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Neue Zerstörungen in Palmyra : Diese Kulturerbe-Stätten hat der IS auf dem Gewissen

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Aus der Onlineredaktion

Erst das Kloster Mar Elian, dann der Tempel Baal Schamin, jetzt der Baaltempel: Der IS zerstört auf seinem Vormarsch kulturhistorisch bedeutsame Bauten. Ein Überblick.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2015 | 09:32 Uhr

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat in der zentralsyrischen Stadt Palmyra einen weiteren jahrhundertealten Tempel teilweise zerstört. Es handelt sich um den Baaltempel, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag berichtete.

Der Tempel bildet den größten Komplex in dem Unesco-Weltkulturerbe und war im ersten Jahrhundert nach Christus eine der bedeutendsten religiösen Stätten im Nahen Osten. Erst Anfang letzter Woche war bekanntgeworden, dass die Terrormiliz in Palmyra den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin zerstört hat. Der IS hatte Palmyra Ende Mai von Truppen des Regimes eingenommen.

In der Ideologie der Terrororganisation IS gelten Statuen und Abbildung als Abgötterei, die nicht mit dem Islam vereinbar ist. Demnach sind bildliche Darstellungen von Menschen und Tieren sowie Götterbilder und Heiligengräber nicht legitim, da nichts außer Gott angebetet werden dürfe. Der Koran selbst enthält kein Bilderverbot, jedoch gibt es gesammelte Überlieferungen des Propheten Mohammed in den sogenannten Hadith-Sammlungen und den vier Büchern der Schiiten, die eine Bilderfeindlichkeit, beziehungsweise ein Bilderverbot nahelegen. Zusätzlich dürften die Taten des IS auch einen politischen Hintergrund haben. Als Ikonoklasmus wird Zerstörung heiliger Bilder oder Denkmäler der eigenen Religion bezeichnet. Die Bildfeindlichkeit des IS erreicht aber auch politische Züge. So wurden in der Vergangenheit Symbole anderer Glaubensgemeinschaften sowie untergegangener Kulturen bzw. Herrschaftssystemen zerstört und somit dauerhaft aus der öffentlichen Wahrnehmung entfernt.

Seitdem herrscht weltweit Sorge, dass die Extremisten die historischen Stätten als „Zeugnisse der Vielgötterei“ nach und nach zerstören - so wie sie es bereits im Nordirak mehrfach getan haben. In Palmyra hatten sie bisher eine rund 2000 Jahre alte Löwen-Statue zertrümmert sowie islamische Heiligengräber gesprengt. Zudem zerstörten sie wertvolle Statuen, die Schmugglern abgenommen worden sein sollen. Die historischen Stätten in Palmyra sollen vermint sein.

Immer wieder zerstört der IS einzigartige Kulturerbestätten und Denkmäler. Ein Überblick:

August 2015: Tempel Baal Schamin gesprengt

Der Moment der Explosion: Der IS veröffentlichte Bilder von der Sprengung des Tempels im Internet.

Der Moment der Explosion: Der IS veröffentlichte Bilder von der Sprengung des Tempels im Internet.

Foto: dpa

In der zentralsyrischen Stadt Palmyra haben IS-Kämpfer den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin zerstört. Syriens oberster Archäologe Mamun Abdulkarim bestätigte, dass die Extremisten das historisch bedeutende Bauwerk am Sonntag gesprengt hätten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte hingegen, der Tempel sei bereits vor einem Monat zerstört worden. Der Baal-Schamin-Tempel gilt als eines der wichtigsten Bauwerke der historischen Stätte. Er ist der levantinischen Gottheit Baal gewidmet.

August 2015: Kloster Mar Elian zerstört

Das Kloster Mar Elian vor seiner Zerstörung am 21. August.

Das Kloster Mar Elian vor seiner Zerstörung am 21. August.

Foto: dpa

Mit Bulldozern zerstörten IS-Kämpfer Mitte August das christliche Kloster Mar Elian. Dessen Ursprünge reichen bis ins 5. Jahrhundert zurück. Das Bauwerk liegt im Ort Quaryatain südöstlich der Stadt Homs (Syrien). Laut IS sei dort nicht nur Gott angebetet worden, sondern auch ein christlicher Märtyrer. Für den IS ist dies Gotteslästerung. In dem Ort leben rund 2000 Christen. Der IS hatte die Ortschaft Anfang des Monats eingenommen. Hunderte Menschen waren geflohen, rund 230 Christen wurden vom IS entführt. Mar Elian war eines der wichtigsten Zentren der syrisch-katholischen Kirche. Zu den Festen dort pilgerten Tausende Syrer.

Februar/März 2015: IS zerstört antike Städte Nimrud, Hatra und Dur Scharrukin

In Nimrud zerstört der IS historische Statuen. Am Ende sprengen sie die Stätte.

In Nimrud zerstört der IS historische Statuen. Am Ende sprengen sie die Stätte.

Foto: dpa

Nimrud war ein antike Stadt, die im 13. Jahrhundert vor Christus gegründet wurde. Die Ruinen liegen etwa 30 Kilometer südöstlich von Mossul im Irak. Zeitweise war sie Hauptstadt des assyrischen Reiches. Der IS planierte die Stätte am 5. März. Laut Unesco gilt die Zerstörung als Kriegsverbrechen.

Die historische Stätte Hatra vor der Zerstörung durch den IS.

Die historische Stätte Hatra vor der Zerstörung durch den IS.

Foto: Imago/Xinhua

Hatra ist eine antike Handelsstadt und Unesco Weltkulturerbe und liegt rund 110 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul. Videos zeigen im April 2015 Zerstörungen durch gezielte Schüsse und Hammerschläge auf Statuen und Verzierungen. Auch mit Sprengstoff soll die altorientalische Stätte zerstört worden sein. Wie groß die Schäden sind, ist unklar. Das Territorium wird nach wie vor vom IS kontrolliert. Die Stadt beherbergt gut erhaltene antike Ruinen, die bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurückreichen.

<p>Videobilder zeigen einen IS-Anhänger mit Presslufthammer. Er zerstört eine historische Türwächterfigur in Ninive.</p>

Videobilder zeigen einen IS-Anhänger mit Presslufthammer. Er zerstört eine historische Türwächterfigur in Ninive.

Dur Scharrukin war eine assyrische Stadt und lag etwa 16 Kilometer von Ninive im heutigen Irak. Die quadratische Residenz ist eine Zitadelle mit einer Fläche von drei Quadratkilometern. Rund um einen Königspalast erstreckte sich um 708 v. Chr. eine Mauer mit 183 Türmen und sieben Toren. Die Funde aus Dur Scharrukin sind heute unter anderem im Louvre in Paris, dem British Museum in London oder der Eremitage in Sankt Petersburg zu sehen. Der IS zerstörte die Stätte durch Sprengungen.

Februar 2015: Statuen aus der assyrischen Zeit in Mossul zerstört

Das Museum in Mossul gleicht einem Trümmerfeld. IS-Kämpfer zerstören im Februar zahlreiche historische Statuen.

Das Museum in Mossul gleicht einem Trümmerfeld. IS-Kämpfer zerstören im Februar zahlreiche historische Statuen.

Foto: dpa

Das Museum von Mossul wurde am 25. Februar Opfer von islamischem Terror. Der IS veröffentlichte ein Video, worin die Zerstörung von Statuen zu sehen ist. Mit Presslufthämmern wurden rund 90 Objekte vernichtet oder beschädigt. Die zerstörten Objekte stammten aus den historischen Stätten Nimrud und Hatra. In der Bibliothek von Mossul zerstören IS-Kämpfer tausende Bücher und seltene Schriften. Die Unesco spricht von einer Kampagne der „kulturellen Säuberung“.

Februar 2015: Sprengung der „Kirche der Jungfrau Maria“ in Mossul.

Die Kirche war eine der ältesten chaldäisch-katholischen Kirchen des Iraks. Nachdem das Gotteshaus bereits zuvor geplündert und auch die Marienstatue am Kirchturm enthauptet wurde, brachte der IS mit Sprengstoff die Kirchenmauern zum Einsturz.

Januar 2015: Zitadelle von Tal Afar von IS gesprengt

Schwere Schäden an den Mauern der historischen Zitadelle zeigen den Zerstörungswahn des IS. Die Schäden sollen Ende Dezember verursacht worden sein. Bilder einer spanischen Webseite zeigen die Zerstörungen.

September 2014: Schrein Al Arbain durch IS zerstört

Es ist ein muslimisches Heiligtum. Im Schrein Al Arbain lagen die Grabstätten von 40 bedeutenden Vertretern des Islam, darunter Weggefährten des Propheten Mohammed. Im September 2014 flog der Schrein nahe Tikrit in die Luft. Ein Video zeigt die Zerstörungen.

September 2014: Grüne Kirche von Tikrit fällt IS zum Opfer

Die Grüne Kirche von Tikrit (Irak) wurde Ende September gesprengt. Die Geschichte des Gotteshauses ging bis ins 7. Jahrhundert zurück. Sie lag im Stadtzentrum und war Eigentum der „Assyrischen Kirche des Ostens“. Ein Video zeigt Bilder der Kirche vor der Zerstörung durch den IS.

Juli 2014: IS sprengt unter anderem Jona-Moschee in Mossul

Die Moschee und Grabstätte in Mossul wurde am 24. Juli 2014 von IS-Kämpfern gesprengt. Der Schrein wurde von Muslimen und Christen als Grab des Propheten Jona verehrt. Ein Video zeigt die Sprengung der Grabstätte im Zentrum von Mossul.

Ebenfalls im Juli 2014 in Mossul zerstört wurde die Imam-Aoun-Bin-Al-Hassan-Moschee, das Heiligtum des Seth und das Grab des von Muslimen als Prophet geachteten Juden Daniel sowie weitere Moscheen.

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