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Lustpille Addyi : Erstes „Viagra für Frauen“ in den USA zugelassen

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Viagra hat die Welt verändert - und Pharmafirmen bei Männern einen Milliardenmarkt erschlossen. Jetzt kann „Pink Viagra“ für Frauen auf den Markt kommen. Aber was kann die Pille?

Die „Viagra für Frauen“ kann in den USA auf den Markt kommen. Die Arzneibehörde FDA in Washington hat zum ersten Mal ein luststeigerndes Präparat als Medikament zugelassen. Die Food and Drug Administration genehmigte am Dienstag (Ortszeit) das Mittel Flibanserin, das unter dem Namen Addyi auf den Markt kommen soll. Die rosa Pille soll die sexuelle Lust von Frauen wecken. Eine körperliche Stimulanz ist sie nicht.

Wie wirkt Viagra beim Mann? Nur wenn der Arzt eine erektile Dysfunktion (ED), die Unfähigkeit ein steifes Glied zu bekommen und zu halten, ausgemacht hat, kommen die berühmten blauen Viagra-Pillen des US-Herstellers Pfizer und die weniger bekannten Produkte Cialis (Lilly Pharma) und Levitra (Bayer) ins Spiel. Die drei Medikamente, die zusammen als PDE5-Hemmer bezeichnet werden, greifen in die Biochemie der Erektion ein. Sie behindern ein Enzym namens Phosphodiesterase, Typ 5 (PDE5) beim Abbau eines chemischen Botenstoffes und sorgen so dafür, dass sich die Muskeln in den Schwellkörpern entspannen und der Penis steif wird.

„Die heutige Zulassung gewährt Frauen, die unter sexueller Unlust leiden, eine überprüfte Therapiemöglichkeit“, sagte FDA-Forschungsdirektorin Janet Woodcock. „Die FDA ist um den Schutz und die Förderung der Gesundheit von Frauen bemüht, und wir fühlen uns verpflichtet, die Entwicklung sicherer und effektiver Präparate zu unterstützen.“

Die Effizienz ist jedoch genau der Streitpunkt. Nach Untersuchungen, die auch die FDA veröffentlicht hat, kam es bei Frauen mit dem Wirkstoff zu einem halben bis einem Mal Sex mehr pro Monat als bei Frauen mit Placebo. Das ist ein geringer Wert - allerdings dennoch einer, der für viele Paare einen großen Unterschied machen kann.

Frigidität oder sexuelle Gefühlskälte ist ein Problem für Millionen Frauen: Sie haben keine Lust auf Sex und empfinden keinen Spaß am Geschlechtsverkehr. Die Störung der Libido ist eine Belastung für viele Beziehungen, die oft psychotherapeutisch behandelt wird. Nach Angaben von Medizinern ist in Deutschland etwa jede dritte Frau betroffen. Ob und wann das Präparat nach Deutschland kommt, ist noch ungewiss. Mediziner gehen zudem davon aus, dass die Tablette nur zehn Prozent der Betroffenen hilft - was allerdings Millionen sein können.

Die rosa Pille wirkt weniger auf den Körper, denn auf die Psyche. Während Viagra und Co. bei Männern ein körperliches Problem anpacken und zu Erektionen verhelfen können, beeinflusst Flibanserin im Gehirn die Botenstoffe Dopamin und Serotonin und soll die Libido anregen. Es geht also nicht um das Können, sondern das Wollen. Die Pille muss aber jeden Abend eingenommen werden - ob Sex geplant ist oder nicht.

Flibanserin wurde vom deutschen Hersteller Boehringer Ingelheim entwickelt - als Mittel gegen Depressionen. Die luststeigernde Wirkung wurde erst später bekannt. Nach einem negativen FDA-Bericht gaben die Rheinland-Pfälzer das Projekt 2010 auf. Sprout Pharmaceuticals aus Raleigh im Bundesstaat North Carolina übernahm die Forschung, scheiterte aber 2013 ebenfalls an der US-Behörde.

Daraufhin gab es heftige Kontroversen zwischen Frauenrechtsgruppen. Die einen warfen der FDA Sexismus vor, weil sie Viagra zugelassen habe, nicht aber Flibanserin. Andere behaupteten, das Unternehmen missbrauche die Aktivistinnen, um ein noch nicht als sicher bewiesenes Präparat durchzudrücken.

Der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter hat vor einer zu positiven Einschätzung der Sexpille „Pink Viagra“ für die Frau gewarnt. „Die Wirkung ist gering. Wer will guten Gewissens sagen, dass diese Pille verlässlich funktioniert?“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. „Viele Frauen werden sie mit großen Erwartungen nehmen und dann merken: Da passiert ja gar nichts.“ Aus den Erfahrungen mit Viagra wüssten Sexualtherapeuten, dass die eigentlichen Probleme oft nicht medikamentös zu lösen sind.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 13:29 Uhr

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