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Fall in Frankreich : Europäischer Gerichtshof erlaubt Sterbehilfe für Querschnittsgelähmten

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Vincent Lambert darf sterben. Der Franzose liegt seit sechs Jahren im künstlichen Koma. Seine Familie zog vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 10:11 Uhr

Straßburg | Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Sterbehilfe für den querschnittsgelähmten Vincent Lambert in Frankreich gebilligt. Die Entscheidung des obersten französischen Verwaltungsgerichts, die künstliche Ernährung des Wachkoma-Patienten Lambert zu beenden, sei kein Verstoß gegen das Recht auf Leben der Europäischen Menschenrechtskonvention, befand die Mehrheit der 17 Richter des EGMR am Freitag in Straßburg.

Die streng katholischen Eltern des 38-jährigen querschnittsgelähmten Vincent Lambert wollen die künstliche Ernährung ihres Sohnes fortsetzen. Seine Ehefrau und weitere Angehörige wollen in Übereinstimmung mit den Ärzten die lebensverlängernden Maßnahmen jedoch stoppen. Der Vertreter der Eltern, Jean Paillot, bezeichnete den Abbruch der künstlichen Ernährung vor den 17 EGMR-Richtern als Euthanasie. Die Geräte abzuschalten wäre aus seiner Sicht ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Schutz des Lebens.

Nun können die Ärzte mit Zustimmung der Ehefrau Lamberts und mehrerer Geschwister die Magensonde des früheren Krankenpflegers entfernen und ihn sterben lassen. Lambert liegt nach einem Verkehrsunfall vor sieben Jahren im Wachkoma. Das Urteil des EGMR ist endgültig, eine Berufung dagegen nicht möglich.     

Problematisch war, dass der Mann nie eine Patientenverfügung verfasst hat. Es gibt nur die mündliche Zusicherung seiner 33-jährigen Ehefrau, dass ihr Mann immer gegen eine künstliche Lebensverlängerung gewesen sei. Nach Ansicht der Ärzte besteht angesichts der schweren Hirnverletzungen keine Chance auf Besserung.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz nannte den Streit um passive Sterbehilfe im Vorfeld des Urteils „ein Trauerspiel“. Das Gezerre sei unwürdig für den Patienten und alle übrigen Beteiligten, so Vorstand Eugen Brysch. Ein solcher Fall sei aber auch in Deutschland denkbar, wenn keine wirksame Patientenverfügung vorliege.

In Frankreich können Ärzte zusammen mit Angehörigen eine „Lebensverlängerung um jeden Preis“ abbrechen und unheilbar Kranke am Lebensende „sterben lassen“. In Deutschland ist die passive Sterbehilfe erlaubt. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland und Frankreich wie in den meisten europäischen Ländern verboten.

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