"Die Päpstin" : Eine mittelalterliche Emanzipationsgeschichte

Sagenumwogene Figur: Die Priestertochter Johanna, die  im 9. Jahrhundert mit Hilfe einer List zur Päpstin gewählt worden sein soll. Foto: dpa
Sagenumwogene Figur: Die Priestertochter Johanna, die im 9. Jahrhundert mit Hilfe einer List zur Päpstin gewählt worden sein soll. Foto: dpa

Sönke Wortmanns Romanverfilmung "Die Päpstin" erzählt die Geschichte von Johanna von Ingelheim. Im 9.Jahrhundert soll sie sich als Mann verkleidet haben und wurde so zum Papst gewählt.

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21. Oktober 2009, 11:20 Uhr

Seit einigen Hundert Jahren existieren Geschichten über Johanna von Ingelheim, aber keinerlei historische Beweise können bislang ihre Existenz bestätigten. Ob also tatsächlich im Jahre 853 eine als Mann verkleidete Frau zum Papst gewählt wurde, will und kann auch Sönke Wortmann nicht klären. Er hält sich in "Die Päpstin" sehr getreu an den 1996 erschienenen gleichnamigen Roman von Donna Woolfolk Cross, der allein in Deutschland rund fünf Millionen Mal verkauft wurde.
Bei Verfilmungen von Weltbestsellern wie Patrick Süskinds "Das Parfüm", Dan Browns "Sakrileg" oder eben der "Päpstin" steht die Kunst bisweilen deutlich hinter der Bedienung von Zuschauererwartungen. Möglichst buchstabengetreu soll noch einmal bebildert werden, was Millionen zuvor bereits gelesen haben, um eben diese Millionen auch ins Kino zu locken. Schließlich soll der Roman auch in seiner Filmversion die Kassen füllen.
Bildung ist für Frauen nicht vorgesehen
Und so hält sich auch Sönke Wortmann getreu an die Buchvorlage und erzählt den Aufstieg der wissbegierigen Priestertochter Johanna (Johanna Wokalek, "Der Baader Meinhof Komplex") als gediegenes, bisweilen allerdings auch recht behäbiges Historiendrama.
Johanna bricht bereits in jungen Jahren mit gesellschaftlichen Konventionen. Bildung ist für Frauen nicht vorgesehen, weshalb sie heimlich lesen und schreiben lernt. Es gelingt ihr, in einer Domschule aufgenommen zu werden und schließlich unter dem Namen Johannes Anglicus als Mönch im Benediktinerkloster in Fulda einzutreten.
Ein Historikdrama gedreht auf der Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt
Ihre wahre Identität bleibt verborgen, auch als sie bereits zu einer berühmten Heilerin geworden und in der kirchlichen Hierarchie weiter aufgestiegen ist. Ihr Ziel scheint erreicht, als sie zum Papst gewählt ist, kirchliche Reformen und soziale Projekte einleiten und ihre heimliche Liebe, Graf Gerold (David Wenham, "Public Enemies") als Leibwache an ihre Seite holen kann.
Zweieinhalb Stunden benötigt Wortmann, um die diversen Stationen dieser mittelalterlichen Emanzipationsgeschichte in opulenten, allerdings oft auch überdeutlichen Bildern auszumalen. So sind es die Ausstattung und Kulissen, die dieses im wesentlichen im marokkanischen Ouarzazate und auf Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt gedrehtes Historiendrama zum Ereignis machen.
Gute Unterhaltung für den Zuschauer
Dramaturgisch hingegen kennt "Die Päpstin" nur holzschnittartige Charaktere ohne Widersprüche oder Geheimnisse. Gut und Böse sind klar erkennbar, im Fall des korrupten Vatikans sogar klischeehaft auf einen unfreiwillig komischen Operettenstaat reduziert. Die Darsteller, etwa John Goodmann als Papst Sergius und Anatole Taubman als Johannas Gegenspieler Anastasius, schaffen es so nur schwerlich, ihren Figuren Persönlichkeit und Tiefe zu verleihen.
Dennoch vemag die Filmversion der "Päpstin" den Zuschauer gut zu unterhalten. Die zahlreichen abenteuerlichen und dramatischen Wendungen und Schmökereigenschaften der Romanvorlage wusste Sönke Wortmann gut zu nutzen, um daraus, wenn schon keine tiefgründige, so doch leicht bekömmliche Kinounterhaltung zu machen.

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