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Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 : Deutschland wird gewalttätiger

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Mord und Totschlag, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung - diese Straftaten haben im vergangenen Jahr stark zugenommen.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 14:37 Uhr

Berlin | Die Gewalt in Deutschland nimmt deutlich zu, während die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr gesunken ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Danach blieb die Gesamtzahl der Straftaten nahezu unverändert: Im Vergleich zu 2015 stieg sie nur minimal von 6,33 Millionen Fälle auf 6,37 Millionen.

Überdurchschnittliche Zuwächse gab es aber im Bereich der Gewaltkriminalität: Bei Mord und Totschlag wurde ein Plus von 14,3 Prozent registriert, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung lag der Anstieg bei 12,8 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Wohnungseinbrüche um 9,5 Prozent. Allerdings waren 2015 auch so viele Einbrüche registriert worden wie seit den 90er Jahren nicht mehr.

Wenn man Verstöße gegen das Ausländerrecht wie die illegale Einreise von Flüchtlingen herausrechnet, ist Bayern das sicherste deutsche Bundesland: Laut Statistik kommen im Freistaat 4785 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Am anderen Ende des Rankings finden sich die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Die Flächenländer mit der höchsten Kriminalität sind Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen mit jeweils mehr als 8000 Fällen je 100.000 Einwohner.

Fragen und Antworten zur Kriminalstatistik 2016:

Welche Veränderungen fallen besonders ins Auge?

Unübersehbar ist die Zunahme im Bereich der Gewaltkriminalität: Bei Mord und Totschlag wurde ein Plus von 14,3 Prozent registriert, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung lag der Anstieg bei 12,8 Prozent. Darüber hinaus gab es mehr als 140.000 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung - ein Zuwachs um 9,9 Prozent.

Wie ist dieser Anstieg zu erklären?

Unter anderem durch die Flüchtlingskrise: Denn speziell bei Gewaltdelikten ist laut de Maizière die Zahl der deutschen Tatverdächtigen um ein Prozent gestiegen, die der tatverdächtigen Flüchtlinge und Asylbewerber jedoch um knapp 90 Prozent. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte der Innenminister.

Er betonte aber auch: „Wir lassen es nicht zu, dass alle bei uns lebenden Flüchtlinge pauschal unter Verdacht gestellt werden.“ Die Flüchtlinge und Asylbewerber, die in der Statistik unter dem Schlagwort Zuwanderer zusammengefasst werden, machen aber nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Tatverdächtigen aus.

Aber sprechen die Zahlen nicht eine deutliche Sprache?

Laut de Maizière befinden sich gerade unter den Flüchtlingen einzelne „intensive Mehrfachtäter“, die die Masse der gesetzestreuen Migranten in Misskredit bringen. Zudem seien unter den Flüchtlingen überdurchschnittlich viele Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren - diese Gruppe sei auch unter deutschen Staatsbürgern besonders häufig in Straftaten verwickelt.

Darüber hinaus zeigt die Statistik: Bei 80 Prozent der Fälle, in denen ein Zuwanderer Opfer einer Gewalttat wird, ist der Angreifer ebenfalls ein Zuwanderer. Das spricht dafür, dass die beengte Unterbringung in Flüchtlingsunterkünften ebenfalls eine Rolle spielen dürfte.

Also sind nur die Flüchtlinge schuld an der zunehmenden Gewalt?

Nein. Der Statistik zufolge ist bei Gewaltdelikten nämlich auch die Zahl der deutschen Tatverdächtigen angestiegen. Deshalb beklagt de Maizière ganz generell „die Verrohung in unserer Gesellschaft“. Dabei handele es sich jedoch um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht allein von Polizei und Justiz bekämpft werden könne. „Alle Teile der Gesellschaft sind hier gefragt.“

Gibt es in der Kriminalstatistik auch positive Entwicklungen?

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im Vergleich zu 2015 um 9,5 Prozent zurückgegangen. Der Innenminister führt das unter anderem auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizei zurück sowie auf die staatliche Förderung von häuslicher Sicherheitstechnik. „Immer mehr Wohnungseinbrüche scheitern bereits bei der Tatausführung“, erklärte de Maizière.

Allerdings bedeutet das Minus einen Rückgang auf hohem Niveau. Nachdem es im vergangenen Jahr so viele Einbrüche gegeben hat wie seit den 90er Jahren nicht mehr, ist jetzt mit 151.265 Fälle gerade einmal wieder der Wert von 2014 erreicht.

 
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