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Bárðarbunga bricht aus : Die größten Vulkanausbrüche in Island

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Aus der Onlineredaktion

Bisher ist es nur eine kleine Eruption – doch Europa sieht bereits rot. Eifert der brodelnde Bárðarbunga dem Eyjafjallajökull nach? shz.de mit den größten Eruptionen der letzten 50 Jahre.

Reykjavík | Der isländische Vulkan Bárðarbunga ist ausgebrochen. Es kam in der Nacht zu Freitag allerdings nur zu leichten Eruptionen im nördlichen Teil des Vulkans. Der Ausbruch sei um 2.40 Uhr nördlich des Vatnajökull-Gletschers erfolgt, die Aktivität scheint abgenommen zu haben, teilte das Meteorologische Institut in Island am Freitagmorgen mit. Bislang seien keine großen Aschemengen in die Luft gelangt. Alle Flughäfen in Island seien geöffnet.

Dennoch rief das Institut die Warnstufe Rot aus. Das bedeutet, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht oder im Gange ist. Eine Bedrohung für Flugreisende besteht auch in Deutschland vorerst nicht. Das Bundesverkehrsministerium teilte bereits am Donnerstag mit: Alle Vorbereitungen seien getroffen, es gebe einen Aktionsplan, falls Vulkanasche den Luftverkehr behindern sollte. Mittlerweile gibt es eine vorläufige Entwarnung. Es besteht keine unmittelbare Gefahr.

Über eine Live-Webcam kann der Ausbruch verfolgt werden.

Über eine Webcam lässt sich der Ausbruch des Bárðarbunga live verfolgen. Bisher steigt nur weißer Rauch auf.
Über eine Webcam lässt sich der Ausbruch des Bárðarbunga live verfolgen. Bisher steigt nur weißer Rauch auf. Foto: Screenshot mila.is
 

Von den insgesamt 140 Vulkanen auf Island sind 30 noch aktiv. Die Insel mit ihren rund 317.000 Bewohnern erlebt im Durchschnitt alle fünf Jahre einen Vulkanausbruch. Es ist höhere Gewalt aus den Tiefen der Erde, die mal wieder den globalen Luftverkehr bedroht. Doch auch wenn die Isländer jetzt die Alarmstufe Rot ausrufen: Die Wikinger-Nachfahren haben viel Routine in der Bewältigung ihrer vulkanischen Risiken. Ein Rückblick auf die größten Ausbrüche der vergangenen 50 Jahre.

1963 bis 1967: Die Geburt der Insel Surtsey

Neues Land - die Vulkaninsel Surtsey ist bis heute für die Öffentlichkeit gesperrt.
Neues Land - die Vulkaninsel Surtsey ist bis heute für die Öffentlichkeit gesperrt. Foto: Imago

Im Vulkansystem der Vestmannaeyjar (dt.: Westmännerinseln) entsteht nach einer Ausbruchserie 30 Kilometer vor der Südküste Islands die neue Insel Surtsey. Das Eiland im Nordatlantik erreicht zeitweilig eine Höhe von 174 Metern und eine Oberfläche von 2,5 Quadratkilometern. Das gesamte Volumen der innerhalb von dreieinhalb Jahren ausgestoßenen vulkanischen Masse beträgt ungefähr 1,1 Kubikkilometer. Nordöstlich von Surtsey türmt sich im Sommer 1965 noch eine Insel auf, doch die 70 Meter hohe Neuinsel Syrtlingu fällt schon im Herbst desselben Jahres einer Meereserosion zum Opfer. Die für die Öffentlichkeit gesperrte Insel Surtsey ist heute ein Eldorado für Wissenschaftler. Sie erforschen die Gründerpopulationen auf Islands jüngster Insel.

Die Hekla lässt es brodeln (1947, 1980, 1981, 1991 und 2000)

Die Hekla ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Ein erneuter Ausbruch ist bereits überfällig.
Die Hekla ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Ein erneuter Ausbruch ist bereits überfällig. Foto: Imago

Im Mittelalter wurde am schneebedeckten Gipfel der Hekla („Haube“), einem der aktivsten Vulkane Islands, das Tor zur Hölle vermutet. Bei der starken Eruption des 1491 Meter hohen Vukans im Jahr 1947 fiel sogar in England und Finnland Vulkanasche nieder; 0,8 Kubikkilometer Lava wurden produziert. Von 1970 bis 2000 spukte der launische Vulkan pünktlich alle zehn Jahre Lava und Asche – doch obwohl unterirdische Aktivitäten feststellbar sind, schweigt er seit der Jahrtausendwende. Gerade deshalb gilt sein Ausbruch in Island stets als am wahrscheinlichsten. Und sobald sich die unterirdische Aktivität verändert, herrscht Aufruhr – denn alle wissen: Es kann schnell gehen. 1970 vergingen nur 25 Minuten zwischen den ersten Anzeichen und dem Ausbruch. Im Mai 2011 entdeckten isländische Forscher eine 20 Kilometer breite Beule am Hekla, die von unterirdischem Magma aufgedrückt wird.

Die plötzlichen Eruptionen der Hekla haben Island immer wieder stark verändert. Große Teile der Atlantikinsel wurden mit vulkanischen Aschen und Gestein bedeckt. Da der Wirkungsbereich des Vulkans sich aber außerhalb der isländischen Siedlungsgebiete befindet, sind die materiellen Schäden bisher eher gering ausgefallen.

1973: Eldfell, Heimaey - Eine Insel wird evakuiert

Große Teile der Insel Heimaey fielen 1973 der Lava zum Opfer.
Große Teile der Insel Heimaey fielen 1973 der Lava zum Opfer. Foto: Imago
 

Für die Bewohner von Heimaey kommt die Eruption des Eldfell (isländisch: Feuerberg) auf den Westmännerinseln 1973 einem Inferno gleich, das sie fast ihre Heimat kostet. Gigantische 100 Kubikmeter Lava und Pyroklastika werden während der ersten Tage des Ausbruchs ausgestoßen, spektakuläre Lava-Fontänen türmen sich auf. Da das Magma in die Stadt zu dringen beginnt und die Asche vom Himmel fällt, wird die gesamte Bevölkerung von der Insel auf das Festland evakuiert. Durch die vorangegangene Schlechtwetterphase liegt die gesamte lokale Fischereiflotte im Hafen von Heimaey, so dass die Ausbootung der 5300 Einwohner rechtzeitig geschehen kann.

Fast 400 Gebäude – darunter eine Fabrik und das Kraftwerk – werden von Lava und Asche verschüttet oder brennen nieder. Die Lavaströme drohen den natürlichen Hafen vom Meer abzutrennen, was für die Besiedlung der Fischer-Insel wohl das Ende bedeutet hätte. Geschätzte 220.000 Tonnen Salz werden bei den mit US-Pumpen ausgeführten Löscharbeiten im Lava an Land gebunden.

1996 Grímsvötn / Gjálp / Bárðarbunga - Gletscherlauf  durch Schmelzwasser

Eine gewaltiger Gletscherlauf zerstörte 1996 großen Teile der Ringstraße. Von einer Brücke sind bis heute die Überreste zu sehen.
Eine gewaltiger Gletscherlauf zerstörte 1996 großen Teile der Ringstraße. Von einer Brücke sind bis heute die Überreste zu sehen. Foto: Imago

Der Vulkan und See Grímsvötn liegt unter Europas größtem Gletscher, dem Vatnajökull verborgen – das macht ihn so zerstörerisch. 1996 sorgt der Ausbruch des Vulkans Gjálp in Verbindung mit dem Grímsvötn für eine gigantische Zerstörung. Nach der Eruption des Gjálp fließt Schmelzwasser unter dem Eis ab und staut den subglazialen See Grímsvötn auf. Durch den Druck des steigenden Wassers platzt das Deckeis des Gletschers weg. Es kommt zu einem Gletscherlauf, der gewaltige Wassermassen mit tonnenschweren Eisbergen hinabstürzen lässt. Ein ganzer Landstrich wird mitsamt eines beträchtlichen Abschnitts der Ringstraße – Islands Hauptverkehrsader – planiert. Von einer völlig zerstörten Brücke sind heute die Überreste zu sehen.

Auch der Nachbarvulkan Bárðarbunga – heute in aller Munde – meldet sich wenig später mit viel Spektakel, aber wenig Zerstörungskraft zu Wort: Eine vier Kilometer hohe Eruptionssäule sorgt für spektakuläre Bilder.

Am 1. November 2004 bricht der Gjálp mit einer 13 Kilometer hohen Aschewolke erneut sein Schweigen.

2010 Eyjafjallajökull / Fimmvörduháls - Die Aschewolke hält die Welt im Taumel

Die gewaltige Aschewolke des Eyjafjallajökull legte 2010 den Flugverkehr lahm.
Die gewaltige Aschewolke des Eyjafjallajökull legte 2010 den Flugverkehr lahm. Foto: dpa
 

Der Ausbruch des 200 Jahre ruhenden, unaussprechlichen Vulkans Eyjafjallajökull wirbelt 2010 im wahrsten Sinn des Wortes viel Staub auf. Wochenlang spuckt er Asche in den Himmel, die Wolken legen den Flugverkehr in weiten Teilen Europas lahm – es folgt das wohl größte Chaos in Europas Luftfahrtgeschichte. Hunderttausende sitzen auf den Flughäfen fest, die Airlines erleiden hohe Verluste.

In Island müssen etwa 600 Menschen ihre Häuser verlassen. Auch der wichtige Tourismus auf Island kommt fast komplett zum Erliegen. Nach einer Studie von Oxford Economics hat die Beeinträchtigung des Flugverkehrs die weltweite Wirtschaftsleistung um gut vier Milliarden Euro gedrückt.

Viele Fluggäste kommen nicht weiter und müssen auf den Flughäfen übernachten.
Viele Fluggäste kommen nicht weiter und müssen auf den Flughäfen übernachten. Foto: dpa

2011 Grímsvötn - Erneutes Flugverbot für Nordeuropa

Ein Jahr nach dem Eyjafjallajökull sorgt der Grímsvötn erneut für Flugausfälle.
Ein Jahr nach dem Eyjafjallajökull sorgt der Grímsvötn erneut für Flugausfälle. Foto: dpa
 

Nur ein Jahr später macht Island wieder von sich reden. Fünf Tage lang spuckt der Gletschervulkan Grímsvötn wütend Lava und Asche in die Luft und sorgt für erneuten Unmut auf nordeuropas Flughäfen.

Obwohl die Eruption um einiges heftiger ist als die des Eyjafjallajökull, wird der Flugverkehr durch den Ausbruch nur kurzzeitig beeinträchtigt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger besteht die Aschewolke des Grímsvötn zu einem Großteil aus für den Flugverkehr ungefährlichen Wasserdampf. Aschepartikel lassen sich lediglich bis etwa sieben Kilometer Höhe feststellen.

Rund 900 Flüge fallen in Folge der Eruption aus. Forscher erkären  im Nachhinein, dass ein Flugverbot über Nordeuropa in Anbetracht der geringen Aschekonzentration nicht nötig gewesen wäre – als Vorsichtsmaßnahme sei ein Aussetzen der Flüge jedoch vernünftig und richtig gewesen.

(Mit dpa-Material)

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erstellt am 29.Aug.2014 | 11:43 Uhr

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