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Weltnichtrauchertag 2016 : Einer ist Raucher - seine Kollegen fragen sich warum

vom
Aus der Onlineredaktion

Rauchen war früher cool und ziemlich romantisiert. Das ist es nicht mehr. Oder doch? Warum raucht man eigentlich?

von
erstellt am 30.Mai.2016 | 21:26 Uhr

Flensburg | In der Online-Redaktion von shz.de gibt es eine Raucherquote von 7,69 Prozent - weil ein Kollege raucht. Stört ihn das gar nicht? Das fragen sich die Kollegen immer wieder. Schließlich muss er häufiger ja mal alleine vor die Tür. Sie fragen sich auch: Was ist so toll am Rauchen? Und warum kann man damit nicht aufhören? Hat der Kollege schon mal daran gedacht, das Qualmen sein zu lassen? Und was würde ihm dabei helfen? Zum Weltnichtrauchertag beantwortet Maximilian Matthies (26 Jahre alt, seit etwa zehn Jahren Raucher) die Fragen seiner Kollegen Anja Christiansen, Anna Gellner, Barbara Maas, Christina Norden, Joachim Dreykluft, Götz Bonsen und Mira Nagar.

Fühlst du dich nicht komisch und einsam, wenn du bei uns als einziger draußen stehst und rauchst?

Meistens bin ich nicht alleine. In der Raucherkabine draußen stehen oft noch andere Kollegen - entweder versammelt in der Gruppe oder einzeln. Man kommt schnell ins Gespräch oder kann den anderen auch einfach zuhören, wodurch man einige lustige Geschichten erfährt. Es macht mir aber auch nichts aus, alleine beim Rauchen zu sein - und kurz meine Gedanken zu ordnen.

Wie schmeckt eigentlich eine Zigarette?

Das ist tatsächlich schwierig zu sagen, wenn man nicht gerade an einer zieht. Wenn meine Geschmacksnerven durch das Rauchen noch nicht ganz zerstört sind, würde ich sagen Zigaretten verstärken kurz den Geschmack, von dem was man vorher im Mund hatte, um sich danach in einer bitteren, aber feinen Note aufzulösen. Zurückbleibt als Geschmack der Qualm, den eine angezündete Zigarette abgibt.

Und schmeckt dir das?

Nein. Manchmal ekele ich mich sogar davor.

Wie würdest du die Sucht beschreiben?

Rauchen bedeutet für mich vor allem Entspannung und Nachdenken. Es ist für mich dadurch eine Form des Runterkommens. Gleichzeitig kann es eine sehr gesellige Angelegenheit sein. Die Sucht besteht darin, dass ich irgendwann nicht mehr ohne Zigarette über den Tag komme. Denn ab einem bestimmten Punkt entsteht ein Gefühl von Unruhe, wenn ich nicht geraucht habe - und ich denke nur noch daran, eine zu rauchen. Die Zigarette nistet sich im Kopf ein und will nicht mehr weggehen. Den Punkt kann ich zwar überwinden, doch er kommt wieder.

Was fehlt, wenn du nicht rauchst?

Das Gefühl, geraucht zu haben. Das will ich haben.

Hast du schon mal überlegt aufzuhören?

Das überlege ich immer wieder mal. Dann schaffe ich es auch mal ein oder zwei Tage, nicht zu rauchen. Doch dann werden die guten Vorsätze wieder über Bord geworfen. Allerdings ist es mir im letzten Jahr gelungen, weniger zu rauchen, weil ich mir ein eigenes Limit gesetzt habe: Nicht mehr als fünf Zigaretten am Tag, Ausnahme ist das Wochenende.

Wie teuer müsste eine Zigarette sein, damit du aus Sparsamkeit aufhörst?

Ich kaufe schon nur noch selten Marken-Zigaretten in der Schachtel, weil sie mir zu viel kosten. Von Billigprodukten, die es etwa beim Discounter gibt, halte ich Abstand. Würde Tabak zum Selbstdrehen genauso viel kosten wie die teuren Zigaretten, würde ich wohl tatsächlich wegen des Preises aufhören.

Wenn du aufhörst: Was würdest du mit dem Geld machen, das du jetzt fürs Rauchen ausgibst?

Dieses Geld würde ich sicherlich nicht extra ausgeben, sondern wahrscheinlich sparen. Zur Belohnung würde ich mir aber auch einen Betrag X festsetzen, denn ich für etwas Schönes anstelle der Zigaretten verwenden würde, etwa um neue Klamotten zu kaufen, die ich eigentlich nicht brauche.

Was wäre die nächste wahrscheinliche Ersatzsucht?

Fettiges Essen und Gummibärchen.

Wieviel Geld gibts du fürs Rauchen aus?

Ausgezählt habe ich das nie. Aber ich würde meine, die Ausgaben fürs Rauchen liegen zwischen 40 und 50 Euro - mal mehr, mal weniger.

Wie findest du das Rauchverbot in Kneipen?

Durchaus sinnvoll. Wer geht schon gerne in eine Kneipe und als Stinker wieder hinaus? Natürlich herrscht ohne Qualm ein deutlich besseres und gesünderes Raumklima - das genieße ich und würde es nur ungern missen wollen. Kommt man als Raucher aber in eine Kneipe, in der gequalmt werden darf, fühlt man sich dort sehr wohl.

Hast du Angst vorm Raucherbein?

Ich weiß, dass ich nicht übermäßig viel rauche und denke deshalb immer, mir könnte so etwas wie ein Raucherbein auch nicht passieren. Was natürlich Schwachsinn ist. Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen konnten mich bisher aber auch nicht abschrecken und das Gleiche wäre es vermutlich auch mit Schockbildern. Dagegen bin ich als Raucher immun. Es ist wohl wie immer im Leben: Man denkt, dass könne einem ja niemals passieren.

Würdest du deinen Kindern erlauben, zu rauchen?

Bis jetzt habe ich zwar noch keine Kinder, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich das einestages ändert. Ich könnte es ihnen dann wahrscheinlich nur schwer verbieten - versuchen würde ich es aber.

Musst du dich oft rechtfertigen, wenn du rauchst?

Das kommt durchaus vor.

Was sagst du dann?

Dass ich irgendwann aufhöre.

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