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Nach U-Bahn-Attacke in Berlin : Ein schweigender Hamburger und ein bewegender Brief

vom

Ein 28-jähriger Hamburger stößt eine 20-Jährige vor eine U-Bahn. Die Frau stirbt. In Hamburg fordert die CDU Aufklärung.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 16:11 Uhr

Hamburg/Berlin | Gegen den Mann, der in Berlin eine 20-Jährige vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen haben soll, wird wegen Mordes ermittelt. Der 28-Jährige, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wurde, habe sich bislang nicht zu der Tat geäußert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag. Ein Gutachter müsse feststellen, ob der Mann schuldfähig sei oder nicht.

Am Freitag hing ein bewegender Brief auf einem Bahnsteig der U-Bahnstation Ernst-Reuter-Platz, wo es am Dienstagabend zu der Gewaltattacke gekommen war. „Du warst und bist mein ein und alles, mein Baby meine Große meine Beste und meine Schönste. ... Für dich wäre ich bis ans Lebensende gegangen“, hieß es darin. Unterzeichnet waren die Worte mit „Deine Mami“. In einem weiteren Abschnitt war zu lesen: „Liebe Schwester, ... Du fehlst mir so, ich werde dich nie vergessen.“

Nach Informationen der Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“, die zuvor auch aus dem Brief zitiert hatten, meldete sich die junge Frau noch kurz vor ihrem Tod per SMS bei der Mutter mit den Worten: „Bin gleich zu Hause. Ich liebe Dich“. Die Mutter sagte den Zeitungen: „Es hätte jeden treffen können.“ Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft hatte das Opfer, eine Deutsch-Schwedin, ihr Abitur in Deutschland gemacht.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Verdächtige aus Hamburg an einer schizophrenen Erkrankung leiden. Der 28-jährige Angreifer, der kurz zuvor aus Hamburg nach Berlin gekommen war, war noch am Tatort festgenommen worden. Eine Blutprobe nach dem Angriff ergab keine Hinweise auf Alkohol oder Drogen.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg verlangt unterdessen Aufklärung von den Justizbehörden der Hansestadt. „Die Hamburger Justiz ist aufgefordert, ihren Berliner Kollegen jede nötige Form der Amtshilfe zu leisten, um sie bei den Mordermittlungen zu unterstützen“, erklärte am Freitag der justizpolitische Sprecher der Fraktion, Richard Seelmaecker.

Darüber hinaus müsse in Hamburg genau untersucht werden, ob die Tat hätte vermieden werden können. „Der Täter stammt aus Hamburg und war der Justiz bestens bekannt. Zudem steht er im Verdacht, psychisch gestört zu sein“, so Seelmaecker weiter. Der CDU-Abgeordnete stellte auch eine schriftliche Kleine Anfrage an den Senat.

 

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