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"Nokan - Die Kunst des Ausklangs" : Ein leiser Abschied

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Tragikomisches Kino in wunderschönen Bildern: "Nokan - Die Kunst des Ausklangs" erzählt die Geschichte einer letzten Reise.

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erstellt am 24.Nov.2009 | 04:11 Uhr

Der Tod ist vielerorts immer noch ein Tabu-Thema. Auch der Abschied von einem geliebten Menschen ist häufig mit großen Berührungsängsten verbunden, werden die Toten hierzulande doch üblicherweise ohne ihre Angehörigen für die Beerdigung vorbereitet. Der tragikomische Film "Nokan - Die Kunst des Ausklangs" zeigt jedoch einen anderen Weg: In wunderschönen und tieftraurigen Bildern erzählt der japanische Regisseur Yojiro Takita von dem jungen Mann Daigo, der in einem Bestattungsunternehmen anheuert und die Toten in einer extrem ergreifenden, buddhistischen Zeremonie wäscht und für ihre letzte Reise vorbereitet. "Nokan" gewann in seiner Heimat nicht nur zehn Filmpreise, sondern wurde in diesem Jahr auch mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.
Dabei fängt es in dem Film für Daigo eigentlich alles andere als gut an. Der Pechvogel verliert in Tokio seine Stelle als Cellist und sieht nur einen Ausweg aus der Misere: Er verkauft sein geliebtes Instrument und kehrt mit seiner Frau Mika in seine kleine Heimatstadt zurück, wo ihm seine Mutter ein Haus hinterlassen hat. Doch Daigo scheint Glück zu haben: In der Zeitung entdeckt er die Anzeige eines Unternehmens, das Mitarbeiter sucht. "Wir helfen bei Reisen", steht da. Ein Job im Reisebüro? Daigo ist begeistert und stellt sich gleich am nächsten Tag vor.
Überdruss, Schmerz und Sorgen werden weggewaschen
"Ach, das ist ein Druckfehler", stellt der ältere Chef Sasaki jedoch nüchtern fest. Es müsse "letzte Reise" heißen, immerhin bereite er ja Verstorbene für eben genau das - die letzte Reise - vor. Daigo ist entsetzt, aber der großzügige Lohn kommt ihm in seiner Not sehr gelegen. Also kommt er widerwillig zu den ersten Aufträgen mit - und lernt dabei das Nokan-Zeremoniell nicht nur kennen, sondern sogar schätzen.
Der Japaner Takita, der bereits bei mehr als 40 Filmen Regie geführt hat, nimmt sich Zeit, dieses Ritual in Ruhe zu zeigen. Immer wieder streichen Daigos Hände über die Gesichter der Toten, gleiten sanft über ihre Körper hinweg und ziehen den Verstorbenen gewissenhaft und kunstvoll ihre besten Kleidungsstücke an. "Durch das Waschen werden Überdruss, Schmerz und Sorgen dieser Welt weg gewaschen und es ist das erste Bad eines Neugeborenen in der nächsten Welt", erklärt der erfahrene Sasaki in dem Film.
Ergreifend und lebensbejahend
Das Nokan-Zeremoniell ist eine für westliche Zuschauer ungewohnt intime und persönliche Form des Abschiednehmens, bei der der Tote mit seinem Körper schmerzhaft präsent ist. So haben Takitas Bilder von dem traditionellen Ritual eine ganz eindringliche Wirkung: Sie berühren und machen unglaublich traurig, haben aber gleichzeitig etwas sehr Meditatives und Friedvolles, gibt es doch wohl kaum einen würdevolleren Abschied von dieser Welt.
Auch wenn sich dieser Beruf sehr ehrenhaft anhört, so reagieren Daigos Frau und seine Umgebung zunächst mit Verachtung und Entsetzen auf seinen neuen Job. Immerhin hat er dabei tagein, tagaus Kontakt zu Toten. Doch Daigo lässt sich davon nicht beirren. Denn dank seiner ungewöhnlichen Beschäftigung schafft er es, mit seiner unglücklichen Kindheit abzuschließen und schließlich zu sich selbst finden. Damit gelingt "Nokan - Die Kunst des Ausklangs" sehr leise und leicht die seltene Kunst, über den Abschied vom Leben zu erzählen und gleichzeitig ergreifend lebensbejahend zu sein.

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