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Urteil im Fall Monsterbacke : Elf Nahrungsmittel für Kinder: Zucker, Fett und Quark-Slogans

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Tischt Ehrmann Käufern mit dem Slogan „so wichtig wie das tägliche Glas Milch“ Quark auf? Über den Fall Monsterbacke hat am Donnerstag der BGH befunden. Unsere elf Fälle zeigen, wie bei Nahrungsmitteln getrickst wird.

Ist der für Kinder gedachte Früchtequark „Monsterbacke“ des Herstellers Ehrmann wirklich „so wichtig wie das tägliche Glas Milch“, wie es auf der Verpackung und in der Werbung versprochen wurde? Der Bundesgerichtshof hat am Donnerstag sein Urteil gefällt. Der umstrittene Werbeslogan ist zulässig. Das Allgäuer Unternehmen verwendet den Spruch derzeit zwar nicht mehr auf den Verpackungen, wollte vor dem BGH aber dennoch Recht bekommen.

Die Klage gegen „Monsterbacke“ im Überblick

Die Zentrale zur Bekämpfung Unlauteren Wettbewerbs hatte geklagt. Sie hält den Slogan für „irreführend“, da er bei Verbrauchern falsche Hoffnungen wecken könnte: Der Quark enthalte viel mehr Zucker als reine Milch. Darauf sei auf der Verpackung nicht hingewiesen worden. Die Wettbewerbshüter werten das als Verstoß gegen europäische Vorgaben zu gesundheitsbezogenen Angaben auf Produkten. Dabei geht es um die sogenannte Health-Claim-Verordnung, die unmittelbar für alle EU-Mitgliedsstaaten gilt. Die Verordnung regelt, welche nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben die Hersteller bei der Werbung für ihre Produkte machen dürfen und welche nicht. Damit sollen Verbraucher vor irreführenden, wissenschaftlich nicht belegten Angaben geschützt werden.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat Ehrmann bereits 2011 dazu verurteilt, den Spruch nicht mehr auf die Verpackung zu drucken. Die Verbraucher könnten annehmen, dass der Verzehr des Früchtequarks sich ähnlich wie ein Glas Milch auf den Körper auswirke. Das sei jedoch nicht richtig, da der Quark eine größere Zuckermenge enthalte. Das Unternehmen ging daraufhin zum Bundesgerichtshof. Dieser legte den Fall 2012 dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vor. Der BGH wollte wissen, ob die Auflagen im EU-Recht zu den gesundheitsbezogenen Angaben bereits im Jahr 2010 galten. 2010 reichte die Wettbewerbzentrale Klage ein, so dass dieser Zeitpunkt für die Beurteilung des Falls maßgeblich ist. Der EuGH entschied, dass die Vorschriften auch damals schon galten. (Rechtssache C-609/12). Ehrmann könnte sich also möglicherweise nicht an die EU-Vorgaben gehalten haben.

 

Doch Ehrmann ist nicht der einzige Kinderlebensmittelhersteller, dessen Werbung die Konsumenten in die Irre lenkt. Kindernahrungsmittel werden perfekt auf die Vorlieben der Kleinen und der Eltern abgestimmt: Die Verpackungen sind schockig bunt, griffig und bevorzugt mit Comicfiguren oder Tieren versehen, der Inhalt ist süß und leicht zu verspeisen. Um den Eltern die Kaufentscheidung mit gutem Gewissen zu erleichtern, bekommen die Produkte gern ein gesundes Image verpasst. Viele Kinderlebensmittel sind jedoch alles andere als empfehlenswert. Statt die Rezepturen gesünder zu gestalten und für Transparenz zu sorgen, verweisen die Hersteller jedoch lieber auf Verwirrung stiftende Verpackungsaufschriften.

Verbraucherschützer beklagen seit Jahren, dass irreführende Marketing vieler Produzenten von Kindernahrungsmitteln. Als besonders wertvoll deklarierte Produkte gehören nicht selten eigentlich in die Kategorie Süßigkeiten. Statt der versprochenen Heilsbringer für Gesundheit, Wachstum und Entwicklung bekommen die Kinder teilweise übermäßig Zucker, Fett, Salz und Geschmacksverstärker aufgetischt – oftmals aufgepeppt mit sinnlosen Extra-Vitaminen. Insbesondere Zucker wird auf den Verpackungen mit Aussagen wie „nur mit der Süße aus Früchten“ und „ohne Zusatz von Kristallzucker“ oder als Honig, Traubenzucker, Fructose, Glucosesirup und Maltodextrin getarnt.

Auch den guten Ruf der Milch nutzen die Vermarkter vermehrt, um ihre Süßigkeiten als gesunde Nascherei zu bewerben. Einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Hessen zufolge verbirgt sich hinter dem milchig-weißen Image jedoch meist eine Fett- und Zuckerfalle für die Kinder – mit allen verbundenen Gesundheitsrisiken.

Die Verbraucherorganisationen Foodwatch und Lebensmittelklarheit.de bemühen sich, Licht in die aggressiven Verführungskünste der Lebensmittelkonzerne zu bringen und die Diskrepanz zwischen beworbenen Qualitätsversprechen und den tatsächlichen Eigenschaften aufzudecken. Foodwatch verleiht seit 2009 jährlich den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ für die dreisteste Werbemasche. Diese zehn Kindernahrungsmittel haben sich als besonders irreführend herausgestellt.

Ferrero-Kinder-Produkte

Foto: imago, sp

Über 40 Prozent Fett und fast ebensoviel Zucker offenbarte der Ferrero Kinder Choco Fresh bei einer Probe von Foodwatch. Schmackhaft gemacht wurde die größte Fett- und Zuckerbombe unter den „Kindersnacks“ den Eltern mit dem Versprechen von „locker aufgeschäumter Milchcreme aus frischer Vollmilch“. Die Ferrero-Produkte „Kinder Maxi King“, „Kinder Pingui“ und „Ferrero Milchschnitte“ erwiesen sich trotz anderslautender Werbung („Empfohlen für die Zwischenmahlzeit“) als enorm fett- und zuckerhaltig und belegten die Plätze zwei bis vier im Ranking „DSDZ: Deutschland sucht die größte Zuckerbombe“. Alle vier Produkte zeigten Zuckeranteile von über 30 Prozent auf.

Da die „Milchschnitte“ besonders irreführend mit der Verheißung „Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch“ gepriesen wurde und mit bekannten Sportlern warb, erhielt sie von Foodwatch 2011 den „Goldenen Windbeutel“. Besondere Kritik hagelte es, als Verbraucherzentralen Alkohol in der Milch-Schnitte und anderen Ferrero-Produkten für Kinder nachwiesen.  Der Hersteller gibt an, seit Mitte 2000 keinen Alkohol mehr als Zusatzstoff zu verwenden.

Der Riegel „Kinder Country“ wird mit „reichhaltiger Milchfüllung“ beworben und die auf frische Milch hinweisenden Abbildungen fördern laut Verbraucherzentrale den Eindruck, „dass der Schokoriegel aus einem nicht unwesentlichen Anteil aus Milch besteht“. In Wirklichkeit besteht die Süßigkeit allerdings hauptsächlich aus Magermilchpulver. Ferrero kam daraufhin überein auf den Slogan „mit reichhaltiger Milchfüllung“ zu verzichten. Die bildliche Darstellung der Milch bei der Verwendung von Milchpulver sei allerdings üblich.

Alete-Trinkmahlzeiten von Nestlé

Foto: dpa

Kohlenhydrate aus der Nuckelflasche: Die dreisteste Werbelüge des Jahres 2014 hat sich laut Foodwatch der Nestlé-Nahrungsmittelkonzern mit seinen „Alete Trinkmahlzeiten ab dem 10. Monat“ geleistet. Grund ist die Werbung, die fälschlicherweise als babygerecht und gesund angepriesen werde. Tatsächlich handele es sich um eine hochkalorische Trinkmahlzeit, die Überfütterung und Karies fördere, so Foodwatch. Der Konsum zuckerhaltiger Getränke sei ohnehin schon zu hoch. Viele Kinder seien übergewichtig. Das Produkt hatte bei einer Online-Abstimmung unter Verbrauchern mit Abstand die meisten Stimmen bekommen. Nestlé wollte den Preis nicht annehmen.

Capri-Sonne

Foto: dpa

Der vermeintlich „sportliche“ Softdrink-Klassiker erweist sich als süßer als Cola: Für ihre „besonders aggressiven“, auf auf Kinder gezielten, Werbe- und Marketingaktivitäten bekam die Capri-Sonne der Eppelheimer Firma Wild/SiSi-Werke 2013 den Negativpreis. Dazu gehörte, dass Kinder bei gesponserten Sport-Events angesprochen und eigene Schwimmabzeichen vergeben wurden. In Wahrheit enthalte das beliebte Süßgetränk im 200-Milliliter-Beutel umgerechnet sechseinhalb Stück Würfelzucker, so Foodwatch. „Capri-Sonne & Co. sind Dickmacher ersten Ranges, das ist wissenschaftlich erwiesen“, kritisierte der Lebensmittelexperte der Organissation, Oliver Huizinga, die Produzenten des ungesunden Wasser-Zucker-Aroma-Gemischs.

Hipp Instant-Tees  und Kindermilch

Foto: imago/Rüdiger Wölk

Zuckerbombe, als Kindernahrung deklariert: Für die Kinder-Teesorten Früchte, Waldfrüchte und Apfel Melisse bekam der Kindernahrungsproduzent Hipp 2012 sein Fett weg. Die Firma bewerbe seine Instant-Tees als für Kleinkinder geeignet, obwohl das Getränk pro fertiger 200-Milliliter-Tasse auf umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker kommt, so Foodwatch. Eltern ein solches Produkt zu empfehlen, sei unverantwortlich. Hipp wies die Vorwürfe zurück.

Die „Hipp Combiotik® Kindermilch ab 2+ Jahren“ wurde bis 2011 als „gesünder als Kuhmilch“ beworben. Verbraucher und Verbraucherschützer bezweifelten den Wahrheitsgehalt.

In einem aktuellen Fall zeigte sich, dass die „Hipp Kinder Bio Pasta + Gratis Nudel-Sauce“ auf der Front zwar mit „Original aus Italien“ aufwarteten. Das Produkt wurde bei genauerem Hinsehen allerdings in Österreich produziert.

Kellogg's Frosties mit weniger Zucker

Foto: imago/sp

Eine Produktvariante der stark gesüßten Kellogg's Frosties soll weniger Zucker erhalten als das Normalprodukt. Weniger Zucker erhalten die Cornflakes zwar, aber einen nahezu identischen Kaloriengehalt. Durch die Angabe erhalte der Käufer aber fälschlicherweise den Eindruck einer Energiereduktion, bemängelt die Verbraucherzentrale. Kellogg's argumentierte, der Zucker sei durch Mais ersetzt worden. Der Energiegehalt sei nahezu gleich, weil (Mais-)Stärke und Zucker gleich viele Kalorien lieferten.

Knoppers, das Frühstückchen

Foto: imago/By-line
 

„Knoppers, das Frühstückchen – und alles ist drin“, lautet der Werbeslogan auf der Knoppers-Internetseite, der auch auf Kinder abzielt. Darf eine stark zuckerhaltige Waffelschnitte als ausgewogene Zwischenmahlzeit beworben werden? Die Verbraucherzentrale verneint das und betrachtet die Werbung als irreführend. Der Blick auf die Zutatenliste nennt Zucker und pflanzliche Fette an den ersten beiden Positionen, daher sei Knoppers eine Süßigkeit und werde einer echten Mahlzeit - insbesondere für Kinder - keinesfalls gerecht. Laut August Storck KG wird die Waffel hier „zutreffend als genussreicher Energielieferant vorgestellt“.

Danone Fruchtzwerge

Foto: Imago/sp

Der Slogan „so wertvoll wie ein kleines Steak“ aus den 1980er Jahren wird bei den Fruchtzwergen nicht mehr verwendet. Vom Energiegehalt her war der Vergleich jedoch zutreffend. Vor einiger Zeit Danone hat den Zuckergehalt der Fruchtzwerge von über 14 auf 12,8 Prozent gesenkt. Beworben werden die winzigen Quarkbecher inzwischen mit der Aufschrift „Ohne Kristallzucker“. Der nun zugesetzte Fruchtzucker ist ernährungsphysiologisch jedoch mit Kristallzucker gleichzusetzen. In einem „XXL“ oder „Duo“ Becher sind noch etwa 4 Stück Würfelzucker verarbeitet. Ein kleiner Becher „Fruchtzwerge“ enthält etwa 6,4 Gramm Zucker und drei Gramm Früchte. Ein wahrer Fruchtzwerg.

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erstellt am 11.Feb.2015 | 20:09 Uhr

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