"I Love You Phillip Morris" : Einfühlsame Liebeskomödie ohne Pathos

Ein Autounfall hat ihm die Augen geoeffnet: Seither ist dem erfolgreichen Familienvater Steven Russell bewusst, dass er schwul ist. Foto: ddp
Ein Autounfall hat ihm die Augen geoeffnet: Seither ist dem erfolgreichen Familienvater Steven Russell bewusst, dass er schwul ist. Foto: ddp

Im Knast geht es nicht nur brutal zu. Mit genügend Schmiergeldern wird für Steven Russell und Phillip Morris die Gefängniszelle zum romantischen Liebesnest.

shz.de von
27. April 2010, 02:25 Uhr

Davon, dass der neue Film "I love you Phillip Morris" von Glenn Ficarra und John Requa in einem der gefährlichsten Gefängnisse der Welt in Angola gedreht wurde, ist nichts zu spüren und zu sehen. Spätestens wenn Steven mit High Heels, Bustier und engen Shorts aus dem Gefängnis flieht, ist klar: "I love you Phillip Morris" ist ein typischer Carrey-Film: Witzig und abgedreht - auch wenn es nicht seine beste Komödie ist.
Der Film, der am 29. April in die deutschen Kinos kommt, rollt die Geschichte von Steven auf. Sie beginnt mit Flashbacks aus seinem früheren Leben als Polizist mit Frau, Kind, Haus und sonntäglichem Gesang und Orgelspiel in der Kirche. Doch sein Leben als Bilderbuch- Ehemann ist eine Lüge. Nach einem schweren Autounfall entscheidet sich Steven, seine Homosexualität nicht mehr länger zu verleugnen, sondern voll auszuleben.
Kein "Schwulenfilm" im eigentlichen Sinn
Doch das glamouröse Leben in Miami mit Pool-Partys, Cabrios und glitzernden Rolex-Uhren hat seinen Preis. Um sich sein Schwulsein in Versace-Design leisten zu können, wird er zum Hochstapler und einfallreichen Versicherungsbetrüger - bis er eines Tages im Knast landet und sich unsterblich in den schüchternen Mithäftling Phillip Morris verliebt.
Zwar erzählt der Film die Liebesgeschichte eines homosexuellen Paars, dennoch handelt es sich um keinen "Schwulenfilm" im eigentlichen Sinn. Bettszenen werden weitgehend ausgeblendet. Dafür liegt der Schwerpunkt darauf, eine Liebe zu zeigen, für die die Beteiligten bereit sind, auch die verrücktesten Dinge zu tun. "Steven ist einfach tierisch verliebt und wie besessen, nur noch mit Phillip zusammen zu sein", sagte der Produzent Andrew Lazar.
Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit
Trotz der Romanze, die den Film dominiert, stieß er in den USA auf starken Widerstand. "Dass es sich bei dieser Geschichte um die Liebe zwischen Männern handelt, war bei der Finanzierung und dem Vertrieb des Films ein großes Problem", erklärte Carrey, der von dem Drehbuch so überzeugt gewesen war, dass er den Film sogar selbst finanziert hätte. Weniger Hemmungen, eine schwule Liebesgeschichte auf die Leinwand zu bringen, hatte der Franzose Luc Besson, der ohne zu zögern, als Produzent mit dabei war.
Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, die der Gerichtsreporter der Zeitung "Houston Chronicle", Steve McVicker, in dem gleichnamigen Buch veröffentlicht hat. Der echte Steven sitzt weiter im Gefängnis, wo er noch etwa 140 Jahre Haft absitzen muss. Phillip hat seine Strafe von mehr als neun Jahren verbüßt. "Sie sehen sich nicht mehr, haben aber noch brieflichen Kontakt", erklärte Lazar.
Eigentlich hört sich die Geschichte eher wie ein Drama an
Eigentlich hört sich die Geschichte eher wie ein Drama an. Einer der Gründe, warum der Film streckenweise nicht so richtig zum Lachen bringen will. Carrey bringt in der Rolle sein volles schauspielerisches Können als Komiker ein - von den manchmal allzu übertriebenen Gesichtsverrenkungen abgesehen. Die ideale Besetzung des zurückhaltenden, schüchternen und zum Teil kindlichen Phillip wurde mit dem Beau Ewan McGregor gefunden. Er sorgt als einfühlsamer schwuler Liebhaber - eine Rolle, in der er sich schon in "Velvet Goldmine" mit Jonathan Rhys Meyers üben konnte - für einen angenehmen Kontrast.
Glenn Ficarra und John Requa kennen sich seit Jahren. Als eingeschworenes Drehbuchteam haben sie Erfolge mit "Bad Santa" und "Bad News Bears" gefeiert. Ihr Regiedebüt ist deshalb nicht weniger vielversprechend. Mit dem knapp eineinhalbstündigen Film ist ihnen eine einfühlsame Liebesgeschichte gelungen, die weder ins Lächerliche noch ins Pathetische abdriftet.

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