Frust in Kathmandu : Erdbeben in Nepal: Opfer helfen sich selbst

Zu wenig Hilfe vom Staat - das kritisieren viele Nepalesen. Jetzt packen sie selbst an und organisieren Hilfsgüter.

shz.de von
01. Mai 2015, 10:30 Uhr

Kathmandu | Zahlreiche Nepalesen packen aus Frust über die ihrer Meinung nach unzureichende Erdbeben-Hilfe des Staates nun selbst an. „Die Menschen in meiner Nachbarschaft haben beschlossen, etwas zusammenzustellen, weil sie von der Regierung enttäuscht sind“, sagte ein freiwilliger Helfer am Freitag in Kathmandu. Die Gruppe benutze sein Büro im Stadtteil Sanepa, um die Hilfsgüter zu sammeln und zu verteilen. „Es gibt viele Freiwillige, die beitragen wollen.“ Derzeit verteilten sie Zelte und Medikamente.

Bei dem Beben am vergangenen Samstag waren mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen. 2,8 Millionen Menschen sind nach Schätzungen obdachlos, mehr als drei Millionen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Ein Team der Rettungshunde-Akademie Nepals beschwerte sich auf Twitter, in der Stadt Gorkha nahe dem Epizentrum seien zu viele Suchteams. Es gebe keine gesicherten Informationen, und die Planungen verliefen chaotisch. Lokale Medien berichteten, Überlebende an manchen Orten seien so verzweifelt, dass sie Lastwagen stoppten und sich die Hilfsgüter einfach nehmen.

Auf öffentlich zugänglichen Online-Plattformen sammeln Freiwillige Berichte von Menschen, die in Not sind. Wer etwas beitragen kann, ob Materialien oder Arbeitskraft, lässt es die anderen dann in dem Dokument wissen. „Wir gehen in Frauengruppen umher und sammeln kleine Geldbeträge, die wir in Essen investieren“, sagt Chejum Gurung. Dieses werde dann in die umliegenden Dörfer gebracht.

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