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Tainan : Erdbeben in Taiwan – mindestens 11 Tote und 475 Verletzte

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Die Erdstöße überraschten die Menschen im Schlaf. Mehrere Häuser stürzten in Taiwan ein. In den Trümmern werden noch Menschen vermisst. Auch Superstar Madonna wurde erschreckt.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 13:29 Uhr

Tainan | Bei einem schweren Erdbeben im Süden Taiwans sind mindestens 11 Menschen getötet und 475 verletzt worden. In einer groß angelegten Bergungsaktion suchten Rettungskräfte am Samstag in den Trümmern nach Verschütteten. Dutzende Menschen galten noch als vermisst. Es wurde damit gerechnet, dass die Zahl der Opfer weiter ansteigt. Die Erdstöße erreichten die Stärke 6,4 und überraschten die Menschen am frühen Morgen um 3.57 Uhr Ortszeit im Schlaf.

Die Erdstöße geschahen nur einen Tag vor dem traditionellen chinesischen Neujahrsfest, das von Sonntag auf Montag beginnt. Sie weckten schlimme Erinnerungen an das Beben von 1999, als 2400 Menschen ums Leben kamen. Damals wurde eine Stärke von 7,3 erreicht.

In der Zwei-Millionen-Metropole Tainan blieben die meist kleineren Häuser unbeschädigt, doch wurden mehrere höhere Häuser schwer beschädigt oder stürzten ein. Ein 16-stöckiges Wohngebäude kippte komplett auf die Seite. Die Behörden wollen untersuchen, ob es Probleme in der Baustruktur gab.

In dem Hochhaus waren 256 Menschen behördlich gemeldet. Fünf der Toten wurden dort gefunden, wie die taiwanesische Nachrichtenagentur CNA berichtete. Unter den Toten ist ein weiblicher Säugling, eine 40-jährige Frau und ein gleichaltriger Mann. Über 120 Menschen waren bis zum Morgen lebend aus dem Haus geborgen worden.

An einem anderen Ort in Tainan wurde eine 56-jährige Frau von einem herabfallenden Wassertank erschlagen, wie ein Mitarbeiter des Notfallzentrums der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

 

Eine großangelegte Bergungsaktion ist angelaufen. Feuerwehr und Rettungskräfte waren zum Teil mit schwerem Gerät im Einsatz, um Verschütteten zu helfen. Es gab auch Unterbrechungen der Strom- und Wasserversorgung in der dicht besiedelten Gegend. Allein in südlich von Tainan gelegenen Stadt Kaohsiung leben 2,8 Millionen Menschen.

Das Epizentrum des Erdbebens lag in Meinong nahe der Hafenstadt Kaohsiung. Das Beben war auf der ganzen Insel zu spüren und überraschte auch Superstar Madonna und ihre Musiker, die auf ihrer Rebel Heart Tour in Taiwan sind. Ihr Manager Guy Oseary schrieb aus dem 350 Kilometer entfernt gelegenen Taipeh auf Instagram:

Earthquake here in Taipei.. 4 am.. We are all ok.. Hope that was the end of it..

Ein von Guy Oseary (@guyoseary) gepostetes Foto am

Am Samstagabend ist ein zweites Konzert von Madonna in Taiwans Hauptstadt geplant.

Die Hochgeschwindigkeitsbahn wurde im Süden streckenweise gestoppt, um die Schienen auf Schäden zu untersuchen. Die Betreiber der Bahn rieten vorerst von Fahrten in den Süden ab, was die Reisewelle über die Ferientage zum größten chinesischen Familienfest behindern dürfte. Die normale Eisenbahn lief aber weiter, wenn auch mit verlangsamter Fahrt.

Taiwan - wirtschaftsstarke Demokratie in Chinas Schatten

Seit Ende des Bürgerkrieges in China 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd in Asien. Damals flüchteten die Truppen der chinesischen Kuomintang auf die Insel, so dass die Kommunisten in Peking dort bis heute nur eine abtrünnige Provinz sehen. Die Regierung in Taipeh spricht dagegen von der „Republik China“ und sieht sich in der Tradition der 1911 gegründeten ersten chinesischen Republik. Wegen des Drucks aus der Volksrepublik haben nur wenige Länder Taiwan als souveränen Staat anerkannt. Auch Deutschland unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan.

Die gebirgige Insel ist mit 36.200 Quadratkilometern etwa so groß wie Baden-Württemberg und hat gut 23 Millionen Einwohner. Bis 1987 wurde Taiwan unter Kriegsrecht regiert, in den 1990er Jahren begann die Demokratisierung. Peking ist Taiwans größter Handelspartner. Umgekehrt ist die Insel einer der größten Investoren in der Volksrepublik.

 

 

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