Morandi-Brücke in Genua : „Ein mulmiges Gefühl auf der Brücke“

Unfassbar:  Die eingestürzte Autobahnbrücke Ponte Morandi.
Unfassbar: Die eingestürzte Autobahnbrücke Ponte Morandi.

Dörte Moritzen sah bröckelnden Putz und Rost, als sie mit ihrer Familie vor gut einer Woche über die Morandi-Brücke fuhr.

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15. August 2018, 12:01 Uhr

Es ist noch keine anderthalb Wochen her, dass unsere Redakteurin Dörte Moritzen aus Neumünster mit ihrer Familie über die Morandi-Brücke in Genua fuhr, die am Dienstag einstürzte. Sie beschreibt ihre Eindrücke:

„Sofort sind die Bilder wieder da: Wir hatten alle nach wenigen Minuten ein mulmiges Gefühl, als wir dort oben auf der vierspurigen Brücke, die zur A10 gehört, standen. Der Verkehr staute sich. Wir mussten da jetzt irgendwie durch. Gleißendes Sonnenlicht stand über dem leicht geschwungenen Bauwerk und gab den Blick frei auf alle möglichen Details, die uns sofort Kopfzerbrechen bereiteten. Verrostete Verbindungsstreben traten unter abgeblättertem Putz über viele Meter hervor. ,Daran hängt jetzt also unser Leben', dachte ich entsetzt. An manchen Stellen wurde bereits geflickt und gebaut. Es wirkte aber eher wie Kosmetik. Wenig beruhigend.

Um mich abzulenken, schaute ich mir in diesem unendlich langen Stau die Fahrzeuge an. Fröhliche Urlauberfamilien aus Frankreich und Holland. Italiener im Büro-Dress. Lastwagen aus aller Herren Länder. Eine ähnlich bunte Mischung wird gestern ebenfalls auf dieser Strecke gefahren sein. Uns hat die Brücke noch gehalten. Andere hatten dieses Glück nicht. Es gab Tote und Verletzte. Es bleibt die Frage nach dem Warum.“

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