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Leichenfund in Lastwagen : Flüchtlingstragödie in Österreich – bis zu 50 Tote

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Sie versuchten in einem Lastwagen Richtung Norden zu reisen. Doch für dutzende Flüchtlinge endete die Fahrt mit dem Tod.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 17:18 Uhr

Parndorf | In Österreich sind in einem Schlepperfahrzeug mindestens 30 tote Flüchtlinge entdeckt worden. Die Leichen seien am Donnerstag in einem Lastwagen auf einem Pannenstreifen auf der Autobahn A4 in der Nähe von Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) südlich von Wien gefunden worden, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Der Lastwagen sei nach ersten Informationen Mitarbeitern des Autobahn-Streckendienstes Asfinag aufgefallen. Sie hätten die Polizei gerufen. Die Schlepper hatten den Lkw dort offenbar bereits am Mittwoch abgestellt und sind flüchtig, teilte die Polizei mit. Aus dem Laderaum quoll bereits Verwesungsflüssigkeit.

Die Staatsanwaltschaft nahm inzwischen nach eigenen Angaben Kontakt zu den ungarischen Strafverfolgungsbehörden auf. „Wir werden nichts unversucht lassen, den Fahrer und seine Hintermänner auszuforschen und das Verbrechen aufzuklären“, versicherte der leitende Staatsanwalt Johann Fuchs. Für den Abend wurde eine weitere Pressekonferenz mit der österreichischen Innenministerin angekündigt. Unterdessen läuft die Fahndung nach dem Fahrer des Lkw auf Hochtouren.

Der Lastwagen mit den Leichen sei inzwischen in eine ehemalige Veterinärmedizinische Anstalt gebracht worden, wo eine entsprechende Kühlung vorhanden sei, sagt der Chef der Landespolizei Hans Peter Doskozil. Eine Bergung der toten Flüchtlinge noch an der Autobahn sei nicht möglich, sagte Helmut Marban, der Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland zuvor. Die Ermittler und Gerichtsmediziner müssten nun die bereits leicht verwesten Opfer bergen, untersuchen und möglichst identifizieren, sagt Doskozil. Vorerst könne noch nicht genau ermittelt werden, wie viele Leichen sich in dem Lkw befinden und auf welche Weise die Menschen ums Leben kamen. Als wahrscheinlich gilt, dass sie erstickt sind. Es muss von 20 bis 50 Toten ausgegangen werden, sagte der Doskozil. Er gehe davon aus, dass die Schlepper Österreich bereits wieder verlassen hätten.

Auf einer Pressekonferenz in Eisenstadt sprach die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner über die Asyl-Tragödie. Heute sei ein dunkler Tag, sagte die Ministerin. Die Tragödie zeige die „verabscheuungswürdigen Methoden der Schleppermafia in all ihrer Hässlichkeit“ auch in Österreich. Man müsse mit aller Härte und null Toleranz gegen die Schleppermafia vorgehen, sagte Mikl-Leitner. „Diese Tragödie macht uns alle betroffen. Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen.“

„Wir sind alle erschüttert von der entsetzlichen Nachricht“, sagte Merkel sagte Merkel am Donnerstag am Rande der Westbalkan-Konferenz in Wien. „Das waren Menschen, die auf dem Weg waren, um mehr Sicherheit und Schutz zu suchen und dabei einen so tragischen Tod erleiden mussten.“ Die Tragödie sei eine Mahnung an Europa, die Migrationsprobleme schnell und im europäischen Geist der Solidarität anzugehen und Lösungen zu finden.

Die EU sei verpflichtet, für Frieden in den Ländern einzutreten, wo Krieg herrsche, sagte Merkel. Und sie müsse Menschen helfen, deren Leben bedroht sei und die in einer ausweglosen Situation seien. Wie viele Syrer. „Europa als reicher Kontinent ist nach meiner festen Überzeugung in der Lage, das zu bewältigen.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich bestürzt: „Dass dort viele, viele Menschen ersticken, weil verbrecherische Schleuser an diesen Menschen und den unwürdigen Transportbedingungen Geld verdienen, macht mich wütend und fassungslos“, sagte de Maizière am Donnerstag in Nürnberg. Es komme nun darauf an, den Täter sowie die Hintermänner zu fassen. Deutschland werde Österreich hier helfen, soweit dies möglich sei.

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