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So überleben Sie Island : Fahren im Nordlichter-Rausch - und was Island-Touristen sonst noch falsch machen

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Ein Besuch in Island kann einzigartig sein. Wenn man nicht aufpasst, aber auch der letzte.

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erstellt am 15.Feb.2017 | 17:52 Uhr

Zu viel getrunken? Telefonieren am Steuer? Was war da los? Wie die BBC berichtet, mussten Polizeibeamte im Süden Islands in der vergangenen Woche mehrfach Autofahrer stoppen, weil sie durch Schlangenlinien-Fahrten den Verkehr gefährdeten. Der Grund für den Schlingerkurs: Nordlichter tauchten plötzlich am Himmel auf - die Fahrer konnten ihre Augen nicht vom faszinierenden Farbenspiel abwenden.

Nordlichter sind für viele Island-Besucher das Must-See. Die Einwohner treiben abgelenkte Touristen mit solch unüberlegten und gefährlichen Aktionen aber regelmäßig auf die Palme - auch wenn es nicht um Nordlichter geht.

In Facebook-Gruppen wie „Don't Be a Bad Tourist in Iceland“ tragen Isländer die Fails der unberechenbaren Besucher zusammen. Die Betreiber der Gruppe wissen selbst: „Tourismus in Island ist wichtig. Und die Mehrheit der Besucher ist wundervoll.“ Doch manche von ihnen brächen Gesetze, ignorierten Regeln und ruinierten den Spaß für alle. Mit der Gruppe wolle man Besucher sensibilisieren für das, was in Island lieber unterlassen werden sollte.

Parken, wo andere Autofahren

In der Vergangenheit verursachten Touristen bereits Unfälle, weil sie mitten auf der Straße plötzlich ihr Auto stoppten oder gar parkten, um Fotos zu machen. Eine einfache Lösung gibt es dafür nicht: „Wir können niemals ganz verhindern, dass Leute ihre Autos plötzlich anhalten, wenn die Idee ein Foto zu schießen in ihrem Kopf aufploppt“, sagte der Chef der Road and Coastal Administration, Hreinn Haraldsson, dem Iceland Magazin bereits zu einem solchen Fall im November 2015. Ob nun eine Herde Schafe, Pferde oder etwas anderes ihre Aufmerksamkeit auf sich lenke.

Querfeldein marschieren - ohne Plan

Luftaufnahmen haben einen besonderen Reiz - insbesondere wenn die aufgenommene Landschaft so einzigartig ist, wie die der Vulkaninsel im Nordatlantik. Doch zu waghalsige Manöver sollte man bei der Jagd nach dem perfekten Bild vermeiden. Bei dem Versuch, seine abgestürzte Drohne aus den Bergen zu retten, saß ein Amerikaner plötzlich an einem steilen Berghang fest. Bis zu einer Höhe von etwa 500 Metern hatte er es - ohne Kletterausrüstung - alleine geschafft, realisierte aber, dass er am Abstieg wohl scheitern würde. Zumal es langsam dunkel wurde. Die von dem Mann selbst gerufenen Retter konnten ihn unverletzt auf den sicheren Boden zurück holen.

Immer wieder versuchen Touristen, auf die gefrorene Lagune des Jökulsárlón Gletschers hinauszugehen. Abgesehen davon, dass es auf dem Eis - wie auf jedem anderen Eis auch - sehr rutschig ist, können sich außerdem Eisschollen lösen.

<p>Kein Grund zum Jubeln: Es ist gefährlich, die Eisschollen des Jökulsárlón Gletschers zu betreten.</p>

Kein Grund zum Jubeln: Es ist gefährlich, die Eisschollen des Jökulsárlón Gletschers zu betreten.

Foto: Imago/Imagebroker/MoritzxWolf
 

Fällt man ins Wasser, wird es besonders gefährlich: Nicht nur ist es sehr kalt und die Strömung stark, die Eisschollen erschweren auch die Rettung. Und nicht nur zu Fuß versuchen immer wieder Besucher, auf des Eis hinauszugehen. Einige haben schon probiert, mit ihrem Mietwagen den Gletscher zu bezwingen.

Sperrungen ignorieren

Absperrband oder -gitter heißen in der Regel: hier geht es nicht weiter. Der findige Tourist lässt sich aber nicht auf den Arm nehmen und macht sich lieber selbst ein Bild davon, ob die Warnungen auch wirklich begründet und einzuhalten sind. Vielleicht wird ja auch maßlos übertrieben. Und unfair ist es sowieso, dass es einen selbst beim vielleicht einzigen Besuch auf der Vulkaninsel, auf der es so viel zu entdecken gibt, trifft. So zumindest der Eindruck, wenn man die Vielfalt der Berichte isländischer Medien dazu sieht. Die Straße ist dicht, der Zugang zum Felsvorsprung am beeindruckenden Gulfoss-Wasserfall wegen der Gefahr eines massiven Steinabbruchs gesperrt: macht nichts, wird schon nichts passieren, scheint das Motto derjenigen, die unbeirrt trotzdem ihren Weg zur Sehenswürdigkeit fortsetzen. Die Behörden suchen Gründe und Lösungen. Eine Idee für die Ernstnahme von Straßensperren: Statt „unpassierbar“ soll zur Untermalung der signalfarbenen Warndreiecke künftig das Wort „geschlossen“ zu lesen sein. Kann helfen, muss es aber nicht.

Welche Gefahren lauern können, wenn Besucher sich nicht an Absperrungen halten, zeigt dieses Video:

Naturgewalten unterschätzen

Island ist bekannt für seine heißen Quellen und kochendes Wasser spuckenden Geysire. Abstand halten ist hier geboten, ebenso wie das Wandern auf markierten Wegen statt querfeldein - schließlich schießt das heiße Wasser nicht immer genau berechenbar aus den Löchern in der Erde hinaus. Im Oktober erlitt ein Mann schwere Verbrühungen, als er abseits einer zugänglichen Lagune unterwegs war und in einen Geysir fiel.

Doch auch das kalte Wasser der rauen See ist für Island-Besucher nicht minder faszinierend als Geysire oder feuerspeiende Vulkane. Aber auch nicht weniger gefährlich.

 

Für ein beeindruckendes Foto oder Videoaufnahmen mit Mittendrin-Feeling begaben sich im Januar zwei Besucher am Reynisfjara Beach in höchste Gefahr. Und sie waren nicht die ersten. Immer wieder gehen Touristen für gute Aufnahmen zu nah an das Wasser heran und werden von den unberechenbar und erbarmungslos heranbrausenden Wellen überrascht und von der Strömung gepackt. Anfang Januar ist eine 47-jährige Frau aus Deutschland am selben Strand ums Leben gekommen. Die starke Strömung zog sie ins Meer hinaus. Nachdem Rettungskräfte sie geborgen hatten, starb die Frau auf dem Weg ins Krankenhaus.

Einmal faszinierende Polarlichter, heiße Quellen oder atemberaubende Gletscher sehen - das verstehen auch Isländer - ist der Traum vieler Besucher. Dennoch gilt: „Sei verantwortungsbewusst und hab' Spaß!“ - das wünschen sich wohl nicht nur die Macher der Facebook-Gruppe.

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