Kleve in Nordrhein-Westfalen : Frau befreit Mann aus Psychiatrie – Paar auf der Flucht

Sind auf der Flucht: Der 27-jährige Siart A. und die 22-jährige Nadia L.
Sind auf der Flucht: Der 27-jährige Siart A. und die 22-jährige Nadia L.

Ein 27-Jähriger Straftäter muss in Begleitung von Beamten zu einem Arzttermin. Vor der Praxis wartet eine 22-Jährige mit einer Waffe. Das Paar kann entkommen.

shz.de von
22. Mai 2015, 09:48 Uhr

Kleve | Die Polizei verstärkt die Suche nach einem geflohenen Straftäter und Psychiatrie-Insassen samt seiner Komplizin am Niederrhein. Beide seien weiterhin auf der Flucht, sagte ein Sprecher in Kleve am Freitag. Die Polizei dehnte die Großfahndung auf weitere Landkreise am Niederrhein und die 135 Kilometer lange Grenzregion zu den Niederlandenaus. „Wir vermuten die Flüchtigen inzwischen nicht mehr in der Umgebung von Goch“, sagte der Sprecher.

Der 27 Jahre alte Häftling und Patient der Psychiatrie in Bedburg-Hau war am Donnerstag von zwei Beamten zu einem Arztbesuch nach Kleve begleitet worden. Er war mit Hand- und Fußschellen gefesselt. Vor der Praxis wartete eine junge Frau (22) auf die Gruppe und erzwang mit einer Schusswaffe die Freilassung des Straftäters. Die beiden flüchteten zunächst mit dem Wagen, den sie einem ansonsten unbeteiligten Autofahrer stahlen. Das Fahrzeug ließen sie nach einem Unfall in Goch zurück und setzten die Flucht zu Fuß fort.

Der 27-jährige Straftäter hatte nach Angaben des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) 2012 eine Frau in ihrem Haus überfallen, mit der Waffe bedroht und Geld und Wertsachen gefordert. Er wurde wegen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Außerdem musste er eine Entziehung in der geschlossenen Psychiatrie machen. Dafür war er seit Ende 2014 in der LVR-Klinik Bedburg-Hau. Der Mann sei bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, teilten die Ermittler mit. Sie warnten davor, dem vermutlich bewaffneten Paar zu nahe zu kommen. Die Frau ist nach Angaben der Ermittler vermutlich eine ehemalige Mittäterin des 27-Jährigen. Es würden zwar regelmäßig Hinweise auf mögliche Aufenthaltsorte der beiden eingehen, sagte ein Sprecher der Polizei Kleve am frühen Freitagmorgen. „Aber bisher hatten wir noch nicht das Glück, dass ein konkreter Hinweis dabei war.“ Die Suche laufe dennoch rund um die Uhr auf Hochtouren.

Spezialkräfte durchsuchten mehrere Häuser in der Nähe des aufgefundenen Wagens. Hubschrauber der Landes- und Bundespolizei waren im Einsatz. Auch die Autobahnpolizei und die niederländische Polizei wurden in die Großfahndung eingebunden. Das Paar habe keine persönlichen Kontakte am Niederrhein und kenne sich in der Region wohl nicht aus, sagte die Polizeisprecherin. Der Mann sei zuletzt im Ruhrgebiet gemeldet gewesen, die 22-Jährige im Raum Aachen. Möglicherweise sei das Paar inzwischen in den Niederlanden, die Grenze sei nur vier bis fünf Kilometer vom Fundort des Fluchtwagens entfernt, sagte die Sprecherin. Außerdem suche die Polizei nach persönlichen Kontaktleuten des Paares, die Unterschlupf bieten könnten.

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