Nach der Hitze – Blitze : Entwurzelte Bäume und weggewehte Zelte: So wütete das Gewitter über SH

Der Sturm hat zahlreiche Bäume entwurzelt.
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Der Sturm hat zahlreiche Bäume entwurzelt.

In Hamburg flogen in vielen Stadtteilen abgebrochene Äste durch die Luft. Auch in SH gab es zahlreiche Einsätze.

shz.de von
10. August 2018, 07:15 Uhr

Heftige Unwetter haben die Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr in Hamburg auf Trab gehalten. Im Stadtteil Harburg wurden zwei Jugendliche am Donnerstagabend von einem entwurzelten Baum getroffen. Während eines Spaziergangs sei der Baum auf sie herabstürzt, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Der 18-Jährige und die 15-Jährige kamen in Krankenhaus, seien aber nicht lebensgefährlich verletzt worden.

Die Besatzungen zweier Segelboote und eines Ruderbootes an der Elbe konnten sich der Sprecherin zufolge noch rechtzeitig retten, bevor ihre Boote aufgrund des starken Windes umkippten. Hierbei wurde niemand verletzt.

Im gesamten Stadtgebiet fielen Bäume auf die Straßen. An einem Haus schlug ein Blitz ein und schleuderte mehrere Dachziegel zu Boden. Auch in Schleswig-Holstein mussten die Einsatzkräfte sehr oft ausrücken. Meist handelte es sich dabei um umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste.

Zahlreiche Einsätze in Dithmarschen

Mehr als 100 Einsätze verzeichneten die Dithmarscher Wehren bis 21 Uhr. Die erste Unwetterfront, die zwischen 19 und 21 Uhr über den Kreis zog, traf vor allem das mittlere und das nördliche Dithmarschen. Ob Gudendorf, Büsum, Meldorf, Lohe-Rickelshof oder Heide: Das Gewitter, das mit starkem Wind einherging, hatte vor allem eine Folge: Bäume und Äste fielen beziehungsweise drohten zu fallen. „Bis 20 Uhr hatten wir 88 Einsätze“, schildert Ole Kröger, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Dithmarschen. Bei allen handelte es sich um technische Hilfe, also eben Bäume oder Äste. Vollgelaufene Keller oder andere Räume verzeichneten die Einsatzkräfte hingegen bis dahin nicht. „Das ist gut abzuarbeiten“, so der Pressesprecher.

Wie die Rettungsleitstelle West mitteilte, traf das Unwetter Dithmarschen im Vergleich zu den Kreisen Steinburg und Pinneberg am Schlimmsten. Bis 20.30 Uhr waren für Steinburg zwölf und für Pinneberg neun Notrufe eingegangen, für Dithmarschen hingegen 92. Bis 20.50 Uhr stieg die Zahl der Einsätze noch weiter auf 105.

Zwei davon betrafen die Autobahn 23 im Bereich der Anschlussstelle Albersdorf. Bereits um 19.42 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden, weil in der Abfahrt in Richtung Norden ein Baum auf der Straße lag. Später kam ein weiterer Einsatz auf der Gegenrichtung dazu. Dort war ein Baum direkt auf die Autobahn gefallen und blockierte beide Fahrspuren. Die Polizei musste die A 23 daher in Richtung Hamburg sperren.

In Lohe-Rickelshof wurde der Loher Weg voll gesperrt. Grund waren zwei Linden, die direkt hinter der Ortsgrenze zu Heide umgekippt waren. Auch im südlichen Dithmarschen, wie in Friedrichskoog mit mindestens drei Einsätzen und Brunsbüttel, fielen Bäume und Äste – auch wenn dieser Teil des Kreises nach Einschätzung von Ole Kröger gut wegkam.

In Lauenburg krachte ein Baum auf ein Auto und zerstörte dies.
Timo Jann

In Lauenburg krachte ein Baum auf ein Auto und zerstörte dies.

Baum stürzt in Lauenburg auf zwei Autos

Auch in Lauenburg herrschte war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Ein Gewittertief zog am Donnerstagabend mit starken Sturmböen über die Stadt am Elbufer hinweg. "Es kam über die Elbe und man sagt bei uns schon immer, wenn es über die Elbe zieht, dann wird es heftig", berichtete Feuerwehrchef Lars Heuer. Die Feuerwehr konzentrierte sich zunächst darauf, die Straßen freizuräumen. Zeitweise war Lauenburg komplett von der Außenwelt abgeschnitten, weil sowohl die Bundesstraßen 5 und 209 sowie die Landesstraße 200 und weitere Verbindungsstraßen gesperrt werden mussten.

Bei einem Discounter klafften Löcher im Zeltdach eines provisorischen Marktes an der Reeperbahn, an einer Wachstation der DLRG an der Kütauer Chaussee wurden Teile der Fahrzeughalle abgedeckt . Ein Wohn- und Geschäftshaus am Triftweg musste evakuiert werden, weil eine riesige Linde in Schräglage geraten war und auf das Gebäude zu stürzen drohte. Am Mühlenberg begrub ein Baum zwei Autos. Die Juliusburger Landstraße wurden von einer entwurzelten etwa 30 Meter hohen Pappel blockiert.

Dutzende Einsatsztellen wurden in Lauenburg gemeldet. "Ansonsten gab es im Kreisgebiet nur vereinzelte Einsätze in anderen Orten. Aber uns hat es volle Ladung erwischt", so Heuer. In Geesthacht wurde kein einziger wetterbedinger Einsatz gemeldet, in Schwarzenbek einer. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand.

Linde fällt auf Wohnhaus

Über vier Stunden lang dauerte ein Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Großhansdorf. Im dortigen Himmelshorst hatte eine kräftige Sturmböe während des Gewitters eine mächtige Linde von einem Nachbargrundstück auf ein Wohnhaus gedrückt und dieses erheblich beschädigt. Auch die im Caport geparkten Autos wurden beschädigt.

„Bei den Aufräumungsarbeiten war wegen der Enge der Bebauung der Waldgrundstücke der Einsatz einer Drehleiter nicht möglich“, sagte Einsatzleiter Thomas Drenckhahn und griff deshalb auf den Hubsteiger des gemeindeeigenen Bauhofes des zurück. „Wir beseitigen aus dessem Korb heraus jetzt die Gefahrenstellen, damit keine Bewohner durch herabstürzende Teile vom Dach verletzt werden kann. Den Rest muss ein vom Hausbesitzer beauftragter Baumpfleger erledigen, da es sich bei dem Sturmschaden um einen privaten Versicherungsfall auf zwei Privatgrundstücken handelt.“

Bis nach Mitternacht dauerten die Arbeiten am Himmelshorst an. Mühsam wurde der Stamm auf dem Hausdach und der zerstörten Gaube mit der Motorsäge zerlegt und der Hauseingang freigeräumt. Auch beschädigte Dachpfannen wurden entfernt. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht bekannt. Für die Großhansdorfer Wehr war dies bereits der vierte Einsatz an diesem Tag.

In Nordfriesland blieb es ruhig

Besonders ruhig war es in Nordfriesland. Dort mussten die Feuerwehren lediglich zu zwei etwas größeren Einsätzen ausrücken, wie der Kreisfeuerwehrverband Nordfriesland am Freitag mitteilte. In Tönning drohten Bäume auf die Bundesstraße 5 zu stürzen. Und in Friedrichstadt wurden Dachziegel von einem Haus auf den Gehweg geweht. „Viele Einwohner haben die Warnung vor dem Unwetter wahrgenommen und im Garten die Sommermöbel, Sonnenschirme und Markisen gesichert, wir hätten sonst bestimmt mehr zu tun gehabt“, sagte Kreiswehrführer Christian Albertsen.

Die Entwicklungen zum Nachlesen im Liveblog:

 
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