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Vorwurf der Vergewaltigung : Filmproduzent Harvey Weinstein im Visier der Ermittler

vom

Bisher ist noch keine Klage erhoben worden. Auch James-Bond-Schauspielerin Léa Seydoux berichtet von einem Übergriff.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 10:17 Uhr

Los Angeles/New York | Nach den massiven Vorwürfen gegen Harvey Weinstein von sexueller Belästigung bis zur Vergewaltigung wird der Filmproduzent auch für die Strafverfolger wieder zum Thema. Ob erneut Ermittlungen gegen den 65-Jährigen aufgenommen werden, war am Mittwochabend (Ortszeit) zunächst unklar. New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance geriet unter Druck, weil sein Büro Weinstein nach Ermittlungen vor zwei Jahren nicht angeklagt hatte.

Vance beschuldigte seinerseits die New Yorker Polizei, nicht ausreichend Beweismittel für einen solchen Schritt geliefert zu haben. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Tonaufnahme der verdeckten Ermittlungen von 2015.

Weinstein ist bei dem Versuch zu hören, das Model Ambra Battilana Gutierrez in sein Hotelzimmer zu locken, nachdem er sie tags zuvor mutmaßlich begrapscht hatte. „Warum hast Du gestern meine Brust angefasst?“, fragt Gutierrez. „Oh bitte, es tut mir leid, komm einfach rein. Ich bin das gewohnt“, sagt Weinstein. „Du bist das gewohnt?“, fragt das damals 22-jährige Model. „Ja, komm rein“, sagt Weinstein.

13 Frauen beschuldigen Weinstein

Öffentlich gemacht hatte die Tonaufnahme das Magazin „New Yorker“. In dem Bericht schildern die italienische Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento sowie zwei weitere Frauen, dass Weinstein an ihnen Oralsex verübt oder sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Insgesamt hätten 13 Frauen behauptet, zwischen den 90er Jahren und 2015 von ihm sexuell belästigt oder Opfer eines Übergriffs geworden zu sein.

 

Die französische Top-Schauspielerin Léa Seydoux („Blau ist eine warme Farbe“, „James Bond 007: Spectre“) beschreibt in der britischen Zeitung „Guardian“, wie Weinstein in seinem Hotelzimmer auf sie gesprungen sei, um sie zu küssen. „Ich musste mich verteidigen. Er ist so groß und dick, dass ich viel Kraft brauchte, um mich zu widersetzen.“ Alle Mädchen hätten Angst vor Weinstein gehabt. „Er nutzte seine Macht aus, um Sex zu bekommen“, berichtet Seydoux. Das Ekelhafteste sei gewesen: „Jeder wusste, was Harveys vorhatte, und keiner tat etwas. Es ist unglaublich, dass er jahrzehntelang so handeln und trotzdem noch Karriere machen konnte.“

Frühere Vorsitzende und Kollegen in Weinsteins Unternehmen beschrieben, dass sie Zeuge seiner sexuellen Annäherungsversuche geworden seien oder davon gewusst hätten. Immer mehr prominente Schauspieler bezogen Stellung, nachdem Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Heather Graham ähnliche Vorwürfe gegen Weinstein erhoben hatten. Die aus London stammende Schauspielerin Cara Delevingne beschrieb auf Instagram einen Vorfall mit Weinstein, bei dem sie sich „machtlos“ gefühlt habe, als er sie in sein Zimmer einlud und versucht habe, sie auf den Mund zu küssen.

When I first started to work as an actress, i was working on a film and I received a call from‎ Harvey Weinstein asking if I had slept with any of the women I was seen out with in the media. It was a very odd and uncomfortable call....i answered none of his questions and hurried off the phone but before I hung up, he said to me that If I was gay or decided to be with a woman especially in public that I'd never get the role of a straight woman or make it as an actress in Hollywood. A year or two later, I went to a meeting with him in the lobby of a hotel with a director about an upcoming film. The director left the meeting and Harvey asked me to stay and chat with him. As soon as we were alone he began to brag about all the actresses he had slept with and how he had made their careers and spoke about other inappropriate things of a sexual nature. He then invited me to his room. I quickly declined and asked his assistant if my car was outside. She said it wasn't and wouldn't be for a bit and I should go to his room. At that moment I felt very powerless and scared but didn't want to act that way hoping that I was wrong about the situation. When I arrived I was relieved to find another woman in his room and thought immediately I was safe. He asked us to kiss and she began some sort of advances upon his direction. I swiftly got up and asked him if he knew that I could sing. And I began to sing....i thought it would make the situation better....more professional....like an audition....i was so nervous. After singing I said again that I had to leave. He walked me to the door and stood in front of it and tried to kiss me on the lips. I stopped him and managed to get out of the room. I still got the part for the film and always thought that he gave it to me because of what happened. Since then I felt awful that I did the movie. I felt like I didn't deserve the part. I was so hesitant about speaking out....I didn't want to hurt his family. I felt guilty as if I did something wrong. I was also terrified that this sort of thing had happened to so many women I know but no one had said anything because of fear.

Ein Beitrag geteilt von Cara Delevingne (@caradelevingne) am

 

„Solche Sachen dürfen nicht passieren. Heute Morgen war mir absolut schlecht“, sagte Schauspieler Matt Damon dem Portal „Deadline“. Damon hatte mehrere Filme mit Produzent Weinstein gedreht. Sein Kollege Ben Affleck erklärte: „Ich bin traurig und wütend, dass der Mann, mit dem ich zusammenarbeitete, seine Machtstellung nutzte, um viele Frauen über Jahrzehnte einzuschüchtern, sexuell zu belästigen und zu manipulieren.“ Neben zahlreichen weiteren Filmgrößen wie Leonardo DiCaprio distanzierten sich auch ranghohe Demokraten wie Hillary Clinton und Barack Obama, die Wahlkampfspenden von Weinstein erhalten hatten.

 

Zudem trennte sich Ehefrau Georgina Chapman (41) von Weinstein. „Ich unterstütze ihre Entscheidung“, teilte Weinstein mit. Er habe eine Therapie begonnen und könne die Beziehungen vielleicht wieder aufbauen, wenn es ihm „viel besser“ gehe. Er übernahm die Verantwortung für das „viele Leid“, das seine Familie über die vergangene Woche erfahren habe.

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