"(500) Days of Summer" : Ein ständiges Auf und Ab der Gefühle

Tom Hansen ist schwer verliebt in Summer Finn. Foto: ddp
Tom Hansen ist schwer verliebt in Summer Finn. Foto: ddp

500 lange (Sommer-)tage kämpft Tom Hansen um seine Geliebte Summer Finn. Während sie für ihn die Eine ist, sieht seine Angebetete das mit der Liebe etwas anders als er.

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21. Oktober 2009, 11:24 Uhr

"Liebe kann grausam, hart und schwierig sein, aber sie ist auch bei weitem das Beste, was das Leben zu bieten hat." Damit beschreibt Regisseur Marc Webb genau das, was er dem Zuschauer von "(500) Days Of Summer" vor Augen führt.
Tom Hansen ist ein hoffnungslos romantischer junger Mann. Bei seiner Suche nach der Richtigen stößt er auf Summer Finn. Er weiß sofort, dass sie die Eine ist, nach der er sich sehnt - schließlich finden beide die Musik von The Smiths großartig. Doch leider sieht seine Angebetete das mit der Liebe etwas anders als er: Sie will Spaß haben, aber keine Komplikationen. Also lässt sich Tom auf diese undefinierte Form von Beziehung ein. Was folgt, ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle: Ist es Liebe oder Freundschaft? Schicksal oder Zufall? Um dieses Chaos zu bewältigen, stehen Tom sowohl seine beiden Freunde Paul und McKenzie sowie seine zwölfjährige Schwester Rachel beratend zur Seite. Die Kleine weiß in Liebesdingen Bescheid und holt ihren Bruder rabiat zurück auf den Teppich: "Nur weil irgendein schnuckeliges Mädchen denselben bizarren Müll mag, macht sie das nicht zu deiner Seelenverwandten!"
Moderne Liebe: Es gibt eben nicht immer ein Happy End
Doch der Zuschauer sieht trotzdem weiterhin durch die oft sehr rosarote Brille des Protagonisten, da der Film seine Erinnerungen an jene 500 Tage mit Summer nachzeichnet. Der Zuschauer folgt Toms Gedanken, die nicht linear die Handlung wiedergeben, sondern ohne jede Logik in der Geschichte hin und her springen. Je nachdem, wie Tom sich an die Momente erinnert, ob er fröhlich oder deprimiert war - Regisseur Marc Webb zeigt dies mit einfallsreichen Techniken: der Splitscreen zeigt eine Gegenüberstellung von erhofftem und tatsächlichem Verlauf eines Abends, die Disney-hafte Musicalsequenz mit Tanz und Zeichentrick-Vöglein entspricht der Jubelstimmung Toms nach seiner ersten Nacht mit Summer. Musik spielt im gesamten Film eine große Rolle: Ebenso wie die Begeisterung für The Smiths oder The Beatles die Beziehung der Figuren prägt, prägen Songs von Feist, Black Lips, Simon & Garfunkel und natürlich The Smiths den Film.
In seiner Machart erinnerte dieser Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Locarno an Zach Braffs "Garden State". Aber "(500) Days Of Summer" ist authentischer. Das heikle Thema moderner Liebe wird aufrichtig behandelt - es gibt eben nicht immer ein Happy End, nicht alles folgt einer Logik. Der Film zeigt die schönen und die traurigen Seiten der Liebe, verliert dabei aber nie seine Leichtigkeit. Ohne das großartige Ensemble würde dies aber nicht funktionieren. Zooey Deschanel ("Per Anhalter durch die Galaxis") bezaubert als Summer durch ihr wunderbares Spiel und ihre träumerisch blauen Augen nicht nur Tom, der von Joseph Gordon-Levitt ("G.I. Joe - Geheimakte Cobra") leidenschaftlich durch die Höhen und Tiefen der Liebe geführt wird.
Marc Webb gibt mit dem Film sein Regiedebüt und wurde dafür von den Kritikern des Sundance Filmfestivals zu Recht hoch gelobt. Er liefert eine erstaunlich reife, originell mit den Genres spielende Arbeit, bei der seine Musikvideo-Erfahrungen (Fergie, My Chemical Romance, Puddle of Mudd) gekonnt einfließen. Produzent Mason Novic zeigt nach seinem Überraschungserfolg "Juno" (2007) auch diesmal Gespür für den richtigen Ton: "(500) Days Of Summer" ist weder ein Frauen- noch ein Männerfilm, keine Liebeskomödie oder Kitschromanze, sondern ein ehrlicher Film über die Liebe, dem man ebenso wenig ein Genre-Etikett aufdrücken kann, wie Summer es bei bei ihrer Beziehung mit Tom will.

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