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Afghanistan : Explosion und Schüsse im Zentrum von Kabul

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Nahe der spanischen Botschaft soll eine Autobombe explodiert sein. Zeugen berichten von Schusswechseln.

Kabul | Das Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Freitagabend von einer schweren Explosion erschüttert worden. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte über Twitter mit: „Selbstmordattentäter sind in ein Gästehaus ausländischer Besatzer eingedrungen.“ Anwohner berichteten von anschließenden Schusswechseln. Der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Seddiki, sagte, im Stadtteil Scherpur sei vermutlich eine Autobombe detoniert.

Eigentlich wollen sich die afghanische und pakistanische Regierung mit den Taliban zu Friedensgesprächen treffen. Angesichts der neuen Eskalation der Gewalt wachsen Zweifel an dem Vorhaben.

Der Sender Tolo News berichtete, zu der Explosion sei es in der Nähe der spanischen Botschaft gekommen. Internationale Sicherheitsberater sagten, bei dem angegriffenen Gebäude könnte sich um ein Gästehaus der spanischen Botschaft handeln. In Scherpur haben mehrere internationale Organisationen ihre Gästehäuser. Auch viele hochrangige afghanische Politiker leben in dem wohlhabenden Viertel. Anwohner berichteten, das Viertel sei nach der Detonation abgeriegelt worden.

Das Emergency-Hospital, ein Krankenhaus am Rande Scherpurs, teilte über Twitter mit, dort seien sieben verletzte Afghanen aufgenommen worden.

Erst am Dienstagabend hatten Taliban-Kämpfer den Flughafen der südafghanischen Stadt Kandahar angegriffen. Bei den 27-stündigen Gefechten waren mindestens 61 Menschen getötet worden. Bei den Toten handele es sich um 38 Zivilisten, zwölf Angehörige der Sicherheitskräfte und die elf Angreifer, teilte das Verteidigungsministerium mit. Weitere 35 Menschen seien verletzt worden. Die schweren Kämpfe am zweitgrößten Flughafen des Landes dauerten bis in die Nacht zum Donnerstag.

Nach dem Angriff hatte der Chef des afghanischen Geheimdienstes NDS, Rahmatullah Nabil, am Donnerstag seinen Rücktritt eingereicht. Nabil, der den NDS seit dem Jahr 2010 führte, war bereits nach der verübergehenden Eroberung von Kundus durch die Taliban scharf für das Versagen des Geheimdienstes kritisiert worden.

Die neuen Angriffe überschatten auch einen geplanten neuen Anlauf der afghanischen und pakistanischen Regierung für Friedensgespräche mit den Taliban. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hatte am Mittwoch bei einer Konferenz in Islamabad mit Vertretern der USA, Chinas und Pakistans darüber beraten, wie die Extremisten an den Verhandlungstisch gebracht werden könnten. Aus dem pakistanischen Außenministerium hieß es, angesichts der neuen Welle der Gewalt sei fraglich, ob die Taliban zu Gesprächen bereit seien.

Neue Gefechte drohen in der Provinz Helmand, die an Kandahar angrenzt. Dort hatten Taliban am Mittwoch den Distrikt Khanischim unter ihre Kontrolle gebracht. Spezialkräfte seien auf dem Weg, um ihn zurückzuerobern, sagte ein Polizeisprecher.

 

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erstellt am 11.Dez.2015 | 15:59 Uhr

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