„Costa Concordia“ : Entscheidendes Urteil gegen Ex-Kapitän Francesco Schettino erwartet

Das gekenterte Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ am 16. Januar 2012 vor Giglio (Italien).

Das gekenterte Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ am 16. Januar 2012 vor Giglio (Italien).

Mehr als fünf Jahre nach der Katastrophe könnte heute die Entscheidung fallen, ob Schettino ins Gefängnis muss.

shz.de von
12. Mai 2017, 11:31 Uhr

Rom | Im Berufungsprozess gegen den Ex-Kapitän der havarierten „Costa Concordia“ wird am Freitag das entscheidende Urteil des höchsten Gerichts Italiens erwartet. Mehr als fünf Jahre nach der Tragödie mit 32 Todesopfern vor der toskanischen Küste müssen die Richter des Obersten Kassationsgerichtshofs über das Urteil entscheiden, das eine Haftstrafe von mehr als 16 Jahren für Francesco Schettino vorsieht.

Im Februar 2015 war Schettino wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Er hatte das Schiff mit 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern im Januar 2012 zu nah an eine Insel gesteuert. Unter den Todesopfern waren zwölf Deutsche.

Die Staatsanwaltschaft hatte mit einem Plädoyer für 26 Jahre Haft eine deutlich höhere Strafe für Schettino gefordert, der nach dem Unglück in einem Rettungsboot die „Costa Concordia“ verlassen hatte, obwohl noch Menschen an Bord waren.

Chronologie - von der Katastrophe bis zum Urteil

13. Januar 2012: Das Schiff rammt einen Felsen vor der Insel Giglio. An Bord: mehr als 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

20. Oktober 2012: Die Beweisaufnahme bestätigt aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Verantwortung des Kapitäns.

10. April 2013: Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere einigt sich mit der italienischen Justiz auf einen Vergleich. Sie muss eine Million Euro Strafe zahlen, die Ermittlungen werden eingestellt.

17. Juli 2013: Der Prozess gegen den Kapitän Francesco Schettino beginnt.

20. Juli 2013: Vier Crewmitglieder und ein Manager von Costa Crociere erhalten Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren. Sie hatten ihre Schuld eingeräumt, um die Strafen zu mindern.

16. + 17. September 2013: In einer 19-stündigen Bergungsaktion wird das stark beschädigte Schiff wieder aufgerichtet und stabilisiert.

27. Juli 2014: Der Luxusliner trifft zur Verschrottung in Genua ein.

13. Dezember 2014: Schettino räumt vor Gericht eine Mitschuld ein.

26. Januar 2015: Die Staatsanwaltschaft fordert mehr als 26 Jahre Haft für Schettino.

11. Februar 2015: Das Gericht verurteilt den Ex-Kapitän unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft.

21. + 24. September 2015: Staatsanwaltschaft und Verteidigung legen Berufung ein.

31. Mai 2016: Das Berufungsgericht in Florenz bestätigt das Urteil der ersten Instanz. Bald darauf legt Schettino erneut Berufung ein.

20. April 2017: Der Prozess beginnt vor Italiens höchstem Gericht, dem Kassationsgericht in Rom.

 

Nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung eingelegt hatten, kam der Fall im Mai 2016 vor das Berufungsgericht in Florenz. Die Richter bestätigten das Urteil. Doch Schettino zog in eine weitere Instanz - und auch die Staatsanwaltschaft legte erneut Berufung ein.

Dieser Berufungsprozess ist die letzte Instanz. Die Staatsanwaltschaft hatte beim Auftakt am 20. April gefordert, das Urteil zu bestätigen und es an das Berufungsgericht in Florenz zurückzuverweisen, um eine härtere Strafe zu prüfen. Bestätigen die Richter das Urteil, muss Schettino ins Gefängnis. Sollten die Richter jedoch Rechtsfehler feststellen, könnten sie anordnen, dass neu verhandelt werden muss - oder das Urteil komplett aufgehoben wird.

Schettino hatte sich meist nicht bei den Gerichtsverhandlungen gezeigt. Es ist unklar, ob er am Freitag anwesend sein wird.

Die Opfer und Hinterbliebenen hoffen darauf, dass Francesco Schettino gerecht bestraft und die Haft auch vollzogen werde, sagte der Rechtsanwalt Hans Reinhardt in Rom. „Die Opfer wollen endlich abschließen.“ Reinhardt vertrat in dem Fall mehr als 30 Mandanten. „Ich vertraue darauf, dass die Richter ihr Handwerk verstehen und den Fall sachgerecht beurteilen.“

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