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Luxus-Skandal um Tebartz-van Elst : Fall um Limburger Bischof steuert auf Entscheidung zu

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Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst muss sich wegen seiner Amtsführung Papst Franziskus erklären. In den Gesprächen dürfte es um seine Zukunft gehen.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 08:33 Uhr

Vatikanstadt | Im Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht womöglich eine Entscheidung im Vatikan bevor. Der 53-Jährige reiste am Sonntag nach Rom, wo er mit Papst Franziskus über seine Zukunft reden will. Zugleich nimmt heute der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mehrtägige Gespräche im Vatikan auf. Dabei will er mit dem Heiligen Vater auch den Fall Tebartz-van Elst erörtern. Wann die Gespräche stattfinden, blieb zunächst unklar. Der Vatikan-Besuch Zollitschs war bereits seit längerem geplant.

Tebartz-van Elst hatte sich in den vergangenen Tagen zu der Reise entschlossen, nachdem die Vorwürfe wegen seiner Amtsführung immer heftiger geworden waren. Es sei für den Bischof selbstverständlich, „dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in Limburg in den Händen des Heiligen Vaters liegt“, erklärte das Bistum.

Zollitsch ging vor seinen Gesprächen in Rom nochmals klar auf Distanz zu Tebartz-van Elst. „Wir haben ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Und die Kirche in Deutschland trägt den Schaden“, sagte er der Bild-Zeitung.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann legte dem Limburger Glaubensbruder den Rücktritt nahe. „Die Situation ist ja so eskaliert, dass man sagen muss, der Bischof Franz-Peter kann im Grunde in Limburg nicht mehr arbeiten“, sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. „Ein Bischof braucht ja auch Akzeptanz.“ Wenn aber die Akzeptanz der Gläubigen schwinde, könne ein Bischof nicht mehr als Seelsorger arbeiten.

Tebartz-van Elst steht seit Wochen wegen der enormen Kosten für den Neubau seiner Bischofsresidenz unter Druck. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen Falschaussage gegen ihn beantragt. Noch vor seiner Rom-Reise waren weitere Vorwürfe laut geworden.

Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) sollen jahrelang Baukosten unter der Verantwortung des Bischofs verschleiert worden sein. Der Sprecher des Vermögensverwaltungsrats, Jochen Riebel, bezeichnete Tebartz-van Elst erneut als Lügner. Er bestätigte Medienberichte, wonach der Bischof intern gesagt habe, die immensen Kosten für seine Residenz dürften niemals öffentlich werden.

Ursprünglich sollte der Neubau der Bischofsresidenz 2,5 Millionen Euro kosten, später wurde mit insgesamt 5,5 Millionen Euro Baukosten gerechnet, inzwischen sind es 31 Millionen. Dem Architekten Michael Frielinghaus zufolge waren die Kosten dem Bistum seit mehr als zwei Jahren bekannt. „Von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein“, sagte er der „Frankfurter Neue Presse“. Als sein Büro im Mai 2010 den Auftrag für den Bischofssitz übernommen habe, sei klar gewesen, dass das Projekt zu der damals öffentlich genannten Summe von 2,5 Millionen Euro nicht zu realisieren sei.

40 Millionen Euro

13. Oktober: Der Druck auf Tebartz-van Elst wächst weiter: „Welt am Sonntag“ und „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichten über bis zu 40 Millionen Euro Gesamt-Finanzbedarf für die Limburger Residenz und Versuche, die Kostenexplosion zu verschleiern.

Rom-Reise

12. Oktober: Einem Medienbericht zufolge will der Bischof rasch nach Rom fliegen. Er wolle damit Erzbischof Robert Zollitsch zuvorkommen, der am Donnerstag mit Papst Franziskus über die Limburger Situation rede. Tebartz-van Elst  nimmt einen Billig-Flieger.

Strafbefehl beantragt

10. Oktober: Tebartz-van Elst verteidigt die Kostenexplosion. „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“, sagt er der „Bild“-Zeitung. Die Hamburger Staatsanwaltschaft beantragt in Zusammenhang mit dem Flug nach Indien einen Strafbefehl.

31 Millionen Euro

7./8. Oktober: Das Bistum beziffert die Kosten für den neuen Bischofssitz jetzt auf 31 Millionen Euro. Kritiker werfen dem Bischof Täuschung vor und fordern seinen Rücktritt.

Kritik von Zollitsch

23. September: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisiert Tebartz-van Elst wegen der Finanzaffäre. Eine Kommission werde untersuchen, warum die Kosten für das neue Domizil explodierten.

Transparenz gefordert

9. September: Der päpstliche Gesandte Giovanni Kardinal Lajolo besucht Limburg. Der Bischof sichert wenige Tage später zu, alle Kosten für die Baumaßnahmen Prüfern zugänglich zu machen.

Protestbrief

6. September: Gläubige überreichen dem Bischof ihren Offenen Protestbrief mit rund 4400 Unterschriften.

Bischof räumt Fehler ein

1. September: Tebartz-van Elst bittet alle Gläubigen seines Bistums in einem Brief um Vertrauen und räumt Fehler ein.

Solidarität

29. August: Das streng konservative „Forum Deutscher Katholiken“ ruft zur Solidarität mit dem Oberhirten auf.

Unterschriftensammlung

25. August: Im Bistum beginnt mit einem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung gegen die Amtsführung des Bischofs. Gefordert wird eine umfassende Aufklärung über die Kosten der Residenz.

10 Millionen Euro

9. Juli: Das Bistum korrigiert die Gesamtkosten für die neue Residenz nach oben. Sie lägen deutlich über 10 Millionen Euro.

Kostenexplosion

28. Juni: Die umstrittene neue Bischofsresidenz hat nach Angaben des Limburger Bistums knapp 10 Millionen Euro gekostet - rund viermal so viel wie ursprünglich geplant. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen worden sei.

Falschaussage

29. Mai: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bischof wegen möglicher Falschaussage über seinen Flug nach Indien.

Indienreise

19. August 2012: Tebartz-van Elst sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin „Der Spiegel“. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück.

 
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