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Flucht vor den Nazis: 500 Tage in der Höhle

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shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Die Ukraine war einer der blutigsten Schauplätze der NS-Vernichtungspolitik: Die Nazis rotteten jüdisches Leben fast vollständig aus, bis zu 1,5 Millionen ukrainische Juden wurden ermordet.

Der Film "No Place On Earth - Kein Platz zum Leben" erzählt jetzt die ebenso unglaubliche wie erschütternde wahre Geschichte einer jüdischen Großfamilie, die dem sicheren KZ-Tod durch die Flucht in eine Höhle entkommt. 511 Tage - fast eineinhalb Jahre - lebten insgesamt 38 Menschen ohne Licht, hungernd und frierend unter der Erde.

"Es sollte eine Abenteuer-Überlebensgeschichte werden", sagt US-Regisseurin Janet Tobias laut Presseheft. "Himmel und Hölle tauschen hier die Plätze. Die finsteren, beängstigenden Orte in der Tiefe waren nun ein Hort der Sicherheit - und draußen waren die Monster." Herausgekommen ist eine bewegende, manchmal allerdings etwas atemlose Dokumentation, die um zahlreiche nachgestellte Spielszenen ergänzt wird.

Hauptfigur ist die resolute jüdische Bäuerin Esther Stermer, die nach dem Einmarsch der Deutschen in die Ukraine ihre Familie und einige Freunde 1942 zur Flucht unter die Erde bewegt. Anfangs ist die Situation noch vergleichsweise erträglich, weil die Verfolgten Lebensmittel, Brennholz und Kerzen mitnehmen können. Doch als die Gestapo nach einem halben Jahr das Versteck aufspürt, kann die Gruppe nur unter dramatischen Umständen entkommen und eine neue Zuflucht finden.

Die Emmy-gekrönte TV-Produzentin Tobias ("Life 360") stützt sich in ihrem Film auf die Recherchen des US-Höhlenforschers Christopher Nicola, der dem Schicksal der Familie Stermer vor 20 Jahren auf die Spur kam. Vor allem aber traf sie in Kanada noch lebende Familienangehörige, die bereit waren, über ihre oft traumatischen Erinnerungen Auskunft zu geben.

Besonders beeindruckend sind die beiden Brüder Sam und Saul Stermer, die - inzwischen weit über 80 - mit viel Witz und Humor von ihrem damaligen Überlebenskampf erzählen: der nächtlichen Suche der Männer nach Lebensmitteln, dem schwierigen Alltag im selbst gewählten Gefängnis und vor allem dem zermürbenden Warten auf das Ende des Krieges.

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