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Voluntary Human Extinction Movement : Diese Menschen wollen die Menschheit ausrotten

vom
Aus der Onlineredaktion

Die VHEMT-Bewegung sieht im Menschen das Grundübel. Darum verzichten die Anhänger auf Fortpflanzung, aber nicht auf Sex.

Portland | Erdenbürger, die den Sinn des Lebens gänzlich in der Fortpflanzung wähnen, müssen wissen, dass ein konträrer Entwurf zu ihrem Biologismus existiert. Das „Voluntary Human Extinction Movement“ (zu deutsch „Bewegung für das freiwillige Aussterben der Menschheit“) hat sich auf die Fahnen geschrieben, der Plage Menschheit nach Möglichkeit den Garaus zu machen – jedenfalls ein bisschen.

Nein, als Erben Charles Mansons sehen sich besagte Hardcore-Hippies nicht. Nur sind sie der Meinung, dass die Lebensart des Menschen mit seinen Reisen, seinem Bedürfnis zu heizen und zu beleuchten bei all seiner Gier und seinen über sieben Milliarden Köpfen einfach nicht auf diesen Planeten passt. Ihr Motto lautet: „Lange Leben und Aussterben“.

Nun ist es aber auch nicht so, dass VHEMT (ausgesprochen „vehement“) rigoros die Menschheit beerdigen will. Das Kapitel der Zweibeiner als dominierende Spezies sollte aber nach Möglichkeit geschlossen werden. Es sei angesichts der ökologischen Probleme nicht legitim, weiter Nachwuchs in die Welt zu setzten, so die Position der Bewegten. Wie der Name der Gruppierung sagt, basiert diese Mission aber auf der Freiwilligkeit der Beteiligten.

Eine offizielle Position der losen Bewegung ohne Netzwerk gibt es ohnehin nicht. Einig ist man sich darin, mit einer Null-Kinder-Politik selbstverordnet einen Schlussstrich unter den Stammbaum ziehen zu wollen – und das aus idealistischen Gründen. Die Zerstörung einer einzigen Art, dem Homo Sapiens Sapiens beschreiben sie auf ihrer Internetseite als „hoffnungsvolle Alternative zur Zerstörung von Millionen, wenn nicht Milliarden von Tier- und Pflanzenarten“.

Anders als manche religiöse Eiferer wollen die Jünger der Extinktion aber keineswegs auf Sex verzichten. Im Gegenteil. In den wenigsten Fällen sei der Zeugungsakt der Weg zum Geschlechtsverkehr, heißt es in der Selbstbeschreibung: „Unser biologischer Trieb ist es, Sex zu machen, und nicht, Kinder zu kriegen“. Sexuelle Erfüllung führe in Wirklichkeit dazu, dass weniger Menschen auf die Idee kommen, die „störende Leere mit einem abhängigen Wesen zu füllen“.

Familienplanung, die härter ist als bis vor kurzem in China: Wie kam es dazu? 1991 rief der US-Amerikaner Les U. Knight, ein Lehrer aus der Spät-Hippie-Hochburg Portland (bei dieser Gelegenheit sei die Satire-Serie „Portlandia“ erwähnt) im US-Staat Oregon die Bewegung ins Leben. Bereits Anfang 1970er hatte der heutige Sprecher sich mit der Gruppe „Zero Population Growth“ dafür stark gemacht, den Nachwuchs auf zwei Kinder zu begrenzen. Für die Rettung des lebendigen hypothetischen Planeten „Gaia“, stellte er später für sich fest, müsse die Population aber nicht stagnieren, sondern schrumpfen, möglichst hin zur Extinktion. Der Grund: „Wir sind keine Lachse, die sich vermehren und dann sterben“. In seinen Herleitungen bedient er sich den Klassikern der Überpopulationsliteratur, darunter Thomas Malthus’ Essay von 1798.

Die klassisch gehaltene Internetseite der Bewegung besteht aus einem umfangreichen Frage-Antwort-Textwerk, das mittlerweile in 25 Sprachen – sogar ins Weißrussische – übersetzt wurde. Es ist also davon auszugehen, dass die Philosophie Anhänger auf der ganzen Welt vereint. Aufgrund der nicht vorhandenen Organisationsstruktur sind Schätzungen über die Größe der Anhängerschaft unmöglich.

„Sollen wir uns alle umbringen?“ lautet eine der suggerierten Fragen. Bestandsminderung sei unnötig, da kaum effizient, so ließe sich die Antwort zusammenfassen. Wenn jemand aber nicht lange leben wolle, sei das seine Sache. Man betont, dass VHEMTler Babys genau so gern haben – oder eben nicht – wie Menschen, die nichts mit den Ideen am Hut hätten. Auch gebe es unter den Anhängern Eltern, deren Kinder sich ebenfalls zugehörig fühlten.

Anders als suizidale Sekten oder andere Gruppierungen wie „Church of Euthanasia“, die die Rettung der Erde durch durch Suizid, Schwangerschaftsabbruch, Kannibalismus und Analsex anstrebt, sehen sich die lebensfreudigen Misanthrophen als Verfechter des friedvollen Lebens, das betonen sie immer wieder. Waffen und Atomkraft lehnen sie ab.

 

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erstellt am 05.Nov.2015 | 07:38 Uhr

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