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Jugendstudie „Generation What?“ : Die meisten jungen Europäer misstrauen Politik, Religion und Medien

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Eine Studie stellt ein großes Misstrauen von Jugendlichen gegenüber Institutionen fest - vor allem Religion und Politik kommen schlecht weg.

Berlin | Die meisten jungen Menschen in Europa haben einer Studie zufolge kein Vertrauen in die Politik. Auch Institutionen kommen bei den 18- bis 34-Jährigen nicht gut weg, wie die am Mittwoch veröffentliche Jugendstudie „Generation What?“ der europäischen Rundfunkanstalten ergab.

Religion

Bei den Institutionen kommen religiöse am schlechtesten weg: Mehr als jeder zweite (58 Prozent) junge Europäer vertraut ihnen nicht. Weitere 28 Prozent haben eher kein Vertrauen, so dass in der Summe 86 Prozent angeben, den religiösen Institutionen zumindest eher zu misstrauen. Die Männer sind dabei noch skeptischer gegenüber religiösen Institutionen als die Frauen, und die ältesten Befragten etwas misstrauischer als die Jüngsten.

Politik

So gaben 82 Prozent der Befragten an, wenig bis gar kein Vertrauen in die Politik zu haben. 45 Prozent erklärten dabei, sie hätten „überhaupt kein“ Vertrauen. In Deutschland ist die Lage vergleichsweise weniger dramatisch: Lediglich 23 Prozent der jungen Leute hier misstrauen der Politik völlig - das ist der niedrigste Wert im Europavergleich. Die Politik hat einen sehr schweren Stand im jungen Europa. Nur 1 Prozent vertraut ihr völlig und lediglich 16 Prozent vertrauen ihr mehr oder weniger.

Medien

Während in Europa etwa 16 Prozent der Niedriggebildeten und 19 Prozent der Mittelgebildeten den Medien mehr oder weniger vertrauen, sind es bei den Hochgebildeten immerhin 20 Prozent. Der Unterschied zwischen den Bildungsgruppen fällt in Deutschland dramatischer aus. Die Ergebnisse zahlreicher Studien zeigen auf, dass die jungen Deutschen mit hoher Bildung seriösere, weniger unterhaltungsorientierte Medien konsumieren und bei der Quellenwahl kompetenter sind. Es fällt ihnen leichter, Medien kritisch zu betrachten, beispielsweise erkennen zu können, ob journalistische Beiträge von kommerziellen oder politischen Interessen geleitet sind.

Polizei

Der Ländervergleich bei dieser Frage offenbart drastische Unterschiede. Wie beim Vertrauen in die Justiz ist in den Niederlanden (70 Prozent), Deutschland (67 Prozent) und der Schweiz (65 Prozent) das Polizei-Vertrauen am größten, in dem von der Staatsschuldenkrise gebeutelten Griechenland traut hingegen nur ein Viertel der Polizei.

Dass Politikverdrossenheit und Misstrauen nicht gleich Gleichgültigkeit bedeutet, zeigen die Zahlen auch. Knapp jeder Dritte (31 Prozent) könnte es sich vorstellen, in einer politischen Organisation aktiv zu werden. Sogar 51 Prozent sind bereit, sich in einer Nichtregierungsorganisation zu engagieren.

Die Untersuchung „Generation What?“ wurde in Deutschland vom Bayerischen Rundfunk, dem SWR und dem ZDF begleitet und vom Sinus-Institut ausgewertet. Die Teilnehmer wurden online befragt.

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erstellt am 05.Apr.2017 | 13:57 Uhr

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