Baden-Württemberg und Bayern : Erneut Brandanschläge auf Flüchtlingsheime

Die geplante Flüchtlingsunterkunft in Remchingen brannte komplett aus.
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Die geplante Flüchtlingsunterkunft in Remchingen brannte komplett aus.

Wieder zündeln Unbekannte an geplanten Flüchtlingsunterkünften. Viele Details der Fälle in Baden-Württemberg und Bayern sind noch unklar. Doch die Politik ist alarmiert.

shz.de von
19. Juli 2015, 14:51 Uhr

Remchingen/Waldaschaff | Die Serie von Anschlägen auf Flüchtlingsheime in Deutschland reißt nicht ab. In der Nacht zum Samstag ging in Remchingen (Baden-Württemberg) ein leerstehendes früheres Vereinsheim in Flammen auf, in das 2016 nach einem Umbau Flüchtlinge einziehen sollten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus.

Im unterfränkischen Waldaschaff brannte am frühen Samstagmorgen ein Papiercontainer in der Garage eines Flüchtlingsheims. Zu dem Zeitpunkt befanden sich 18 Menschen in dem Haus, verletzt wurde niemand. Am Gebäude selbst entstand kein Schaden. Ob der Brand vorsätzlich gelegt wurde, war zunächst unklar. Zeugenaussagen zufolge soll sich kurz vor Ausbruch des Feuers ein Mann im Hof des Anwesens aufgehalten haben. Auch hier prüft die Kripo einen möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund.

Angriffe auf und Proteste gegen Asylbewerberheime sind kein Einzelfall. Laut Verfassungsschutzbericht haben die Taten im ersten Halbjahr 2015 zugenommen. Zuletzt brannte eine Unterkunft in Meißen. Im April brannte es in Tröglitz (Sachsen-Anhalt). Auch in Lübeck und Escheburg kam es zu Brandanschlägen aufgeplante Unterkünfte für Geflüchtete. In Böhlen im Kreis Leipzig, schossen am vergangenen Wochenende Unbekannte auf ein Flüchtlingsheim und beschädigten die Fassade. In Reichertshofen in Bayern legten Unbekannte Feuer in einem Gasthof, in dem Flüchtlinge unterkommen sollten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verurteilte die Tat: „Wir werden alles daran setzen, den niederträchtigen Brandanschlag (...) aufzuklären. Bei uns ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung.“ Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte in Berlin, jeder Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft sei „ein Angriff auf unsere Gesellschaft“.

In Remchingen bemerkte ein Autofahrer kurz nach Mitternacht das Feuer. Bis die Feuerwehr kam, brannten jedoch schon zwei Stockwerke und das Dach aus. Das dreistöckige Gebäude muss wohl abgerissen werden, der Sachschaden liegt bei etwa 70.000 Euro. Die eigens eingesetzte „Ermittlungsgruppe Meilwiese“ analysiert nun unter anderem den Brandschutt nach möglichen Brandbeschleunigern. Weitere Informationen zu dem Fall werde es nicht vor Montag geben, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Zuletzt hatte eine über Google Maps erstellte Online-Karte innerhalb der Kampagne „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ für Aufsehen gesorgt. Unter dem Hashtag „BrauneKarte“ war in den vergangenen Tagen im Netz viel darüber diskutiert worden. Das benutzte Vokabular deutet auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund hin. Die Karte sei bereits vor Monaten auf einschlägigen Seiten im Netz verlinkt worden, schrieb Spiegel Online. Nach der Kritik hat Google reagiert und die Karte gelöscht.

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