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Wieder vor Lampedusa : Flüchtlings-Drama im Mittelmeer: Wohl viel mehr Tote als bekannt

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Auf mehreren Booten waren Flüchtlinge auf dem Weg von Libyen nach Sizilien. Gibt es weitere Vermisste vor Lampedusa?

Rom | Beim jüngsten Flüchtlingsdrama im Mittelmeer – das schlimmste in diesem Jahr – sind vor Lampedusa möglicherweise mehr als 330 Menschen ums Leben gekommen. Das erklärte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingswerkes UNHCR am Mittwoch. Sie bezog sich auf Angaben von Überlebenden.

Die süditalienische Insel Lampedusa ist nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 350 Toten im Oktober 2013 zum Sinnbild für Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer geworden.

 

Bei schlechtem Wetter seien drei Schlauchboote mit Flüchtlingen unterwegs von Libyen nach Sizilien gewesen. Auf einem waren zu Beginn der Woche 29 erfroren. Auf zwei weiteren Booten seien insgesamt mehr als 210 Menschen gewesen. „Von diesen überlebten nur neun“, erklärte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami. „Sie wurden nach vier Tagen auf dem Meer gerettet. Die anderen 203 hat das Meer verschluckt.“ Überlebende berichteten von einem vierten vermissten Boot mit möglicherweise mehr als 100 Menschen an Bord. Deren Schicksal ist ungewiss.

Papst Franziskus rief am Mittwoch erneut zur Solidarität mit Flüchtlingen auf, es dürfe nicht an notwendiger Hilfe fehlen. Er verfolge die Nachrichten mit Sorge.

Nach den Unglücken im Jahr 2013 hatte Italien die Rettungsmission „Mare Nostrum“ ins Leben gerufen, die in den folgenden Monaten Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit brachte. Diese wurde vergangenes Jahr von der EU-Grenzschutzmission „Triton“ abgelöst. Menschenrechtsorganisationen und Politiker in Italien kritisierten das Programm erneut als unzureichend.

Im Mittelmeer sind schon Tausende Bootsflüchtlinge gestorben. Traurige Beispiele:

September 2014

Nur zehn Menschen werden gerettet, als ein Boot mit angeblich mehr als 500 Migranten im Mittelmeer untergeht. Überlebende berichten, dass Menschenschmuggler das Schiff mit Syrern, Ägyptern, Palästinensern und Sudanesen auf dem Weg nach Malta versenkt hätten.

Oktober 2013

Mindestens 366 Flüchtlinge ertrinken bei Lampedusa. Das Boot fängt Feuer und kentert. Die Küstenwache kann 155 Menschen in Sicherheit bringen. Sie stammen überwiegend aus Somalia und Eritrea.

Juni 2012

54 Flüchtlinge sterben, als sie in einem Schlauchboot von Libyen aus das Mittelmeer Richtung Italien überqueren wollen. Starke Winde treiben sie wieder aufs Meer. Ohne Wasservorräte trinken die Flüchtlinge schädliches Meerwasser. Ein Mann aus Eritrea überlebt.

August 2011

Ein Boot erreicht mit 270 überlebenden Flüchtlingen aus Afrika Lampedusa. Unter Deck liegen die Leichen von 25 Männern. Sie waren zusammengepfercht und vermutlich an Abgasen erstickt. 100 Leichen seien zudem über Bord geworfen worden, sagt ein Überlebender.

Juni 2011

Vor der Küste Tunesiens gerät ein Boot mit Flüchtlingen aus Afrika und Asien auf dem Weg nach Italien in Seenot. Nur wenige können gerettet werden, bis zu 270 Menschen bleiben verschollen.

 
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erstellt am 11.Feb.2015 | 15:14 Uhr

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