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"David wants to fly" : Erleuchtung, teuer erkauft

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Vom Fan zum Kritiker: Der Regisseur entzaubert sein ehemaliges Idol David Lynch und gibt den Schauspieler und dessen Organisation der Lächerlichkeit preis.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2010 | 05:42 Uhr

Auf der verzweifelten Suche nach Inspiration macht sich David Sieveking, Absolvent der Berliner Filmakademie, auf den Weg in die USA, um sein großes Vorbild, den Kultregisseur David Lynch ("Blue Velvet", "Mulholland Drive") zu treffen. Damit beginnt seine Karriere als Autor, Regisseur und Protagonist des Dokumentarfilms "David wants to fly". Lynch spricht auf einem Workshop der sogenannten Maharishi University of Enlightment in Iowa über die Quellen der Kreativität und daran mangelt es zu diesem Zeitpunkt dem jungen Deutschen noch. Ist Transzendentale Meditation das Geheimnis für Talent und Erfolg? Wenn man dem berühmten amerikanischen Filmemacher Lynch glauben will, dann auf jeden Fall.
Dem Rat seines Idols folgend, meldet sich David zu einem Einführungskurs in Transzendentaler Meditation - kurz: TM - an, die Maharishi Mahesh Yogi, der in den 60er Jahren als Jet-Set-Guru bekanntwurde, entwickelt hat. Yogi empfing in seinem Ashram die Beatles, Mia Farrow oder Mike Love von den Beach Boys. In den 70ern verlegte er seinen Sitz in die Schweiz. Nahe der legendären Rütliwiese am Vierwaldstättersee kaufte er zwei Grand-Hotels und gründete seine erste Weltregierung. Dort entwickelte er das Yogische Fliegen, eine Meditationsform, die ermöglichen soll, frei zu schweben. Darauf bezieht sich auch der ironische Filmtitel "David wants to fly".
Erster Euphorie folgt die Ernüchterung
Mit großem Enthusiasmus beginnt der Jung-Regisseur seine Lektionen in Sachen Erleuchtung, bekommt sein persönliches Mantra, nicht ohne zuvor natürlich eine hohe Gebühr entrichten zu müssen. Der ersten Euphorie folgt die Ernüchterung. Und hier beginnt der Film interessant zu werden. David macht sich an die Demontage von TM und deren Heilsverkündungen von Glück und Weltfrieden. Was bei den Recherchen und Interviews an Fakten herauskommt, ist erschreckend, auch wenn es vom Regisseur amüsant präsentiert wird. Die Arbeiten zum Film zwischen Hollywood und Himalaya dauerten fünf Jahre und haben sich gelohnt.
Anhänger wie Gegner kommen zu Wort, beispielsweise der Amerikaner Earl Kaplan - heute erbitterter Gegner von TM. Er soll 150 Millionen Dollar gespendet haben für ein spirituelles Zentrum, in dem tausende Yogische Flieger mit ihrer kontinuierlichen Meditation den Weltfrieden sichern sollten. Das Projekt wurde nicht ansatzweise realisiert. Auch wer in der Hierarchie der Organisation aufsteigen will, muss zahlen - angeblich Beträge in Millionenhöhe. Das Erbe des Maharishi soll sich auf Milliarden von Dollar belaufen. Der amerikanische Familientherapeut John M. Knapp betreute nach seinen Angaben mehr als 2000 ehemalige TM-Anhänger, die mit schweren psychischem Probleme zu kämpfen hatten. Wer kein Geld mehr hatte, fiel bei dem Guru in Ungnade.
Im Stil von Michael Moore
David Sieveking fiel wegen seiner Dreharbeiten bei David Lynch in Ungnade, der inzwischen die wichtigste Repräsentationsfigur der Bewegung ist. Lynch drohte dem Jung-Regisseur mit Klagen und verbietet sich kritische Fragen.
Sieveking hat sich einiges bei Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Moore abgeguckt. Er versucht, dessen Techniken zu perfektionieren. Die Mischung aus eigenwilliger Selbstinszenierung, gespielter (oder echter) Naivität sowie Tollpatschigkeit - Woody Allen lässt grüßen - faszinierenden Außenaufnahmen und ambitionierter Recherche zeugen von Professionalität und Kreativität.
Manchmal jedoch wird man der Beziehungsprobleme von David überdrüssig, auch wenn sie humorvoll dargestellt werden - oder gerade deshalb. Ein Übermaß an Komik kann schaden. Man fragt sich, ob nicht jedes Thema so am Ende der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

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