Guzman-Flucht aus Gefängnis : El Chapo: Wie Mexikos Drogenboss durch den Tunnel fliehen konnte

So sieht er aus: Generalstaatsanwältin Arely Gomez zeigt ein Foto des entflohenen „El Chapo“.
So sieht er aus: Generalstaatsanwältin Arely Gomez zeigt ein Foto des entflohenen „El Chapo“.

Weltweit wird nach Guzman gefahndet. Seine Flucht stellt die Zusammenarbeit zwischen Mexiko un den USA auf die Probe.

shz.de von
14. Juli 2015, 11:06 Uhr

Mexiko-Stadt | Bei seiner Flucht aus einer mexikanischen Haftanstalt hat Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán Hilfe von Angehörigen des Sicherheitspersonals gehabt. Nur so lasse sich der spektakuläre Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano erklären, sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong am Montag. Der Gefängnisdirektor sei bereits entlassen worden.

Guzmán war der Kopf des mächtigen Drogenkartells von Sinaloa und einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Er setzt bei seinen kriminellen Geschäften auf eine Mischung aus Gewalt und Kooperation. Sein Geschäftssinn hatte ihn einst in die „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt gebracht. Ihm ist bereits die zweite Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelungen. In einem Wäschewagen entkam er 2001 aus einer Haftanstalt und wurde erst 2014 wieder gefasst.

Nachlässigkeit seitens der Regierung schloss der Ressortchef aus. Die Haftanstalt entspreche internationalen Standards. Ein Großteil des Gebäudes werde mit Videokameras überwacht, zudem habe „El Chapo“ eine elektronische Fessel getragen. Trotz der höchsten Sicherheitsstufe sei Guzmán die Flucht geglückt. „Dieser Fehler beschämt uns alle“, sagte Osorio Chong.

Guzmán war am Samstag durch einen heimlich gegrabenen Tunnel aus dem Gefängnis im zentral gelegenen Bundesstaat México entkommen. Der unterirdische Gang ist nach Angaben der Behörden 1,5 Kilometer lang, rund 1,70 Meter hoch, 80 Zentimeter breit und verfügt über eine Luftzufuhr sowie Beleuchtung. Mit einem Motorrad, das auf Schienen fuhr, wurde die Erde aus dem Tunnel abtransportiert.

Durch diesen Tunnel-Eingang floh „El Chapo“ aus dem Gefängnis in Mexiko.
dpa
Durch diesen Tunnel-Eingang floh „El Chapo“ aus dem Gefängnis in Mexiko.
 

Innenminister Osorio Chong und Generalstaatsanwältin Arely Gómez besuchten am Montag El Altiplano und informierten sich über den Stand der Ermittlungen. Unterdessen wurden die Anwälte von „El Chapo“ von der Staatsanwaltschaft für organisiertes Verbrechen vernommen. Insgesamt machten 49 Personen eine Aussage.

Polizei und Streitkräfte suchten im ganzen Land nach Guzmán. Über die internationale Polizeibehörde Interpol wurde der Drogenboss weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. Für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, lobte die Generalstaatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 60 Millionen Pesos (3,4 Mio Euro) aus.

Die Flucht von „El Chapo“ ist ein herber Rückschlag für die Sicherheitsstrategie von Präsident Enrique Peña Nieto. Seit Beginn seiner Amtszeit Ende 2012 wurden 93 der 122 meistgesuchten Verbrecher des Landes getötet oder gefasst. Die Festnahme von Guzmán im vergangenen Jahr war ein großer Erfolg für die Regierung. Eine erneute Flucht von „El Chapo“ sei „unverzeihlich“, sagte Peña Nieto damals.

Die Flucht von Guzmán könnte die Sicherheitskooperation zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten auf eine harte Probe stellen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, versicherte zwar, die USA unterstützten Mexiko bei der Suche nach „El Chapo“ nach Kräften. Angesichts der offenkundigen Korruption innerhalb des mexikanischen Sicherheitsapparats dürften die US-Behörden künftig allerdings vorsichtiger sein, welche Erkenntnisse sie mit ihren Kollegen teilen.

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