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Nach Übergriffen an Silvester : Die schwarze Hand: Wie „SZ“ und „Focus“ auf Rassismus-Vorwürfe reagieren

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Münchner Blätter jonglieren nach den Silvester-Übergriffen mit Schwarz-Weiß-Vergleichen und müssen sich dafür rechtfertigen sich: Mal mehr, mal weniger.

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2016 | 13:31 Uhr

München | Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) hat das Thema der Übergriffe von Köln auf der Titelseite der Wochenendausgabe mit einer schwarzen Hand illustriert, die zwischen zwei weiße Frauenbeine greift. Da das beigefügte Zitat eines Psychologen („viele junge Muslime können nicht entspannt dem anderen Geschlecht begegnen“) in diesem Zusammenhang wie ein Text aus der Redaktion wirkte und die Darstellung der Illustration deutlich größer wirkte als in der Druckausgabe, kam es zu heftiger Kritik in den sozialen Netzwerken. Die Bebilderung sei rassistisch und sexistisch , prangerten viele Leser an. Die Zeitung reagierte einsichtig und bat ihre Leser um Entschuldigung.

Dieses Zitat stammt von Ahmad Mansour. Der palästinensisch-israelische Psychologe arbeitet in Berlin mit gefährdeten...

Posted by Süddeutsche Zeitung on  Samstag, 9. Januar 2016


Die Grafik bediene „stereotype Bilder vom ,schwarzen Mann', der einen ,weißen Frauenkörper' bedrängt" und könne so verstanden werden, „als würden Frauen zum Körper verdinglicht und als habe sexuelle Gewalt mit Hautfarbe zu tun“, räumt Chefredakteur Chefredakteur Wolfgang Krach bei Facebook ein.

Am Wochenende haben wir sowohl in der gedruckten Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" als auch auf SZ.de ausführlich über...

Posted by Süddeutsche Zeitung on  Sonntag, 10. Januar 2016


Möglicherweise wäre die Empörung um die „SZ“-Aufmachung deutlich milder ausgefallen, hätte nicht zuvor das vorab beworbene Cover des am Samstag erschienen „Focus“ Stimmung gemacht. Die Titelzeile „Frauen klagen an“ liegt auf dem Foto einer jungen nackten Frau, die sich eine Hand vor ihre Brüste und eine vor den Schritt hält. Auf ihrem Körper sind schwarze Handabdrücke zu sehen, die Hinterlassenschaft von Grabschern. Den nackten Körper zieren die Zeilen: „Nach den Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind?“ Das Netz reagierte mal heftig, mal belustigt.


 

Die Frankfurter Rundschau reagierte ebenfalls mit harter Kritik auf die Konkurrenz aus München: „Der „Focus“ hat nach unzähligen islamfeindlichen Titelbildern diesmal ein widerwärtiges Cover kreiert, das sexistische und rassistische Motive bedient. Eine nackte Frau, deren Augen nicht zu sehen sind, die ihre Brüste und ihre Scham bedeckt und mit schwarzen Handabdrücken übersät ist [...] Die Verantwortlichen wissen, dass Überschriften und Bilder haften bleiben. So entsteht der Eindruck, dass diese Bilder der Hetze Vorschub leisten, ob gewollt oder ungewollt.“

Die „Taz“ bezichtigt Medien und Gesellschaft einer „Rape Culture“: „Zu sehen ist eine nackte, weiße, schlanke Frau, die sich die Hände vor Brüste und Vulva hält, von reißerischen Textbalken notdürftig bedeckt. Die Frau ist nicht nur nackt, sondern ihre Ungeschütztheit wird erotisiert, ihr Mund ist leicht geöffnet. Das ist besonders bitter, weil der Titel selbst somit den betroffenen Frauen die Kleider vom Körper reißt.“ Weiter heißt es: „Die Vorstellung, dass dunkle Haut abfärbt, ist ein altes und gängiges rassistisches Motiv, das dunkle mit dreckiger Haut gleichsetzt“.

Weil Empörung und Kritik so heftig ausfielen, gab bereits am Freitagabend (die Ausgabe erschien erst einen Tag später) eine Stellungnahme, die anders als bei der „SZ“ allerdings ohne Entschuldigung und Distanzierung auskam.

Auf Twitter wurde heute das Cover unserer aktuellen Ausgabe kritisiert. Wir hatten uns dazu entschieden, symbolisch...

Posted by FOCUS Magazin on  Freitag, 8. Januar 2016


Die Empörung und Kritik fiel enorm aus, so dass bereits am Freitagabend eine Stellungnahme folgte. „Focus“ distanzierte sich nicht. Man habe sich entschlossen, „stellvertretend für die vielen weiblichen Opfer, eine zum Sex-Objekt degradierte und entwürdigte Frau - die aber dennoch entschlossen ist, sich zu wehren“, symbolisch darzustellen, verteidigt sich das Blatt gegen die Vorwürfe. Der Chefredakteur des rechtsliberalen Blattes, Ulrich Reitz, wehrte sich gegen die Web-Kampagne gegenüber dem „Tagesspiegel“: „Wir bilden ab, was leider passiert ist“. Wer behaupte, das Titelblatt sei sexistisch und rassistisch, habe „Angst vor der Wahrheit“. Über die Menschen, die sich über die schwarzen Hände auf weißer Haut aufregen, sagte er: „Das sind Leute, die keine Ahnung davon haben, wie man Themen illustriert“. Niemand in der Redaktion habe das Wort gegen das Titelblatt erhoben.

Gegen die Darstellung auf der Titelseite der „Süddeutschen Zeitung“ ging beim Presserat eine Beschwerde ein. Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter reagierte ebenfalls mit einer Meldung beim Deutschen Presserat: „Die Darstellung erfüllt in meinen Augen die Merkmale von Sexismus und Rassismus und verstößt damit gegen den geltenden Pressekodex“, teilte die Politikerin über Facebook mit.

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