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Panorama

12. Dezember 2017 | 11:50 Uhr

Die heimlichen Stars

vom

Katzen räkeln sich in Internet-Videos und treiben die Klickzahlen nach oben - "Cat content" boomt

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Berlin | Eigentlich macht er nichts: Maru, ein etwas dicklicher Kater aus Japan, liegt auf dem Rücken, wedelt ein bisschen mit dem Schwanz und döst. Nicht viel los mit ihm. Und trotzdem haben mehr als 1,7 Millionen Menschen das knapp 50 Sekunden lange, private Video bei YouTube angeschaut. Gefallen hat es mehr als 11 000, kommentiert haben es fast 2000 Menschen. Der Tenor der meisten Einträge: "Oh, ist der süß" und "Ich liebe Maru". Und wenn der Kater mit Vorliebe in viel zu kleine Kartons springt, können die Klickzahlen über vier Millionen steigen.

Maru ist nur ein Beispiel von vielen. Denn Katzen bevölkern das Internet. In Videos, Fotos oder Fotomontagen kuscheln sie mit Hunden, trinken aus Waschbecken, schwimmen in Badewannen oder tapsen auf dem Klavier herum. Und manchmal sitzen sie einfach nur da und sehen fürchterlich süß aus.

Wer bei YouTube, Facebook oder Twitter unterwegs ist, kommt um den "Cat Content" nur schwer herum. Kleine Filmchen und Bilder von Katzen werden millionenfach geklickt, angeschaut, kommentiert und weiterverschickt.

Nur: Warum eigentlich? "Wir finden Katzen ähnlich gut wie Süßigkeiten", sagt der Medienpsychologe Frank Schwab von der Universität Würzburg. "Das liegt in unserer Spezies." "Sie nutzen genau die Reize, auf die wir auch ansprechen, wenn wir Kinder aufziehen. Die Leute stellen ja auch andauernd Bilder von ihren Kindern online, fotografieren sie am laufenden Meter und zeigen sie jedem - ob er will oder nicht", sagt Schwab. "Katzen werden ganz ähnlich behandelt, das dockt an die gleichen Mechanismen an."

Das Phänomen werde zudem bedingt durch die Art der Internet-Nutzung - die Filme und Fotos können in Häppchen angeschaut werden. "Man kann das zur Stimmungsaufhellung machen, das nennt man in der Psychologie ,mood management, wie so ein kleines Bonbon", sagt Schwab. "Und wenn man merkt, das hebt meine Stimmung, macht man es immer wieder - schon hat man eine kleine Gewohnheit etabliert."

Viele Besitzer, die Videos und Fotos von ihren Tieren ins Netz stellen, hoffen zudem auf Geld und Ruhm. Denn auch bei der inzwischen weltweit bekannten "Grumpy Cat", einer stets miesgelaunt aussehenden Katze aus den USA, fing alles mit einem Foto an: Die Besitzer stellten nach eigenen Angaben 2006 ein Bild ihres Haustieres ins Internet, später folgten einige Videos auf YouTube. Von Grumpy Cat, die ihr Gesicht vermutlich einem Katzen-Kleinwuchs verdankt, kann man T-Shirts, Tassen, Schlüsselanhänger und Handy-Hüllen kaufen, ein Buch über sie ist bereits erschienen, ein Film soll folgen.

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