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UN-Rede : Emma Watson: Ein Lehrstück über Feminismus, Nacktbilder und Marketing

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine UN-Rede, eine mysteriöse Nacktbilder-Drohung im Netz - und dann wird Emma Watson bei Twitter für tot erklärt. Was ist passiert?

Eine junge Schauspielerin, die eine kluge Rede über die weltweite Gleichstellung von Frauen und Männern hält. Anonyme und weniger Anonyme, die gegen die Feministin hetzen und ihr drohen. Und eine Marketing-Organisation. Das sind die Hauptdarsteller einer Geschichte, die in dieser Woche das Netz beschäftigt - und für viel Verwirrung sorgt. Ein Drama in drei Akten.

 

Erster Akt: Eine bemerkenswerte Rede

Emma Watson ist seit sechs Monaten UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte. Am Sonntag hält sie eine bewegende Rede in New York, in der sie die Kampagne „Heforshe“ vorstellt. „Ich bin eine Feministin“, bekennt die 24-jährige Schauspielerin, die sich für gleiche Rechte und Möglichkeiten für Männer und Frauen einsetzt. Sie erzählt auch von ihren eigenen Erfahrungen. „Als ich acht war, war ich verwirrt, weil ich 'bossy' genannt wurde“, sagt sie. Bossy - das heißt herrisch. „Als 14-Jährige wurde ich zum ersten Mal von Medien sexualisiert.“ Und weiter: „Offensichtlich gehöre ich zu den Frauen, deren Auftreten als zu stark, zu aggressiv, isolierend und männerfeindlich erfahren wird - auch als unattraktiv.“ Watson erinnert daran, dass auch Männer Gefangene von Geschlechterklischees seien - sie dürften keine Schwäche zeigen. Und sie appelliert, gemeinsam für die Gleichstellung zu kämpfen. Vor Ort bekommt sie dafür Standing Ovations.

 

Auch viele Promis machen bei Twitter mit, zum Beispiel Schauspieler Joseph Gordon-Levitt ...

 

... und Buchautor Neil Gaiman.

 

Zweiter Akt: Der Hass

„Ich denke, es ist richtig, dass ich die Entscheidungen über meinen eigenen Körper fälle.“ Auch das sagt Emma Watson in ihrer Rede. Im Internetforum 4chan sind da einige anscheinend anderer Meinung. Dort waren Anfang des Monats auch Nacktfotos von Jennifer Lawrence, Kate Upton und Kirsten Dunst veröffentlicht worden, Hacker hatten ihre Clouds geknackt. Jetzt verlinkt hier ein anonymer Nutzer die Webseite emmayouarenext.com. Noch in derselben Woche sollen Nacktfotos der 24-Jährigen veröffentlicht werden. Auf der Webseite zählt eine Uhr die Minuten - neben dem Bild einer weinenden Emma Watson.

Andere 4chan-Nutzer schreiben: „Feminismus ist ein wachsendes Krebsgeschwür“. Oder hoffen, dass die Veröffentlichung der Nacktbilder sie daran hindern, ihre Kampagne weiterzuführen. Auch auf der Plattform Reddit wird Emma Watson mit Häme überschüttet.

Auf Twitter macht außerdem macht der Hashtag #RIPEmmaWatson die Runde, der die 24-Jährige für tot erklärt - und sogar zum Twitter-Trend wird.

 

Dritter Akt: Alles nur eine Kampagne?

Viel Aufregung also - und dann platzt die Blase am Mittwoch. Es wird keine Nacktfotos von Emma Watson geben - zumindest nicht auf der genannten Webseite. Die Drohung ist virales Marketing der Organisation Rantic Marketing. Erklärtes Ziel: Das Web-Forum 4chan abschalten. Wo gerade noch die Uhr tickte, steht seit Mittwoch genau diese Forderung.

Eine Marketing-Firma missbraucht Emma Watson, greift 4chan direkt an und will, dass Obama das Internet zensiert - so kritisch fasst dieser Nutzer den Fall zusammen.

Andere sind einfach verwirrt - bis hin zu Kopfschmerzen.

 

Was war echte Meinung, was Marketing? Auch wenn die Nacktbild-Drohung selbst nur eine Waffe im Kampf um Aufmerksamkeit ist, frauenfeindliche Trittbrettfahrer mag es gegeben haben. Eins zeigt das Emma-Watson-Drama im Netz aber eindrücklich: Über Feminismus, Gleichberechtigung und Geschlechterklischees ist auch im Jahr 2014 noch nicht genug gesagt.

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erstellt am 24.Sep.2014 | 13:17 Uhr

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