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Verbraucher stimmen ab : Dreisteste Werbelüge: Foodwatch sucht den „Goldenen Windbeutel“

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Der Negativpreis zeichnet Produkte aus, deren Aufmachungen falsche Erwartungen an das Produkt wecken können.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 11:54 Uhr

Berlin | In diesem Jahr vergibt der gemeinnützige Verein Foodwatch wieder den Negativpreis, den „Goldenen Windbeutel“. Welches Produkt die „Auszeichnung“ am meisten verdient hat, darüber können Verbraucher bis Ende November unter www.goldener-windbeutel.de abstimmen. Falls der Hersteller den „Windbeutel“ annimmt, wird er ihm am Firmensitz verliehen. Bisher lehnten allerdings alle Unternehmen den Preis ab.

Der Negativpreis wurde erstmals im März 2009 vergeben und soll insbesondere auf den Unterschied zwischen beworbenen Qualitätsversprechen und den tatsächlichen Eigenschaften von Lebensmitteln hinweisen. Selbst wenn Verbraucher bewusst einkaufen wollen, werde ihnen dies durch die Aufmachung und Beschreibung der Produkte zu oft erschwert, so der gemeinnützige Verein. Die Produktgestalter haben bei den nominierten Produkten die rechtlichen Grenzen zum Teil ausgelotet, aber nicht überschritten.

Die Nominierten 2017:

Alete: Kinderkeks

Foodwatch: „Wird als babygerecht beworben, besteht aber zu einem Viertel aus Zucker.“

Der Butterkeks liegt bei 75 Prozent Kohlenhydraten, davon 25 Prozent Zucker sowie 8,5 Prozent Eiweiß und 18 Prozent fett. Zum Vergleich: das sind vier Gramm mehr Zucker als ein bekannter Butterkeks für alle Altersklassen beinhaltet.

Experten wie die Weltgesundheitsorganisation, die Bundeszahnärztekammer oder das von der Bundesregierung ins Leben gerufene Netzwerk „Gesund ins Leben“ empfehlen für Babys explizit Produkte ohne zugesetzten Zucker.

Bauer: Protein Drink Vanille

Foodwatch: „Aromatisierte Milch mit überflüssigem Proteinzusatz, teuer vermarktet.“

Auf der Flasche wirbt der Konzern mit 23 Gramm Protein, allerdings auf 330 Milliliter. Der Eiweißgehalt liegt also bei 6,9 Prozent, der Zuckergehalt bei 6,4 Prozent. Zum Vergleich: Milch besteht im Durschnitt aus 3,4 Gramm Protein und 4,9 Gramm Kohlenhydraten auf 100 Milliliter. Sie ist dabei preiswerter.

Selbst wer viermal die Woche joggen geht, braucht laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) keinen Protein-Zusatz.

Tipp für Sportler: Magerquark mit 12 Gramm Eiweiß und rund vier Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm.

Continental Foods: Lacroix Gebundene Ochsenschwanz Suppe

Foodwatch: „Ochsenschwanzsuppe – ganz ohne Ochsenschwanz.“

Statt Ochsenschwanz ist in der Suppe Rindfleisch enthalten, dazu Pilze. Auf der Seite von Foodwatch heißt es dazu weiter: „Warum man in der Ochsenschwanzsuppe auf Ochsenschwanz verzichtet, begründet das Unternehmen in einer bemerkenswerten Stellungnahme an foodwatch: aus Qualitätsgründen.“

Kellogg's: Urlegenden Müsli „Quinoa, Apfel, Cranberries & Chia-Samen“

Foodwatch: „Wirbt mit Urkorn, enthält aber nur 2,5 Prozent davon – dafür Palmöl und Aroma.“

In der Müsli Mischung sind enthalten: Vollkornhafer (51 Prozent), Sultaninen (9 Prozent), Vollkorngerste (9 Prozent), Cranberrystücke (8.5 Prozent), getrocknete Apfelstücke (4 Prozent), Gerstenflakesl, Aroma, färbendes Lebensmittel, gepuffte Quinoa (2,5 Prozent), Sonnenblumenkerne (2,5 Prozent), Zucker, Palmöl, Vollkornroggen (1 Prozent), Chia-Samen Salvia Hispanica (1 Prozent), Melasse, Glukosesirup, Salz, Backtriebmittel, Antioxidationsmittel und Zimt.

Urkörner sind Jahrhunderte alte Pflanzen- und Getreidesorten. Dazu gehören Quinoa, Amaranth, Einkorn, Emmer, Hirse und Dinkel.

Unilever: Becel Omega-3 Pflanzenöl

Foodwatch: „Rühmt sich mit besonders viel gesundem Omega-3 – stinknormales Rapsöl enthält mehr.“

Das Öl ist eine Kombination aus Sonnenblumen-, Raps- und Leinöl. Der Vergleich mit Olivenöl sei irreführend, dieses enthalte naturgemäß nicht besonders viel Omega-3. Herkömmliches Rapsöl hingegen beinhalte ein Drittel mehr der wichtigen Fettsäure – und koste deutlich weniger, so Foodwatch in einer Stellungnahme.

Bisherige Träger des Negativpreises:

Jahr Preisträger Begründung von Foodwatch Wahlbeteiligung
2009 Actimel von Danone Actimel stärkt laut Danone das Immunsystem. Das tut herkömmlicher Naturjoghurt auch – allerdings wesentlich preisgünstiger und mit weniger Zucker.“ über 35.000 Personen
2010 Zott Monte Drink von Zott Monte sei ein idealer Begleiter für Schule und Freizeit, mit wertvollem Traubenzucker suggeriert Zott. Dabei stecken in einem Fläschchen acht Stück Würfelzucker – mehr als in der gleichen Menge Cola.“ rund 81.000 Personen
2011 Milch-Schnitte von Ferrero „Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch, behauptet Hersteller Ferrero – und unterstreicht die Botschaft mit allerlei Spitzensportlern in den Werbekampagnen die Wahrheit jedoch ist deutlich schwerer: Die Milchschnitte besteht zu fast 60 Prozent aus Fett und Zucker, das ist sogar mehr als in Schoko-Sahnetorte.“ rund 117.000 Personen
2012 Instant-Früchtetees ab dem 12. Monat von Hipp „Claus Hipp bürgt mit seinem Namen für kindgerechte und gesunde Lebensmittel und rät entgegen einhelliger Ernährungsempfehlungen ab dem 12. Monat zu Zuckergranulat-Tee. Verantwortungsvolles Marketing sieht anders aus.“ rund 130.000 Personen
2013 Capri-Sonne von Wild/SiSi-Werke Der Hersteller Wild bewirbt seine Wasser-Zucker-Arome-Mixtur bei gesponserten Sportevents, vergibt ein eigenes Schwimmabzeichen und verbreitet Unterrichtsmaterial mit Markenlogo und Lernaufgaben zum Produkt – alles indirekte Werbung an den Eltern vorbei.“ rund 120.000 Personen
2014 Alete Trinkmahlzeit ab 10. Monat von Nestlé Seit Jahren warnen Kinderärzte und Wissenschaftler vor Trinkmahlzeiten für Babys, da diese zu Überfütterung führen und Karies fördern. Dennoch empfiehlt Nestlé die Produkte als vollwertige Mahlzeit für Säuglinge ab dem 10. Monat. Damit nicht genug: Mit Aussagen wie reich an Calcium & Vitamin D für gesundes Knochenwachstum verleiht Nestlé den Produkten sogar einen gesunden Anstrich.„ über 158.000 abgegebene Stimmen

 

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