielt auch die Geschwindigkeit eine Rolle. Logisch: Je höher die Zahl auf dem Tacho, desto größer muss der Abstand sein. Im schlimmsten Fall können Drängler mit 400 Bußgeld, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot bestraft werden.  Doch Vorsicht: Auch wenn es verlockend ist – wer vorausfährt, darf nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen.

Parken auf dem Fußweg Parken auf Gehwegen ist laut StVO nicht explizit verboten. Es ist aber auch nicht generell erlaubt. Auf dem Bürgersteig geparkt werden darf  nur, wenn ein entsprechendes Hinweisschild dies ausdrücklich gestattet. Wer unerlaubt auf dem Gehweg parkt und dabei auch noch Fußgänger oder Rollstuhlfahrer behindert, die die Gehwege nicht mehr benutzen können, muss mit einem Bußgeld von 30 Euro rechnen. Noch mehr wird es, wenn der Falschparker durch die Behinderung der Passanten oder Radfahrer einen Unfall mitverschuldet – zum Beispiel, wenn Fußgänger mit Kinderwagen  nicht mehr passieren können und auf die Straße ausweichen müssen. Laut ADAC gab es bereits Fälle, in denen Falschparkern vor Gericht eine Mitschuld von bis zu 50 Prozent auferlegt wurde.

Kurven schneiden Manchmal fehlen nur ein paar Zentimeter und es würde zum Crash kommen. Besonders auf Landstraßen schneiden Autofahrer immer wieder die Kurven und geraten so fast in den Gegenverkehr – obwohl es eindeutig  verboten ist. Angelehnt an das Rechtsfahrgebot ist das Schneiden von Kurven verkehrswidrig und kann im Zweifel mit einem Bußgeld von 80 Euro und einem Punkt geahndet werden.

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