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"Das Kabinett des Dr. Parnassus" : "Ein Kinderfilm für nicht ganz nüchterne Erwachsene"

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Durch einen Pakt mit dem Teufel hat Dr. Parnassus zwar viele Vorzüge in seinem mehr als 1000-jährigen Leben, dafür aber steht die Seele seiner Tochter auf dem Spiel.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2010 | 04:59 Uhr

Heath Ledger starb vor fast zwei Jahren in seiner New Yorker Wohnung. Jetzt kehrt der Schauspieler, der für seine Rolle als Joker im jüngsten Batman-Film posthum mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ein letztes Mal auf die Leinwand zurück. In dem Film "Das Kabinett des Dr. Parnassus", der am Donnerstag in den deutschen Kinos startet, ist er in seiner letzten Rolle als zwielichtiger Charmeur Tony zu sehen.
Sein erster Auftritt in dem Film ist ein kleiner Schock. Leblos hängt Tony mit einem Seil um den Hals von einer Brücke - doch er lebt und wird von der Schausteller-Gruppe des Doktor Parnassus, die in ihrem chaotischen, antiken Wohnwagen durch London fährt, aufgepäppelt und aufgenommen. Für die Rolle musste der Australier Ledger sich extra einen britischen Akzent antrainieren.
Parnassus kann Luzifer zu einer letzten Wette bewegen
Doktor Parnassus (gespielt von Christopher Plummer), seine Tochter Valentina (Lily Cole), der Junge Anton und der kleine Gnom Percy (Verne Troyer - bekannt als Mini-Me aus den "Austin Powers"-Filmen) reisen rastlos durch die Stadt und geben Theatervorstellungen. Parnassus kann die Gedanken seiner Zuschauer beeinflussen und ermöglicht ihnen durch einen Zauberspiegel den Eintritt in eine farbenfrohe Wunderwelt, in der jeder mit seinen Wünschen und Sehnsüchten konfrontiert wird. Doch das Geschäft läuft schlecht. Erst als Tony das vorwiegend weibliche Publikum geschickt um den Finger wickelt und dem alten Theater einen neuen Look verpasst, stürzt sich selbst die Londoner High Society auf das Kabinett und die Kasse klingelt. Die junge Valentina verliebt sich in den schönen Tony und bandelt mit ihm an - eifersüchtig beäugt von Anton, der schon seit Jahren in die hübsche Rothaarige verliebt ist.
Eigentlich könnte alles so schön sein, doch Parnassus hat einst einen Pakt mit dem Teufel (Tom Waits) geschlossen: Ihm hat er seine Tochter Valentina versprochen, sobald sie 16 Jahre alt ist. Parnassus kann Luzifer zu einer letzten Wette bewegen. Wem es als erstes gelingt, innerhalb von drei Tagen fünf Seelen zu gewinnen, dem soll das Mädchen gehören. Natürlich ist Tony da zur Stelle.
"Das Kabinett des Dr. Parnassus" ist ein "Kinderfilm für Erwachsene - am besten nicht ganz nüchterne Erwachsene" - so wurde er zumindest bei der Deutschlandpremiere in München angekündigt. Und die Beschreibung passt. Der für seine gewagten Experimente bekannte Kultregisseur Terry Gilliam ("Twelve Monkeys", "Die Gebrüder Grimm") - ehemaliges Monty Python-Mitglied - erzählt in einer Bilderorgie ein absurdes, ein bildgewaltiges Märchen über die klassische Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. Es geht vor allem um Versuchungen und Verführbarkeit. Die Frauen, die durch den Spiegel treten, werden mit ihren geheimen Wünschen konfrontiert. Bei einer dicklichen Engländerin sind das zum Beispiel viele, viele Schuhe und ein One-Night-Stand mit Johnny Depp.
Nach dem Tod Ledgers im Januar 2008 übernahmen seine Freunde und Schauspielkollegen Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell die noch nicht abgedrehten Szenen. Besonders Depp sticht dabei hervor. Obwohl er - laut Gilliam - nur einen Tag Zeit für den Dreh hatte, ist sein Auftritt der stärkste der drei Schauspieler. Der Brite Law fällt dagegen deutlich ab. "Ich wollte unbedingt, dass Johnny den ersten Part übernimmt. Es ist ein großer Sprung von Heath zu Johnny und ich wusste, dass Johnny das Publikum sofort auf seiner Seite hat", sagt Gilliam. Dass nur ein Schauspieler allein die noch nicht abgedrehten Szenen übernehmen könnte, sei nicht infrage gekommen. "Das war Heaths Rolle."

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