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Germanwings-Flug 4U9525 : Flugzeugabsturz in Frankreich: Das wissen wir sechs Tage danach

vom

Die Bergungsarbeiten gehen weiter. Für den 17. April ist ein großer Trauergottesdienst im Kölner Dom geplant.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2015 | 13:50 Uhr

Paris/Düsseldorf | Die Ermittler am Absturzort des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen haben am Montag zunächst auf die Hilfe von Hubschraubern verzichten müssen. „Wir haben etwas schwierige Wetterbedingungen“, sagte ein Sprecher der Gendarmerie. In der Region herrschte heftiger Wind. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete, wurden Helfer stattdessen über eine Straße von der Einsatzzentrale im Örtchen Seyne-les-Alpes in die Nähe des Absturzortes gebracht und legten den Rest des Wegs zu Fuß zurück. Die Teams seien dazu etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs, sagte ein Gendarm.

Die Ermittler suchen weiter nach Opfern und dem zweiten Flugdatenschreiber, von dessen Daten sie sich weitere Erkenntnisse über den Absturz erhoffen. Gleichzeitig sind Arbeiter mit schwerem Gerät zugange, um einen Weg ins Absturzgebiet zu bahnen.

Übersicht: Was wissen wir sechs Tage nach dem Unglück?

CO-PILOT: Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine soll die Unglücksregion in den Alpen als Jugendlicher gut gekannt haben. Seine Eltern seien dort mit ihrem Flugverein hingereist, sagte Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron dem französische Sender iTele. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle in den südostfranzösischen Alpen. „Zwischen 1996 und 2003 ist der Club aus Montabaur regelmäßig hierhergekommen“, sagt Kefer in dem Bericht vom Samstag. Auch der Copilot sei damals mit seinen Eltern dabei gewesen. Der Verein sei zum Segelfliegen gekommen.

MOTIVSUCHE: Fahnder entdeckten bei dem 27 Jahre alten Copiloten zu Hause „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Freitag mitteilte. Ein Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben wurden nicht gefunden. Ermittler hatten am Donnerstag zwei Wohnungen des Mannes durchsucht, der seit 2013 als Copilot für Germanwings flog. Über die Art der Erkrankung wurde nichts mitgeteilt, die Ermittler hatten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden gesucht.

KRANKSCHREIBUNG: Der Fluggesellschaft Germanwings lag nach eigenen Angaben keine Krankschreibung des Copiloten vor. Das Luftfahrt-Bundesamt bat das Aeromedical-Center der Lufthansa um Akteneinsicht. Das Universitätsklinikum Düsseldorf bestätigte, dass Andreas Lubitz dort Patient war. „Meldungen, wonach Andreas L. wegen Depressionen in unserem Haus in Behandlung gewesen sei, sind jedoch unzutreffend“, erklärte eine Sprecherin. Die Krankenakte wurde am Montag an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Die Rettungskräfte suchen weiter nach dem Flugschreiber und den Opfern.
Die Rettungskräfte suchen weiter nach dem Flugschreiber und den Opfern. Foto: dpa
 

SUCHE: Das französische Fernsehen zeigte, wie Hubschrauber erneut in den Einsatz flogen. Die Retter konzentrieren sich neben der Bergung und Identifizierung der Leichen auf die Sicherung der Unfallstelle in dem schwierigen Gelände. Rechtsmediziner arbeiten an der Identifizierung der sterblichen Überreste, die schon ins Tal gebracht wurden. Weiter gesucht wird nach dem zweiten Flugschreiber der Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings. Er soll weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit vor dem Absturz liefern. Jedoch sendet er kein Signal, dieses wird nur bei Kontakt mit Wasser ausgelöst. Das dürfte die Suche deutlich erschweren.

STIMMENREKORDER: Aus den Aufnahmen des bereits gefundenen Stimmenrekorders schließen die französischen Ermittler, dass der Co-Pilot von Flug 4U9525 den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit 150 Menschen an Bord mit voller Absicht auf Todeskurs gebracht hat. Am Freitag wurde bekannt, dass der Copilot des abgestürzten Airbus nach Erkenntnissen der Ermittler vor seinem Arbeitgeber Germanwings eine Krankschreibung verheimlicht hat.

SOFORTHILFE: Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte am Freitagabend einen „Tagesspiegel“-Bericht, wonach der Konzern den Angehörigen der Opfer eine Soforthilfe zahlen will. „Lufthansa zahlt bis zu 50.000 Euro pro Passagier zur Deckung unmittelbarer Ausgaben“, zitierte die Zeitung einen Germanwings-Sprecher. In der Nähe der Absturzstelle in Frankreich eröffnet Germanwings am Samstag ein Betreuungszentrum für Angehörige.

TRAUERFEIER: Im Kölner Dom soll am 17. April mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer des Flugzeugabsturzes vom vergangenen Dienstag gedacht werden. Erwartet werden dazu neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern, aus denen die Opfer der Flugkatastrophe stammten.

BEILEID: Angehörige der Passagiere des verschwundenen Malaysia-Airlines-Fluges MH370 sprachen den Hinterbliebenen des abgestürzten Germanwings-Fluges am Samstag ihr Beileid aus. „Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Familien und Freunden der Passagiere und Besatzungsmitglieder von 4U9525“, schrieben die MH370-Familien auf ihrer Facebook-Seite. „Wir geben ihnen unsere Unterstützung in diesen herzzerreißenden Zeiten.“

Our thoughts and prayers are with the families and friends of the passengers and crews of #4U9525. We extend our...

Posted by MH370 Families on Freitag, 27. März 2015

KONSEQUENZEN: Die deutschen und andere europäische Fluggesellschaften zogen schnell Konsequenzen aus dem Absturz und verschärften mit sofortiger Wirkung ihre Regeln für die Besetzung im Cockpit. Kein Pilot darf sich bis auf weiteres mehr allein dort aufhalten. Weltweit reagierten auch viele andere Airlines.

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