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Flüchtlingstragödie im Mittelmeer : Flüchtlingsboot nahe Kreta gekentert, 117 Tote an Strand in Libyen entdeckt

vom

Über 300 Menschen werden gerettet. Auf dem Schiff waren aber wohl mehr Migranten. Sie wollten offenbar nach Italien.

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2016 | 15:20 Uhr

Athen | Im Mittelmeer südlich von Kreta hat sich ein neues Flüchtlingsdrama abgespielt. Wie die griechische Küstenwache mitteilte, ist am Freitag ein Schiff mit Hunderten Menschen an Bord rund 75 Seemeilen vor der Insel gekentert. Reporter des Staatsfernsehens (ERT) berichteten aus Kreta unter Berufung auf die Küstenwache, es seien drei Tote geborgen worden. Zahlreiche Menschen befänden sich noch auf dem halb untergegangenen Schiff, hieß es.

Die Balkanroute ist geschlossen. Schleuser versuchen nun von Ägypten, Libyen und der Türkei  aus Boote über Kreta nach Italien zu schicken. Immer wieder kommt es auf dem Mittelmeer zu Unglücken mit nicht seetauglichen Schrottbooten. Tausende Menschen haben in den vergangenen Jahren bei der gefährlichen Überfahrt ihr Leben verloren.

Nach Informationen aus Kreisen der Küstenwache wurden 302 Menschen gerettet. Nach weiteren Schiffbrüchigen werde gesucht. Griechische Medien berichteten, an Bord des gekenterten Schiffes könnten bis zu 700 Menschen gewesen sein. Mehrere vorbeifahrende Schiffe, Rettungsboote und sowie zwei Hubschrauber der griechischen Küstenwache und Marine nehmen an der Suchaktion teil. 

Offiziere der Küstenwache gingen davon aus, dass das Flüchtlingsboot aus Ägypten unterwegs nach Italien war. In den vergangenen fünf Tagen waren knapp 180 Migranten auf Kreta gestrandet. Zuvor waren ihre Boote in Seenot geraten. 

An der libyschen Küste sind einem Medienbericht zufolge unterdessen 117 Leichen mutmaßlicher Flüchtlinge angespült worden. Unter den Toten, die auf einem Küstenstreifen von etwa 25 Kilometer Länge nahe der Stadt Suwara angetrieben worden seien, seien auch Kinder, berichtete die Webseite „Migrant Report“ unter Berufung auf den libyschen Halbmond am Freitag. Es war zunächst nicht klar, ob die Toten Opfer der jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer sind. Binnen weniger Tage waren vermutlich mehr als 1000 Menschen bei dem Versuch umgekommen, mit Schlepperbooten von Nordafrika nach Italien zu gelangen.

Tragödien im Mittelmeer

Ende Mai 2016 Innerhalb von nur einer Woche sterben nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR mindestens 700 Menschen bei mehreren Schiffunglücken.
August 2015 Vor der Küste Libyens sollen beim Untergang zweier Flüchtlingsboote mindestens 200 Menschen umgekommen sein. In den Tagen zuvor ersticken rund 100 Flüchtlinge in Laderäumen von Schiffen.
April 2015 Vor der libyschen Küste kentert ein Flüchtlingsboot mit vermutlich mehr als 700 Menschen an Bord. Nach Angaben eines Überlebenden sollen sogar bis zu 950 Menschen an Bord gewesen sein. Mehr als 140 Leichen werden geborgen. Nur 28 Menschen werden gerettet.
Februar 2015 Vor der italienischen Insel Lampedusa kommen möglicherweise mehr als 330 Flüchtlinge ums Leben. Mindestens 29 von ihnen sterben während der Überfahrt von Libyen nach Italien in kaum seetüchtigen Schlauchbooten an Unterkühlung.
September 2014 Nur zehn Menschen werden gerettet, als ein Boot mit angeblich mehr als 500 Migranten im Mittelmeer untergeht. Überlebende berichten, dass Menschenschmuggler das Schiff mit Syrern, Ägyptern, Palästinensern und Sudanesen auf dem Weg nach Malta versenkt hätten.
Juli 2014 Bei einer Flüchtlingstragödie vor Libyens Küste ertrinken mindestens 150 Menschen. Die libysche Küstenwache findet Leichen und Wrackteile eines Schiffes vor der Stadt Khums.
Oktober 2013 Mehr als 360 Flüchtlinge ertrinken bei Lampedusa. Ihr Boot fängt Feuer und kentert. Die Küstenwache kann 155 Menschen in Sicherheit bringen. Sie stammen überwiegend aus Somalia und Eritrea.
Juni 2012 54 Flüchtlinge sterben, als sie bei starken Winden in einem Schlauchboot von Libyen aus Italien erreichen wollen. Ein Mann aus Eritrea überlebt.
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