Melania Trump distanziert sich : Die Eiseskälte der First Lady

Melania Trump

Die First Lady schert sich wie ihr Mann nicht um Konventionen. Schon gar nicht um den Eindruck, den sie in der Öffentlichkeit hinterlässt.

Melania Trump geht öffentlich auf Distanz zu ihrem Ehemann. Ob sie bei der Rede ihres Mannes dabei sein wird, ist noch unklar.

shz.de von
30. Januar 2018, 18:15 Uhr

Washington | Die First Lady hat diesen Blick, der töten kann. Das slowenische Fotomodell weiß genau, wann und wie sie ihn einsetzt. Und niemand dürfte diesen Blick besser kennen als Donald Trump, der notorische Schürzenjäger, der gerade wieder einmal Schlagzeilen machte mit dem Verhältnis zu einem Pornostar aus der Frühphase seiner Ehe mit Melania.

Während die junge Mutter mit Baby Barron zuhause saß, soll sich Trump laut „Wall Street Journal“ mit einer Blondine namens Stormy Daniels vergnügt haben. Auf Nachfragen der stürmischen Liebhaberin, säuselte der Milliardär Stormy ins Ohr, sie möge sich nicht über Melania sorgen.

Umso mehr sorgte sich Trump im Sommer 2016, auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs, als der Pornostar damit drohte, die Geschichte an die große Glocke zu hängen. Laut Journal vermittelten die Anwälte des Kandidaten Stormy eine Schweige-Geldzahlung über 130.000 US-Dollar. Als das renommierte Blatt kürzlich darüber berichtete, verspürte Melania im Unterschied zu früheren Reaktionen, etwa nach Veröffentlichung der Access-Hollywood-Bänder, nicht den Wunsch ihrem Mann öffentlich zur Seite zu springen. Im Gegenteil.

Kurzfristig sagte Melania die ursprünglich geplante Mitreise zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos ab. Während ihr Mann in der Schweiz um die Aufmerksamkeit der globalen Eliten buhlte, besuchte die First Lady am Gedenktag des Völkermords an den Juden demonstrativ das Holocaust-Museum. Eine Geste, die jeder in Washington verstand, der sich daran erinnern kann, das Trump im vergangenen Jahr vergaß, die Juden als Opfer des Holocaust zu erwähnen.

Als Stormy Daniels dann in Washington die Runde durch die Talkshows machte, entschwand Melania an Bord einer C-32A der US-Air-Force Richtung Mar-a-Lago. Laut „New York Times“ kostete die Reise zur Privatvilla in Florida die amerikanischen Steuerzahler rund 64.000 Dollar. Wie das Blatt weiter berichtet, versetzte Melania die Gastgeber einer Benefizveranstaltung in der Villa mit ihrem Nichterscheinen vor den Gästen. Das liefert vielleicht eine Erklärung, warum sich das gemalte Porträt der First Lady bei der Versteigerung als Ladenhüter erwies.

„Melania ist das Beispiel einer Frau, die genug haben dürfte“, interpretiert Kate Andersen Brower, die Autorin eines Bestsellers über amerikanische First Ladies, die ungewöhnliche Zurückgezogenheit der Präsidentengattin.

Während ihre Mitarbeiter im East Wing des Weißen Hauses noch massiv versuchten, die Schilderungen in Michael Wolfs Bestseller „Fire and Fury“ zu diskreditieren, begegnete Team Melania den Berichten des Wall Street Journal mit Schweigen. Diesmal gab es auch keine rührenden Geschichten von der angeblichen Herzenswärme zwischen Melania und Donald, wie sie die Ehefrau des Handelsministers Wilbur Ross nach dem Erscheinen des Buchs zum Besten gab.

Stattdessen strahlt Melania eine Eiseskälte aus, deren mediale Wirkung nur von dem knackigen Schlag auf den Handrücken des Präsidenten in Israel überboten wird. Oder ihrem öffentlich geäußerten Wunsch vor Weihnachten, die Festtage am liebsten auf „einer einsamen Insel“ zu verbringen.

Spötter sagen, alles was noch fehle sei ein öffentliches #MeToo-„Bekenntnis“ Melanias. Doch das ist nicht der Stil dieser First Lady, die sich auf andere Art als ihr Mann nicht um Konventionen schert. Schon gar nicht um den Eindruck, den sie in der Öffentlichkeit hinterlässt. Ein typisches Beispiel dafür mag das Anliegen sein, dem sie sich als Präsidentengattin widmet: Sie setzt sich als First Lady gegen Mobbing im Internet ein. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

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