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Tödliches Virus : Ebola: Das müssen Sie jetzt wissen

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Ebola hat Europa längst erreicht. Wie lange dauert die Epidemie noch? shz.de gibt nicht nur Antworten auf diese Frage.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 21:19 Uhr

In Madrid infizierte sich eine Pflegehelferin bei der Betreuung eines Ebola-Kranken. In den USA starb am Mittwoch ein Mann, der sich in Liberia mit dem Virus ansteckte. Ebola ist keine neue Erkrankung. Doch besorgen die Meldungen über die Epidemie immer mehr Menschen. Auch in Schleswig-Holstein. Ein Erkrankter wurde bereits in Hamburg behandelt. Es gibt viele Fragen – und Antworten:

Wann begann die Epidemie?

Experten nehmen rückblickend an, dass es im Dezember 2013 in der Region Guéckédou in Guinea den ersten Fall der Epidemie gab. Ende März 2014 sollen laut einem Radiobericht in Guinea 60 Menschen an Ebola gestorben sein. Bis Mai wurden dann auch Tote in Liberia und Sierra Leone gemeldet. Ende Juni geriet die Epidemie außer Kontrolle. Die Krankheit brach im Sommer auch in Nigeria aus, später im Senegal.

Wie lange wird die Epidemie noch andauern?

Die Epidemie wird nach Ansicht von US-Experten noch mindestens 12 bis 18 Monate dauern. Hunderttausende Menschen könnten sich der Prognose zufolge bis dahin mit dem Virus anstecken.

Was sind die Symptome?

Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ab dem fünften bis siebten Krankheitstag sind bei vielen Patienten Schleimhautblutungen zu beobachten. Der Virus kann tödlich sein.

Wie überträgt sich das Ebolavirus?

Als eigentliche Überträger werden Menschenaffen und vor allem Flughunde vermutet. Infektionen des Menschen entstehen durch Kontakte zu infizierten Tieren (zum Beispiel durch Wildjagd, Verzehr und Zubereitung von Wildtierprodukten). Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist durch den direkten Körperkontakt mit an Ebolafieber erkrankten oder verstorbenen Menschen möglich - oder durch den Kontakt mit deren Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Neben dem direkten Kontakt besteht auch die Gefahr, sich durch kontaminierte Gegenstände zu infizieren, etwa durch Kleidung von Erkrankten. Es gibt bisher keine Hinweise auf eine Übertragung von Viren auf den Menschen durch die Luft. Die Inkubationszeit kann zwei bis 21 Tage betragen, meistens acht bis zehn Tag.

Seit wann gibt es Ebola?

Es handelt sich um eine vergleichsweise seltene Erkrankung. Größere Ausbrüche von Ebolafieber wurden seit 1976 in der Demokratischen Republik Kongo (vormals Zaire), der Republik Kongo, im heutigen Südsudan, Uganda und Gabun verzeichnet.

Gibt es Gegenmittel?

Es gibt noch keine zugelassene Impfung gegen Ebola und keine Therapie. Die einzigen Gegenmittel sind bisher Aufklärung der Bevölkerung, Isolierung der Kranken und die hartnäckige Überwachung aller Menschen, die mit Patienten Kontakt hatten. Mindestens 1500 Dosen eines experimentellen Impfstoffes sollen laut WHO Anfang 2015 testweise in Westafrika eingesetzt werden.

Wie viele Tote gibt es bisher?

Die Zahl der registrierten Ebola-Toten in Westafrika wächst weiter. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben in Guinea, Liberia und Sierra Leone 3857 Menschen an der Seuche (Stand: 8. Oktober). Die Zahl der gemeldeten Infizierten in den drei Ländern stieg laut der jüngsten WHO-Statistik auf 8011. Guinea, Liberia und Sierra Leone sind am härtesten von der Epidemie betroffen.

Gibt es Ebola-Fälle in Europa?

Ja. Eine Pflegehelferin in Madrid hatte sich vor Kurzem bei der Behandlung eines aus Westafrika ausgeflogenen Ebola-Kranken mit dem gefährlichen Virus infiziert. Ihr Zustand hat sich am Donnerstag deutlich verschlechtert. Es war die erste Ebola-Infektion von Mensch zu Mensch in Europa. In der Klinik wurden vier weitere Kontaktpersonen der Ebola-Kranken unter Quarantäne gestellt. Es soll sich um Ärzte und eine Pflegerin handeln.

Wann kam es bei der Epidemie zum ersten Fall außerhalb Afrikas?

Am 20. September kam in Texas ein Mann aus Liberia an. Einige Tage später klagte er über Fieber und Unwohlsein. Dennoch wies ihn ein Krankenhaus ab, obwohl er nach Aussage von Verwandten extra darauf hingewiesen habe, aus dem Ebolagebiet zu kommen. Die liberianische Regierung warf ihm allerdings vor, bei der Ausreise gelogen zu haben. Obwohl er einer todkranken Frau in ein Taxi geholfen habe, habe er beteuert, keinen Kontakt zu Kranken gehabt zu haben. Der 42-Jährige starb am 8. Oktober.

Wie gefährlich ist Ebola für Europa?

Trotz der Ebola-Infektion einer Pflegehelferin in Spanien stuft die EU-Kommission das Risiko in Europa weiter als gering ein. „Die Ebola-Krise ist eine Krise, die sich in einigen afrikanischen Ländern abspielt“, sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Mittwoch in Brüssel. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass so etwas in Europa passiere. Die europäischen Gesundheitssysteme seien „leistungsfähig und effektiv“. Die Mittel zur Aufdeckung von Problemen seien vorhanden. „Wenn Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden - insbesondere im Krankenhausbereich - ist das Risiko unter Kontrolle“, sagte der Sprecher.

Wie viele Ebola-Patienten werden in Deutschland behandelt?

Erstmals kam ein Ebola-Patient Ende August aus Westafrika nach Deutschland. Er wurde in der Uniklinik Hamburg-Eppendorf behandelt. Der Mann aus dem Senegal wurde Anfang Oktober gesund entlassen. Er hatte sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO beim Einsatz in einem Labor in Sierra Leone infiziert. In Frankfurt/Main liegt derzeit ein Arzt aus Uganda auf einer Seuchenstation. Seit Donnerstag (9. Oktober) ist ein weiterer Ebola-Patient in Leipzig untergebracht. Ihm geht es nach Angaben seiner Ärzte schlecht. Der Mann hatte in Liberia gearbeitet und stammt aus dem Sudan.

Wo können Ebola-Patienten in Deutschland behandelt werden?

Die intensivmedizinische Betreuung und Isolierung erfolgt in Sonderisolierstationen. Ebola-Patienten können in Deutschland an verschiedenen Orten behandelt werden. Die Zentren sind so verteilt, dass sie ein Krankentransport von jedem Ort in Deutschland binnen weniger Stunden erreichen kann. Solche Einrichtungen gibt es neben Hamburg auch in Leipzig, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, München und Stuttgart. Auf solchen Sonderisolierstationen wird der Patientenbereich durch ein Schleusensystem betreten. In der äußeren Schleusenkammer kann das Personal duschen und Schutzkleidung anziehen. Über die innere Kammer kommen Ärzte und Pflegekräfte zu den Kranken. Beim Ausschleusen wird die Schutzkleidung desinfiziert. Die Patienten mit Ebolafieber werden symptomatisch behandelt.

mit dpa-Material

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