zur Navigation springen

Transasia-Maschine : Flugzeugabsturz in Taiwan: Beide Triebwerke ausgefallen

vom

Zwei Tage nach dem Absturz von Unglücksflug GE235 ziehen Helfer Tote aus dem Wasser. Aber was verursachte den Crash in den Fluss?

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 07:32 Uhr

Taipeh | Vor dem spektakulären Flugzeugabsturz in Taiwan mit mindestens 35 Toten waren beide Triebwerke der Verkehrsmaschine ausgefallen. Die Piloten hätten vor dem Sturz in einen Fluss in Taipeh noch vergeblich versucht, die Propellerturbinen neu zu starten, teilten die Flugsicherheitsbehörden am Freitag nach ersten Untersuchungen mit.

Flug GE235 hatte am Mittwoch kurz nach dem Start um 10.52 Uhr Ortszeit eine Brücke gerammt und war anschließend in den in einem Wohngebiet liegenden Fluss gestürzt. Insgesamt befanden sich 58 Menschen an Bord der Maschine. 14 Passagiere und eine Stewardess konnten gerettet werden.

Die Probleme mit den beiden Propellerturbinen der Turboprop ATR-72 überraschten die Piloten am Mittwoch sofort nach dem Abheben vom Songshan-Flughafen um 10.52 Uhr Ortszeit in der taiwanesischen Hauptstadt. In 360 Meter Höhe ging der Alarm für den ersten Triebwerksausfall los. Knapp eine Minute später setzte die zweite Propellerturbine aus, wurde wieder gestartet, versagte aber erneut. Warum die Triebwerke ausfielen, blieb unklar.

Der Überlebende Huang Jin-sun erzählte im Krankenhaus, er habe kurz vor dem Absturz ein mulmiges Gefühl gehabt. „Das Triebwerk fühlte sich merkwürdig an“, sagte der 72-Jährige dem Fernsehsender ETTV. Er habe ein seltsames Geräusch gehört. Taiwans Luftfahrtbehörde veröffentlichte den letzten Funkspruch aus dem Cockpit. „Mayday! Mayday! Triebwerk-Ausfall!“, sagte der Pilot. Danach riss die Verbindung zu dem Flugzeug ab.

Unterdessen haben Retter weitere Leichen aus dem Wasser geborgen. Suchtrupps stießen am Freitag auf vier weitere Todesopfer. Das berichteten taiwanesische Medien. Damit stieg die Zahl der Toten nach dem Unglück auf 35, acht Menschen gelten weiter als vermisst.

Aufnahmen eines Autofahrers zeigten, wie das zweimotorige Turboprop-Verkehrsflugzeug plötzlich hinter Hochhäusern auftaucht und die Tragflächen kurz senkrecht in der Luft stehen – dann schlägt die Maschine mit der unteren Tragfläche auf die Verkehrsbrücke auf, Trümmerteile fliegen durch die Luft, ein Taxi wird getroffen. Dann stürzt das Flugzeug in den Fluss.

Taipehs Bürgermeister Mayor Ko Wen-je lobte den Piloten als Helden. „Wir müssen ihm wirklich danken“, sagte Ko. Dem Piloten sei es gelungen, das zweimotorige Turboprop-Verkehrsflugzeug ATR-72 an den Wohnhäusern in dem Stadtviertel vorbei in den Fluss zu steuern. Hätte die Maschine ein Haus getroffen, wären noch viel mehr Menschen ums Leben gekommen.

Die Fluggesellschaft Transasia hatte nach dem Absturz mehrfach betont, es habe keine Hinweise auf technische Probleme mit dem Flugzeug gegeben. Bei regulären Sicherheitsuntersuchungen noch in den Wochen zuvor seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Das Flugzeug sei nicht einmal ein Jahr alt gewesen.

Wie die Luftfahrtbehörde berichtete, hatte die ATR-72-Flotte von Transasia in den vergangenen fünf Jahren allerdings schon fünfmal Triebwerksversagen. Drei der Zwischenfälle seien auf Herstellungsprobleme zurückgeführt worden, während zwei Mängel in der Wartung oder bei Reparaturen durch Transasia offenbart hätten, berichtete Taiwans Nachrichtenagentur CNA. Die Luftfahrtbehörde verhängte vorsorglich ein Flugverbot für alle Maschinen des Typs.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen