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"This Is Love" : Die dunkle Seite der Liebe

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Alkoholsüchtige Kommissarin trifft Mordverdächtigen, der Kinderprostituierte aus Bordellen in Asien freikauft: eine unerfüllte Sehnsucht zweier Menschen.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2009 | 05:44 Uhr

Sein Vergewaltiger-Film "Der freie Wille" mit Jürgen Vogel schockte vor drei Jahren das Publikum. Jetzt bringt Regisseur Matthias Glasner ein beklemmendes Drama über falsch verstandene Liebe ins Kino: In "This Is Love" spielt Corinna Harfouch eine alkoholsüchtige Kommissarin. Ihr Weg kreuzt sich mit einem Mordverdächtigen, der Kinderprostituierte aus Bordellen in Asien freikauft und nach Deutschland schleust.

In vielen, langen Rückblenden erzählt der 44-jährige Glasner, wie eine unerfüllte Sehnsucht diese beiden Menschen in ein völlig selbstzerstörerisches Leben getrieben hat. Furios ist dabei Harfouch als Maggie. Vor 16 Jahren verschwand Maggies Ehemann völlig unerwartet und ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Seither taumelt die Kriminalkommissarin durch ein Leben, das sie nur mit Zynismus und sehr viel Alkohol erträgt.
Zwischen Gleichgültigkeit und Hysterie

Als sie erfährt, dass ihre Tochter viel mehr über das Verschwinden des Ehemannes und Vaters weiß als sie selbst, dreht sich die Abwärtsspirale für Maggie immer schneller und unaufhaltsamer. Denn sie ist sich sicher: Sie liebt ihren Mann noch. Harfouch füllt diese Rolle mit größter schauspielerischer Konsequenz aus. Der Zuschauer nimmt ihr in jeder Sekunde die zwischen Gleichgültigkeit und Hysterie schwankende Maggie ab. Als einzigem Menschen im Kommissariat gelingt es ihr, aus dem Verdächtigen Chris Stück für Stück die tragische Wahrheit herauszubekommen.

Mit der Figur von Chris, gespielt von dem Dänen Jens Albinus, macht es der Regisseur dem Zuschauer schwerer. Aus Saigon bringt er zusammen mit seinem Geschäftspartner (Jürgen Vogel) die neunjährige Jenjira (Lisa Nguyen) nach Deutschland. Als die Männer nicht gleich adoptionswillige "Eltern" finden, können sie den Zuhältern das Geld für das abgekaufte Kind nicht zahlen - also bleibt es erst einmal bei Chris.
Kampf gegen die krampfhaften Triebe

Die verängstigte Jenjira - die, wie sie es unter Zwang gelernt hat, immer wieder die Lolita spielt - weckt in dem Mann nicht nur väterliche Gefühle. Er wehrt sich verzweifelt, doch ohne Erfolg gegen seine Sehnsucht nach Nähe zu dem unschuldigen Kind. Wie bereits in "Der freie Wille" zeigt Glasner damit einen Menschen, der gegen seine krankhaften Triebe kämpft, ihnen letztlich aber hilflos ausgeliefert zu sein scheint.

Es gehe ihm um "die dunkle Seite der Liebe", sagt Glasner, der den Titel "This Is Love" als Provokation verstanden wissen will. "Der freie Wille" habe er noch aus einer beobachtenden Position heraus gedreht. "Bei This Is Love ist das anders: Ich hatte wenig Distanz, sondern vor allem großes Mitgefühl mit allen Figuren", wird Glasner im Presseheft zitiert. Auch Chris ist ein Opfer, vermittelt diese Sichtweise dem Zuschauer. Das aber macht den Betrachter selbst zum Täter.

Die Zuhälter-Mafia verfolgt Chris schließlich bis nach Deutschland, um ihr Geld zu fordern. Der Hausmeister deckt das pädophile Verhältnis zwischen Chris und Jenjira auf. In die Enge getrieben, dreht Chris durch. Am Ende steht ein Mord, und Jenjira ist verschwunden.

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