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Landgericht Düsseldorf : Friedhelm Adolfs: Der Streit ums Rauchen geht weiter

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Aus der Onlineredaktion

Nach Helmut Schmidt ist er wohl der berühmteste Raucher Deutschlands. Ein Gericht entscheidet: Darf er in seiner Wohnung weiter rauchen?

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 19:38 Uhr

Düsseldorf | Mit Hilfe Düsseldorfer Gerichte ist der Raucher Friedhelm Adolfs berühmt geworden - mit Kippe im Mund lässt er sich bereitwillig von Fotografen ablichten. Dem Rentner war nach 40 Jahren die fristlose Kündigung für seine Parterrewohnung ins Haus geflattert. Er soll seine Nachbarn mit Zigarettenrauch unzumutbar belästigt haben. Mit seiner Klage scheitert er zwar in erster und zweiter Instanz, aber der Bundesgerichtshof rügt Rechtsfehler und gibt den Fall im Februar nach Düsseldorf zurück. Heute beginnt die finale Phase des kuriosen Gerichtsprozesses.

Die Sympathien vieler Raucher hat Friedhelm Adolfs (77) auf seiner Seite. Seit drei Jahren wehrt er sich gegen den fristlosen Rauswurf aus seiner Mietwohnung. Doch es geht mittlerweile gar nicht mehr nur um das Schicksal von Friedhelm Adolfs in einem Haus, dessen Wohnungen mittlerweile größtenteils zu Büros umgewandelt wurden. Es geht auch um die Beziehung von Rauchern und Nichtrauchern im privaten Raum, um Rücksichtnahme, um Kompromissbereitschaft.

Wie geht es weiter?

Am Montag lädt das Düsseldorfer Landgericht zur großen Beweisaufnahme ein. Die Kammer will zwölf Zeugen zur Geruchsbelästigung durch Zigarettenqualm aus der Wohnung des Rentners befragen. Sie sollen auch darüber Auskunft geben, ob es möglicherweise andere Ursachen für eine Geruchsbelästigung gebe, etwa Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung im Keller des Wohnhauses, teilte das Gericht vorab mit. Sollte sich bestätigen, dass Adolfs seine Nachbarn mit Zigarettenqualm unzumutbar belästigt hat, wird der 77-Jährige seinen Rauswurf kaum noch verhindern können.

Vor der Verhandlung hat Adolfs' Anwalt allerdings eine Karte aus dem Ärmel gezogen, die die Position der Vermieterin erschüttern soll. Der Zeuge, der Adolfs mündlich abgemahnt haben will, stehe in einer deutlich engeren Beziehung zur Vermieterin, als er vor Gericht ausgesagt habe. Er habe deswegen Strafanzeige erstattet, sagt Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann. Außerdem gebe es weitere Hinweise, die die Glaubwürdigkeit des Zeugen beträfen.

Der Anwalt hält die Aussage des Mannes für unglaubwürdig: „Kein professioneller Vermieter spricht eine Abmahnung mündlich aus“, sagt Lauppe-Assmann. Ohne vorherige Abmahnung wäre die Kündigung aber unwirksam.

Die Vermieterin muss zudem nachweisen, dass die Belästigung durch den Qualm so stark war, dass die Gesundheit der übrigen Menschen im Haus gefährdet wurde. Dies könnte zum entscheidenden Problem werden. „Rauchen darf er. Gewisse Beeinträchtigungen sind hinnehmbar“, hatte Richter Rolf Maurer in einem ersten Termin bereits gesagt. Eine kurzzeitige Geruchsbelästigung im Treppenhaus reiche für eine Kündigung nicht aus.

Adolfs hat gute Chancen, seine Sieges-Zigarette doch noch anzünden zu können - wenn auch zum ausdrücklichen Missfallen seiner Ärzte.

Die Chronik des Raucher-Streits

Juli 2013: Erste Instanz Dass Amtsgericht bestätigt den fristlosen Rauswurf des Rentners aus seiner Mietwohnung. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Nachbarn habe Vorrang vor dem Recht auf freie persönliche Entfaltung des Rauchers.
Juni 2014: Zweite Instanz Adolfs muss die nächste Schlappe verdauen: Auch das Landgericht schlägt sich auf die Seite der Vermieterin und weist seine Berufung zurück. Das Landgericht bewertete es als „schwerwiegenden Pflichtverstoß“, dass der Witwer nicht gelüftet und seine vollen Aschenbecher nicht geleert habe.

Februar 2015:

Dritte Instanz

Die Wende: Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil auf und ordnet eine Neuauflage an. Die Vorinstanzen hätten sich nicht um eine umfangreiche Beweisaufnahme drücken dürfen. Doch die Vermieterin betreibt weiterhin die Zwangsräumung der Wohnung, die Adolfs' allerdings mit Hilfe der Justiz im März abwenden kann.
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