"LowLights" : Ein Roadmovie kommt langsam in Fahrt

Linas (oben, Jonas Antanelis), Tadas (unten, Dainius Gavenonis) und Laura (r, Julia-Maria Köhler) in einer Filmszene aus dem Kinofilm 'LowLights. Foto: dpa
Linas (oben, Jonas Antanelis), Tadas (unten, Dainius Gavenonis) und Laura (r, Julia-Maria Köhler) in einer Filmszene aus dem Kinofilm "LowLights. Foto: dpa

Regisseur Ignas Miskinis setzt die Mischung aus Dreiecksgeschichte und Roadmovie immer wieder mit spannenden Bildern in Szene.

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27. April 2010, 02:24 Uhr

In dieser Beziehung ist etwas faul: Die gemeinsame Wohnung ist auch Monate nach dem Einzug noch nicht wirklich eingerichtet, die Couch immer noch mit Cellophan verhüllt und selbst das junge Paar scheint nicht richtig angekommen zu sein - nicht in der Wohnung und nicht in der Partnerschaft. Tadas schaut beim Frühstück abwesend Fernsehen, seine Freundin Laura fährt sie beide zum gemeinsamen Arbeitsplatz, wo sie ohne einen Abschiedsgruß in einem Büroflur verschwindet.
Da ist es eine willkommene Abwechselung, dass Tadas, während einer Mittagspause im Park Linas, einen alten Schulfreund, wiedertrifft. Der hat beim Versuch, in die USA auswandern zwar spüren müssen, dass dort keiner auf einen litauischen Architekten wartet - seine Energie reicht aber allemal, um Tadas" Leben gründlich zu hinterfragen und für einigen Trubel zu sorgen. Einer Renovierung steht plötzlich nichts mehr im Wege, sowohl der Wohnung als auch der Partnerschaft.
Riesenerfolg im Baltikum
"LowLights - Eine Nacht, ein Ritual" heißt dieser gefühlvolle Film aus Litauen, der nach Angaben des deutschen Verleihs ein absoluter Riesenerfolg im Baltikum war. Das mag auch daran liegen, dass Regisseur Ignas Miskinis die Mischung aus Dreiecksgeschichte und Roadmovie immer wieder mit spannenden Bildern in Szene setzt.
Im Zentrum steht stets der Wunsch nach Aufbruch - und die gleichzeitige Unfähigkeit, den entscheidenden Schritt zu wagen: Linas (Jonas Antanelis), Tadas (Dainius Gavenonis) und die geheimnisvolle Laura (Julia Maria Köhler) besuchen einen Flughafen, besitzen aber keine Tickets, sie tanken auf ihren nächtlichen Touren maximal zwei Liter und ihre aufkeimenden Freund- und Liebschaften bremsen sie immer wieder selbst durch brennenden Neid.
Wie soll es funktionieren, ein erfüllendes Leben?
Auch der graue Beton von Vilnius und die grell beleuchteten Tankstellen der litauischen Hauptstadt werden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Fragen, denen sich der Film stellt, sind aber ohnehin ortsungebunden. Wie kann eine eingeschlafene Beziehung wiederbelebt werden? Wie viel Ehrlichkeit verträgt eine Freundschaft? Und überhaupt, wie soll es funktionieren, ein erfüllendes Leben?
"Lass Dich einfach treiben. Keine Pläne. Keine Erwartungen. Das ist der Witz bei der Sache" sagt Linas zu Beginn der nächtlichen Spritztour. Wem ein solches Lebensgefühl, dieses Ungefähre, Ziellose nicht ganz fremd ist, der dürfte in "LowLights" einige neue Gedankenanstöße bekommen. Trotzdem: In all seiner unterkühlt-meditativen Inszenierung schrammt der Film in schlechteren Momenten nur knapp daran vorbei, dass seine Figuren dem Zuschauer egal werden.
In seinen 92 Minuten wird "LowLights" damit zu einem Film, der die Herzen vielleicht nicht im Sturm erobert, dessen stille Poesie die Zuschauer aber nach Verlassen des Kinosaals noch ein wenig begleitet.

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