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Nach Zugunglück in Bad Aibling : Ermittlungen: Fahrdienstleiter soll Schuld am Unfall sein

vom
Aus der Onlineredaktion

Es gab elf Tote und mehr als 80 Verletzte. An der Unfalltragödie soll der zuständige Fahrdienstleiter Schuld sein.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 15:16 Uhr

Bad Aibling | Das Zugunglück von Bad Aibling mit elf Toten und mehr als 80 Verletzten geht nach Angaben der Ermittler auf menschliches Versagen zurück. Gegen den Fahrdienstleiter sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte am Dienstag der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese bei einer Pressekonferenz in dem oberbayerischen Kurort. Der Bahnbedienstete habe noch versucht einen Notruf abzusetzen, als er einen Fehler bemerkt habe, heißt es. Hinweise, dass er betrunken gewesen sei, gäbe es keine.

Warum die beiden Pendlerzüge im oberbayerischen Bad Aibling zusammenstießen, war nach dem Unfall unklar. Technisches Versagen könne aber wohl ausgeschlossen werden, hatte es geheißen. Das scheint sich nun zu bestätigen.

Unmittelbar nach dem Unglück sei gegen den zuständigen Fahrdienstleiter ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet, sagte Giese.

Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridians waren am Dienstag vergangener Woche bei Bad Aibling frontal zusammengestoßen. Der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn hatte beide Züge auf der eingleisigen Strecke passieren lassen. Er habe sich nach anfänglicher Aussageverweigerung inzwischen ausführlich geäußert, sagte Giese. Dabei sei herausgekommen: „Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen“.

Doch: Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkt habe, noch einen Notruf abgesetzt, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. Zu spät. Es müsse nach Angaben der Ermittler weiter geklärt werden, wer wann noch die Möglichkeit hatte, das Unglück zu verhindern.

Indes gäbe „es keine Hinweise auf Alkohol“, sagte Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp. Eine Atemalkoholanalyse bei dem Fahrdienstleiter habe ein Ergebnis von 0,0 ergeben. „Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen“, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz.

Insgesamt seien 71 Fahrgäste von den Ermittlern als Zeugen vernommen worden, darunter auch 19 Schwerverletzte. Der beschuldigte Fahrdienstleiter befindet sich derzeit an einem für die Öffentlichkeit unbekannten Aufenthaltsort, die Staatsanwaltschaft weiß aber wo. Es gehe ihm „nicht gut“, heißt es.

 

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