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Tour zum Sieg über Nazideutschland : Deutschland überlegt, Polen verweigert: Keine Einreise für „Nachtwölfe“

vom

Moskau ist irritiert: Polen sagt Nein zur umstrittenen Siegesfahrt der russischen „Nachtwölfe“. Die Biker mit dem guten Draht zum Kreml dürfen nicht einreisen bei ihrer Tour von Moskau nach Berlin.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2015 | 16:04 Uhr

Warschau/Bratislava | Die Bundesregierung droht dem russischen Motorrad-Club „Nachtwölfe“ mit einem Einreiseverbot nach Deutschland. Die Rocker hatten am Samstag eine Tour von Moskau nach Berlin zum Gedenken des 70. Jahrestages des Kriegsendes begonnen. „Wir glauben nicht, dass das dem Ziel dient, einen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen zu leisten“, erklärten das Auswärtige Amt und das Innenministerium. Wenn Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland drohten, „haben wir das Recht und die Pflicht, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Risiken angemessen zu begegnen“, teilten die Ministerien mit. Das schließe die Möglichkeit, Ausländer an der Einreise zu hindern, ausdrücklich ein.

Zuvor hatte Polen ein Einreiseverbot gegen die kremltreuen „Nachtwölfe“ ausgesprochen. Alles bleibt wie geplant“, sagte der Vize-Präsident des Clubs, Felix Tschernjachowski, am Freitag. Club-Präsident Alexander Saldostanow sagte, dass 20 Motorradfahrer versuchten wollten, bis zum 9. Mai Berlin zu erreichen. Die Rocker hätten Visa und würden einzeln die Grenze nach Polen überqueren, trotz eines Einreiseverbots. Der mit Kremlchef Wladimir Putin befreundete Präsident der „Nachtwölfe“ wies Vorwürfe zurück, dass die Tour eine Provokation sei.

Der Konflikt in der Ukraine hat in den vergangenen Monaten das Verhältnis zwischen Moskau und Warschau stark belastet. Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna und Regierungschefin Ewa Kopacz nannten die Rocker-Fahrt eine Provokation. „Das ist nicht nur ein Motorradclub, oder eine Gruppe von Touristen. Sie befassen sich auch mit anderen Dingen, rühmen die Politik von Putin.“ In sozialen Netzwerken in Polen hatten Tausende gegen die geplante Tour der „Nachtwölfe“ protestiert.

Nach Darstellung des Clubs sind Stationen in Minsk, Brest, Breslau (Wroclaw), Brünn, Bratislava, Wien, München, Prag, Torgau und Berlin-Karlshorst geplant. Am 9. Mai, dem in Russland gefeierten Tag des Sieges über Hitlerdeutschland, wollen sie in Berlin sein. Doch mit dem Nein aus Polen ist der kürzeste Landweg von Moskau nach Berlin dicht. Fraglich ist, ob die Biker den Umweg über die Ukraine wagen.

Polen hatte die Einreise des Clubs mit guten Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin abgelehnt. Die russische Botschaft in Warschau sei am Freitag in einer diplomatischen Note darüber informiert worden, teilte das Außenministerium mit. Moskau kritisierte den Schritt. „Wir finden es schade. Wir bedauern diese Entscheidung sehr“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Auch das russische Außenministerium zeigte sich irritiert. Die Behörde sei „verärgert wegen der Absage der polnischen Stellen, die Biker bei ihren geplanten Aktionen zum 70. Jahrestag des Kriegsendes zu unterstützen“.

Polen begründete das Einreiseverbot damit, dass die „Nachtwölfe“ keine ausreichenden Angaben über ihre Fahrtroute und ihre Übernachtungsstationen gemacht hätten. Diese Informationen seien aber erforderlich, „um den Teilnehmern der Fahrt ausreichend Sicherheit zu bieten“.

Eine Gruppe von 75 slowakischen Intellektuellen forderte die Regierung in Bratislava auf, den Motorradfahrern die Einreise zu verweigern. „Die Botschaft der Motorrad-Gang ist nicht die Niederwerfung des Faschismus, Freiheit und Frieden, sondern die Expansion Russlands.“

Die „Nachtwölfe“ verteidigen ihre geplante Tour gegen Kritik aus Polen: „Wir sind Biker, unbewaffnet, offen nach allen Seiten“, sagte der Präsident des Clubs, Alexander Saldostanow, im Interview des kremltreuen TV-Senders lifenews.ru. Die Tour sei nicht - wie von der polnischen Regierung behauptet - eine Provokation. „Unsere Reise ist eine Demonstration des Vertrauens, nicht der Stärke. Wir wollen die Gräber unser Großväter besuchen, das ist unsere Pflicht“, sagte der auch unter dem Namen „Chirurg“ bekannte Biker. Die Motorradfahrer hätten Visa und würden jeweils einzeln nach Polen einreisen. So solle das Verbot umgangen werden, die Biker als Kolonne einreisen zu lassen. Er warf der polnischen Führung „Russenhass“ vor.

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