Feuerwehr-Blog : Feuertaufe im Kriechschritt

Und dann ist plötzlich überall Feuer: Der Feuerwehr-Nachwuchs lernt in einem Brandcontainer, mit den Flammen umzugehen. Redakteurin Kathrin Emse war mittendrin.

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03. Juni 2014, 19:06 Uhr

Es ist dunkel. Eine Farbe irgendwo zwischen grau und orange. Die Sicht liegt im Zenti- gefühlt im Millimeterbereich. Wenige Meter weiter vorne knistert und kracht es. Das Feuer breitet sich aus. Zu sehen ist nichts. Aber zu fühlen: Es wird heiß. Langsam krieche ich meinem Vordermann hinterher. Dem Feuer entgegen. Nervös beobachte ich die Luft über und vor mir. Sind da schon die ersten Flying Angels zu sehen? So nennen Feuerwehrleute die Vorboten eines Flash-Over, bei dem das Feuer im Raum einmal durchzündet. Schlagartig brennt der ganze Raum dann lichterloh.

Bei einem Feuer entstehen Verbrennungs- und Pyrolysegase. Können diese nicht abziehen, steigt die Hitze an der Decke des Raumes auf bis zu 600 Grad Celsius an. Schlagartig können diese Gase dann durchzünden. Flash-Over. Fast der ganze Raum brennt nun; bis auf einen etwa anderthalb Meter hohen Streifen direkt über dem Boden, wo immer noch um die 100 Grad herrschen. Die sogenannten Flying Angels sind erste kleine Durchzündungen. Sie sehen aus wie fliegende Engel. Wunderschön und angsteinflößend.

So weit die Theorie. Wir werden, das hat der Ausbilder im Vorfeld versprochen, in dieser Übung im Brandcontainer einen Flash-Over erleben. Ich hasse Feuer. Das ist mir jetzt klar. Es soll ja Feuerwehrleute geben, die zündeln, weil sie so scharf auf einen Brand sind – ich gehöre definitiv nicht zu diesem Typus. Spätestens jetzt weiß ich definitiv, dass ich bei der Wehr bin, weil ich Feuer nicht ausstehen kann. Ausgenommen Lagerfeuer natürlich.

Mittlerweile bin ich an die Spitze der Schlange vorgerückt. Es ist nun an mir, den Schlauch in die Hand zu nehmen und den Brand zu bekämpfen. Als erstes richte ich das sogenannte Hohlstrahlrohr kurz über mich und gebe einen kurzen Stoß ab. Ein Test, um festzustellen, wie heiß die Luft da oben an der Decke ist, wie hoch die Gefahr eines Flash-Overs. Es kommen kaum Tropfen zurück – verdammt heiß also. Ich richte meinen Blick auf das Feuer. Und tatsächlich: Da sind sie, die Flying Angels. Schnell und gezielt gebe ich kurze Wasserstöße rechts und links auf das Feuer, um dies abzukühlen. Drei-, viermal. Dann ist der nächste dran. Ich verlasse derweil kurz den Container. Meine Handschuhe sind da vorne so heiß geworden, dass ich das Gefühl habe, die Handaußenflächen verbrennen darin.

Feuerwehrleute haben beim Brandeinsatz eine Schutzkleidung an, die Hitze abweist. Und in der Tat fühlt es sich nicht so an, als hockten wir da drinnen bei Temperaturen von 100 Grad und mehr. Allerdings merke ich sofort, wenn ich den Kopf etwas höher hebe, um besser gucken zu können, wie der innere Ring meines Stahlhelms heiß wird und sich in die Kopfhaut zu brennen scheint.

Während ich draußen also abkühle, zündet es drinnen durch. Meine Kameraden berichten mir später, dass die Flammen „total schön“ über sie hinweggetanzt seien. Wieder drinnen, rücke ich zur Brandbekämpfung mit einem zweiten Kameraden vor. Immer zwei Kriechschritte, dann zwei kurze Sprühstrahle. Wir nähern uns den Flammen bis auf circa zwei Meter. Stoß rechts, Stoß links, vor. Stoß rechts, Stoß links vor. Vorne Stoß, Stoß. Pause. Dann wieder Stoß, Stoß – ich sehe, wie das Feuer an einigen Stellen erlischt. Das bringt Spaß! Doch ich muss an den nächsten abgeben und reihe mich wieder hinten in der Schlange ein.

Einmal im Jahr müssen Atemschutzgeräteträger zu einer solchen Übung in den Brandcontainer. Ich werde auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Denn ich hasse Feuer – und es ist super, das Löschen eines solchen einmal unter halbwegs realen Bedingungen zu üben.

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