Trauer in Australien : Ein Jahr nach MH17-Abschuss: Video von Absturzstelle aufgetaucht

Eine australische Nachrichtenseite veröffentlicht ein Handyvideo. Offenbar stammt es direkt von prorussischen Separatisten.

shz.de von
17. Juli 2015, 12:44 Uhr

Sydney | In Australien sorgt ein bislang unbekanntes Video von der MH17-Absturzstelle für Furore. Es wurde nach Angaben des Medienhauses News Corp Australia von prorussischen Separatisten selbst kurz nach dem Absturz gefilmt. Darauf sind Männer am Telefon zu hören, denen offenbar in dem Moment klar wird, dass sie ein ziviles Flugzeug vor sich haben. Sie könne das Material nicht verifizieren, sagte die australische Außenministerin Julie Bishop. „Ich habe das Material gesehen, es ist widerlich, das anzuschauen.“

Durch den Abschuss der malaysischen Boeing MH17 am 17. Juli 2014 erlangten die ostukrainischen Dörfer Hrabowe und Rossypne traurige Berühmtheit. Die Trümmer der Maschine mit 298 Menschen an Bord stürzten hier, im Hinterland der prorussischen Separatisten etwa 60 Kilometer von der Großstadt Donezk entfernt, auf freies Feld. Die Bilder von schwer bewaffneten Kämpfern, die das Gelände absperrten und durchsuchten, gingen um die Welt.


Bishop und Regierungschef Tony Abbott weihten mit Angehörigen der Opfer in der Hauptstadt Canberra ein Denkmal ein. Es besteht aus einem Granitstein, der in Erde von der Absturzstelle gesetzt wurde. Auf einer Platte darauf stehen die Namen der 38 Insassen, die aus Australien kamen.

Angehörige vor dem Gedenkstein in Canberra.
dpa
Angehörige vor dem Gedenkstein in Canberra.

Die meisten Opfer stammen aus den Niederlanden. Dort waren die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden Trauerkränze und Blumen niedergelegt. Zeitungen, Radio und Fernsehen erinnerten ausführlich an die Katastrophe.

„Heute sind unsere Gedanken bei den Opfern und Angehörigen der MH17-Katastrophe“, schrieb der Flughafen Schiphol auf seiner Homepage. Mehr als 1300 Angehörige sollten am Nachmittag zu einer Gedenkfeier zusammen kommen.

Abbot bekräftigte seine Entschlossenheit, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. „Das schulden wir den Toten“, sagte er. Er hat keinen Zweifel an der Schuld prorussischer Rebellen. „Diese Maschine ist absichtlich von durch Russland unterstützte Rebellen abgeschossen worden, mit von Russland gelieferten Raketen“, sagte er dem Sender ABC. Die Ukraine und westliche Staaten halten ebenfalls Rebellen für verantwortlich und werfen Moskau eine Mitschuld vor. Russland gibt die Schuld dagegen der Ukraine.

Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Schuldvorwürfe gegen prorussische Separatisten und Russland bekräftigt. „Die Hochtechnologiewaffe, mit der das Flugzeug abgeschossen wurde, konnte nur aus Russland in die Hände der Terroristen gelangen“, betonte der Staatschef in einem am Freitag veröffentlichten Video. Nur auf „direkten Befehl“ der höchsten politischen und militärischen Führung des Nachbarstaates sei dies möglich gewesen, sagte er.

Die Ukraine wolle ein Memorial am Unglücksort Hrabowe für die Opfer errichten, sobald das Land die Kontrolle über das Territorium zurückerlange, sagte Poroschenko. Er forderte zudem eine Bestrafung der Schuldigen. Die Ukraine unterstützt einen Antrag Malaysias, Australiens und der Niederlande, bei den Vereinten Nationen ein Tribunal einzurichten. Russland lehnt dies ab, solange die Ermittlungen zu der Tragödie nicht abgeschlossen sind. Anwohner in dem von prorussischen Aufständischen kontrollierten Gebiet hatten am Donnerstag einen Gedenkstein „für die unschuldigen Opfer des Bürgerkrieges“ eingeweiht.

Eine Einheit von prorussischen Rebellen aus Donezk sei nach Angaben von News Corp Australia zur Absturzstelle geschickt worden, in der Annahme, dass dort ein ukrainischer Jet liege. Sie habe die Order gehabt, dort nach ukrainischen Piloten zu suchen, die sich angeblich mit Fallschirmen aus einer abstürzenden Maschine gerettet hatten. Auf dem Video sagt einer der Männer laut Übersetzung am Telefon, dass die Toten Ausländer seien. Ein anderer ist mit der Frage zu hören: „Wer hat ihnen erlaubt, durch diesen (Luft)korridor zu fliegen?“ Es sind brennende Wrackteile sowie verstreute Gepäckstücke zu sehen.

Ein Ausschnitt aus dem Handyvideo.
Screenshot News Corp Australia
Ein Ausschnitt aus dem Handyvideo.
 

Einige Männer öffnen Rucksäcke, ziehen Kleidung heraus, halten Fotos in die Kamera und nehmen elektronische Geräte in Augenschein. News Corp Australia hat die Stellen, auf denen Leichen zu sehen sein sollen, unkenntlich gemacht.

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