Terror in Afghanistan : Explosion in Kabul: Deutsche Botschaft war wahrscheinlich Anschlagsziel

Ein Bild der Zerstörung am Anschlagsort. Die deutsche Botschaft wurde schwer beschädigt.

Ein Bild der Zerstörung am Anschlagsort. Die deutsche Botschaft wurde schwer beschädigt.

Der Anschlag am 31. Mai war wahrscheinlich direkt gegen das Diplomaten-Gebäude gerichtet. 150 Menschen starben.

shz.de von
11. August 2017, 12:30 Uhr

Berlin | Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich der verheerende Anschlag in Kabul mit bis zu 150 Toten im Mai gegen die deutsche Botschaft gerichtet hat. „Nach bisherigem Kenntnisstand gilt es als wahrscheinlich, dass der Anschlag am 31. Mai die deutsche Botschaft treffen sollte“, heißt es in einem vertraulichen Bericht des Auswärtigen Amts zur Lage in Afghanistan.

Nach dem Anschlag stellte die Bundesregierung die Sicherheitslage in Afghanistan infrage. Es galt als sicheres Herkunftsland, sodass Asylbewerber dahin abgeschoben werden durften. Der Angriff auf die Botschaft hat dazu geführt, dass afghanische Asylbewerber jetzt nur noch in Ausnahmefällen abgeschoben werden.

Über den oder die Täter des Anschlags besteht weiter Unklarheit. Bisher habe sich „keine Gruppe glaubhaft zu der Tat bekannt“, heißt es in dem Bericht. Ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) werde als „nicht glaubhaft“ eingestuft. Die afghanische Regierung mache das Hakkani-Netzwerk, eine autonome Gruppe der radikalislamischen Taliban, verantwortlich. Die Ermittlungen seien aber auch mehr als drei Monate nach dem Anschlag noch nicht abgeschlossen.

Am 31. Mai explodierte an einem Kontrollpunkt in der Nähe der deutschen Botschaft in Kabul ein mit mehreren Tonnen Sprengstoff beladener Abwasser-Tankwagen. Bei dem Anschlag waren nach UN-Angaben 92 Menschen getötet worden, die afghanische Regierung hat von 150 Toten gesprochen. Darunter waren zwei afghanische Mitarbeiter der deutschen Botschaft.

Seit Jahresbeginn sind in Afghanistan dem Land Hunderte Menschen bei Anschlägen der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet oder verletzt worden.

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