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Bautzen in Sachsen : Feuer in Flüchtlingsunterkunft: Brandbeschleuniger entdeckt

vom

Verstörende Szenen in Bautzen: In einem künftigen Flüchtlingsheim bricht ein Brand aus - und Schaulustige freuen sich darüber.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 16:13 Uhr

Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen haben die Ermittler Spuren von Brandbeschleuniger in dem Gebäude entdeckt. Das teilte die Görlitzer Polizei am Sonntagnachmittag mit.

Mit unverhohlener Freude hatten Schaulustige bei dem Feuer in der geplanten Flüchtlingsunterkunft zugesehen. Einige hatten sogar die Löscharbeiten behindert. Während des Brandes mitten in einem Wohngebiet versammelten sich in der Nacht zu Sonntag nach Polizeiangaben schätzungsweise 20 bis 30 Menschen. Zwei Männer, die laut Polizei die Arbeit der Feuerwehr massiv behinderten und einen Platzverweis nicht befolgten, kamen vorübergehend in Gewahrsam.

Die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland hat seit Beginn der Flüchtlingskrise massiv zugenommen. Rechtsextreme Straftaten haben in Deutschland 2015 um mehr als 30 Prozent zugenommen. Nach vorläufigen Zahlen registrierten die Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr 13.846 einschlägige Delikte.

Teilweise seien die Gaffer angetrunken gewesen und hätten „abfällige Bemerkungen“ gemacht oder „unverhohlene Freude“ gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher. Verletzt wurde bei dem Brand nach erstem Erkenntnisstand niemand. Das Gebäude war zuletzt als Hotel genutzt worden und befand sich im Umbau. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) verurteilten das Verhalten der Schaulustigen scharf.

Tillich betonte auch mit Blick auf die fremdenfeindlichen Ereignisse am Donnerstagabend in Clausnitz, wo ein aufgebrachter Mob längere Zeit einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockierte, die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich. „Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher“, sagte er am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Solche Taten besudelten „das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens“.

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten.“ Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, fügte er hinzu.

Auch wenn die Brandursache noch nicht feststehe, habe das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei die Ermittlungen übernommen, weil ein fremdenfeindlicher Anschlag nicht ausgeschlossen werden könne.

Die Polizei erteilte am Sonntag Platzverweise gegen drei Bautzener im Alter von 19 und 20 Jahren, die die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert hätten. Da die beiden alkoholisierten 20-Jährigen laut Polizei Widerstand leisteten, wurden sie in Gewahrsam genommen.

Im sozialen Netzwerk Twitter reagierten viele Menschen betroffen - auch Politiker und andere Prominente:

 

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